Deutscher Militärbischof: Pazifismus allein wird Konflikte nicht lösen
13.02.202612:51
Deutschland/Kirche/Militär/Konflikte
Essener Bischof Overbeck betont aber auch: "Es ist wichtig, dass es Menschen gibt, die den Frieden als das Beste aller Dinge sichtbar halten"
Berlin/München, 13.02.2026 (KAP/KNA) Die Kriege und Konflikte in der Welt erfordern nach Ansicht des deutschen katholischen Militärbischofs Franz-Josef Overbeck auch Investitionen in die Rüstung. "Ein Blick in die Vergangenheit zeigt, dass der Zugriff Europas auf Waffenarsenale nach dem Zweiten Weltkrieg konkret zur Sicherheit beigetragen hat, zunächst durch Abschreckung gegenüber der Sowjetunion, später gegenüber Russland", sagte der Bischof von Essen am Freitag in einem Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA).
"Ich würde entschlossene Pazifisten nie als naiv bezeichnen und es ist wichtig, dass es Menschen gibt, die den Frieden als das Beste aller Dinge sichtbar halten", fügte Overbeck hinzu. "Doch der Kalte Krieg - bis hin zum NATO-Doppelbeschluss der 1980er-Jahre - hat gezeigt, dass letztlich eine zugegeben merkwürdige, aber wirksame Kombination aus Dialog und Aufrüstung dazu beitrug, militärische Eskalationen zu verhindern." Angesichts der neuen Bedrohung durch den Krieg Russlands gegen die Ukraine gebe es keine einfachen Antworten. "Auch dann nicht, wenn reiner Pazifismus aus bester Absicht auf den Plan tritt."
Start der Münchner Sicherheitskonferenz
Der katholische Militärbischof äußerte sich zum Auftakt der Münchner Sicherheitskonferenz. Bis Sonntag treffen sich in der bayerischen Landeshauptstadt Spitzenpolitiker, Diplomaten, Militärs und Sicherheitsexperten aus aller Welt. Im vergangenen Jahr sorgte US-Vizepräsident J. D. Vance für Empörung, als er Einschränkungen der Meinungsfreiheit in Europa beklagte.
Overbeck nahm unmittelbar vor dem Auftakt der diesjährigen Sicherheitskonferenz in München an einer Diskussionsveranstaltung zu friedensethischen Fragen teil. Im KNA-Interview brach er eine Lanze für das Spitzentreffen. "In der jetzigen schwierigen Lage liegt die Chance des Münchner Sicherheitstreffens darin, dass Akteure, die sonst kaum miteinander sprechen, in direkten Kontakt treten", sagte er.
"Wenn es nur um den Austausch von Informationen ginge, wären digitale Formate sicher weniger aufwendig", fügte der Bischof von Essen hinzu. "Aber gerade in der internationalen Politik geht es um das Verstehen des Anderen und den Aufbau von Vertrauen. Und da ist persönliche Begegnung durch nichts zu ersetzen."