Vatikanstadt, 12.02.2026 (KAP) Der Vatikan und die mit Rom nicht in voller Gemeinschaft stehende Priesterbruderschaft St. Pius X. stehen offenbar vor neuen Dialogrunden. Dies geht aus einer Mitteilung des Präfekten der vatikanischen Glaubensbehörde, Kardinal Víctor Fernández, vom Donnerstagmittag hervor.
Zuvor hatte der Obere der Piusbrüder, Davide Pagliarani, mit dem Kardinal ein ausführliches Gespräch über theologische Fragen geführt. Es wurde in der Mitteilung als "herzlich und ernsthaft" bezeichnet. Es habe "mit Zustimmung des Heiligen Vaters" stattgefunden.
Weiter heißt es in der Mitteilung, in den möglichen künftigen Dialogrunden solle geklärt werden, was die Mindestvoraussetzungen für eine Wiederherstellung der vollen kirchlichen Gemeinschaft wären. Ferner solle ein möglicher kirchenrechtlicher Status für die Priesterbruderschaft erörtert werden.
Der Pius-Obere Pagliarani werde diesen Vorschlag dem Rat der Bruderschaft vorlegen und dessen Entscheidung dem Glaubensdikasterium mitteilen, heißt es in dem Kommuniqué. Wenn der Rat zustimme, werde man sich über die nächsten Schritte verständigen. Fernández rief in der Mitteilung die gesamte Kirche auf, diesen Weg im Gebet zu begleiten.
Es geht um das Konzil
Die Mitteilung spricht ferner davon, dass die Piusbruderschaft zwischen 2017 und 2019 mehrere Briefe nach Rom geschickt habe, in denen es um strittige theologische Themen ging. Dazu gehörte demnach die Frage, ob die Pluralität der verschiedenen Religionen von Gott gewollt ist.
Ferner habe der Präfekt einen theologischen Dialog zu der Frage vorgeschlagen, welcher Grad der Zustimmung zu den unterschiedlichen Texten des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965) erforderlich ist. Schließlich sollten auch noch "eine Reihe von Themen" erörtert werden, die von der Bruderschaft in einem Brief vom 17. Jänner 2019 aufgeworfen wurden. Welche Themen das sind, wird nicht ausgeführt.
Bischofsweihe würde ins Schisma führen
In dem Gespräch habe der Heilige Stuhl unterstrichen, dass eine Bischofsweihe ohne Zustimmung des Papstes "einen entscheidenden Bruch der kirchlichen Gemeinschaft (Schisma) mit schweren Konsequenzen für die gesamte Bruderschaft bedeuten würde". Daher sei die Aussetzung der angekündigten Bischofsweihen die Voraussetzung, um einen weiteren Dialog zu ermöglichen.
Die von den Piusbrüdern jüngst für 1. Juli angekündigte Weihe eigener Bischöfe war unmittelbarer Anlass für das Treffen in Rom am Donnerstag gewesen. Die Priesterbruderschaft hält diese aufgrund eines "Notstandes" für unumgänglich. Dazu zählt, dass sie in ihren Reihen nur noch über zwei Bischöfe, im Alter von 67 und 69 Jahren, verfügt - und bei deren Tod keine Möglichkeit mehr bestünde, Priester zu weihen.
Laut dem Distriktoberen der Bruderschaft in Österreich, Pater Johannes Regele, gehe es nicht nur um das Überleben der Bruderschaft, sondern auch um einen Notstand der Kirche, sagte er der Wochenzeitung "Die Furche" (Donnerstag). Ein Notstand sei gegeben, "wenn Bestand, Ordnung und Tätigkeit der Kirche in schwerwiegender Weise gefährdet oder beeinträchtigt sind", so Regele im Interview. Dazu zähle die Bruderschaft auch eine "weitgehende Protestantisierung der kirchlichen Grundstrukturen in den vergangenen Jahren", einen "augenscheinlichen Zusammenbruch des Glaubens und in Folge auch der Moral" in Europa und einen "liturgischen Notstand", da "gotteswürdige" Gottesdienste nicht mehr gewährleistet seien.
Mehr als 700 Priester in allen Erdteilen
Bereits im Pontifikat von Papst Benedikt XVI. (2005-2013) hatten die Piusbruderschaft und der Vatikan theologische und kirchenrechtliche Gespräche über eine mögliche Wiederherstellung der vollen kirchlichen Gemeinschaft geführt. Am Ende führten sie jedoch zu nichts. 2009 hatte der Papst die Exkommunikation der Bischöfe der Bruderschaft aufgehoben und damit einen großen Skandal ausgelöst, weil einer der Bischöfe ein Holocaust-Leugner war.
Die traditionalistische Vereinigung zählt nach eigenen Angaben 735 Priester in allen Erdteilen. In ihren Priesterseminaren bereiten sich insgesamt mehr als 250 junge Männer auf den Priesterberuf vor. Ihr Gründer, der französische Erzbischof Marcel Lefebvre, starb 1991; Hauptsitz der Bruderschaft ist Menzingen (Schweiz). Dem Distriktoberen Regele zufolge hat die Priesterbruderschaft vor allem in den vergangenen Jahren auch in Österreich viel Zuspruch erhalten.