Evangelisches Hilfswerk kritisiert Debatte über "Gastpatienten" aus anderen Bundesländern sowie angedachte Einschränkung der medizinischen Behandlung für Asylwerber
Wien, 10.02.2026 (KAP) Die evangelische Diakonie kritisiert die gesundheitspolitische Debatte über "Gastpatienten" aus anderen Bundesländern sowie die von Bundeskanzler Christian Stocker angedachte Einschränkung der medizinischen Behandlung für Asylwerber auf eine Basisversorgung. "Es ist ein Dammbruch, die Gesundheitsversorgung für eine bestimmte Bevölkerungsgruppe einzuschränken und sie als Kranke schlechter zu behandeln. Wo wird das hinführen? Wer sind die nächsten, die nichts oder zu wenig eingezahlt haben und zu Ballast erklärt werden?", fragte Diakonie-Direktorin Maria Katharina Moser in einer Aussendung am Dienstag. Gesundheitsversorgung sei für alle Menschen existenziell.
"Es kann doch nicht sein, dass kranke Menschen, seien sie aus Niederösterreich oder seien sie Geflüchtete, zum Problem für das Gesundheitssystem erklärt werden", kritisierte Moser und forderte von der Politik, die strukturellen föderalen und systemischen Probleme im Gesundheitswesen anzupacken.
"Jeder Mensch wird irgendwann krank und ist dann auf medizinische Hilfe angewiesen - oft unerwartet, manchmal lebensbedrohlich", erinnerte die Diakonie-Chefin. Gesundheit sei ein Menschenrecht und diese würden für alle Menschen und für jeden Einzelnen gelten. "Das sind die grundlegenden Werte unseres Zusammenlebens. Wenn auch nur ein Menschenrecht für eine Gruppe infrage gestellt oder ausgesetzt wird, stehen die Menschenrechte insgesamt infrage. Und damit die Würde des Menschen, der Wert menschlichen Lebens", so Moser.
Zur Diskussion um die Gesundheitsversorgung von Asylwerbern wies die Diakonie-Direktorin darauf hin, dass diese etwa in Wien nur etwa 0,15 Prozent der Bevölkerung ausmachten. Eine solch kleine Gruppe könne das Gesundheitssystem nicht überlasten und sei nicht der Grund für Wartezeiten in Ambulanzen oder Ordinationen.
Insgesamt zeigen laut Diakonie Studien, dass Migrantinnen und Migranten seltener im Spital seien als Österreicherinnen und Österreicher. Sie würden Leistungen häufig viel später in Anspruch nehmen, oft erst dann, wenn ihre Beschwerden bereits weit fortgeschritten sind. Diese Erfahrung bestätigte auch AmberMed, die Ambulanz für Menschen ohne Kranken-Versicherung von Diakonie und Rotem Kreuz: Viele Menschen mit Flucht- oder Migrationserfahrung würden erst spät zum Arzt gehen - aus Scham oder falscher Bescheidenheit.