Französischer Priester hört im Skilift die Beichte
13.02.202613:42
Frankreich/Glaube/Kirche/Buntes
Aus einer spontanen Idee wurde ein regelmäßiges Angebot, das auch Kirchenferne gerne annehmen
Paris, 13.02.2026 (KAP/KNA) Ein französischer Priester nimmt Skifahrern in den Alpen im Sessellift die Beichte ab. Wie das katholische Nachrichtenportal OSV News berichtete, sieht Pater Geoffroy Génin (69) den Skilift als "Beichtstuhl unter freiem Himmel für eine luftige Seelsorge".
Der sportliche Geistliche warte jeden Montagmorgen in der Nähe der Skilifte des Skigebiets Val Cenis im Maurienne-Tal in Savoyen auf Menschen, die beichten möchten. Seine Pfarre Notre-Dame de l'Alliance besteht aus zahlreichen Berggemeinden, in denen sich die Bevölkerung mit der Ankunft der Urlauber verdoppelt.
Aus Zeitmangel: Beichte im Skilift
Während einer Sonntagsmesse hätten ihn Skifahrer gebeten, ihnen die Beichte abzunehmen. Aus Zeitmangel bot er ihnen an, sich am nächsten Tag mit ihnen am Skilift zu treffen. "Am nächsten Morgen fuhr ich mit jedem von ihnen den Sessellift hinauf, um ein diskretes, leise geflüstertes Bekenntnis abzulegen, das sechs oder sieben Minuten dauerte. Nach der Absolution fuhr ich mit Blick auf die schneebedeckten Berge mit ihnen die Piste hinunter."
Für Génin passt die Beichte gut zum Skifahren, denn in den Bergen könne man gut "einen Schritt zurücktreten". Die Beichte mache das Herz leicht. Aus der einmaligen Aktion wurde so ein regelmäßiges Angebot: Den Menschen, die sonntags zur Messe kommen, bietet der Priester die Beichte auf dem Sessellift an. "Wir machen einen Termin für den nächsten Tag aus, damit ich sicher sein kann, dass sie es nicht vergessen." Oft meldeten sich später andere Interessierte, wenn sie ihre Freunde beichten sehen. So bietet der Sport für Génin eine "großartige Gelegenheit, Menschen zu treffen, die nie in die Kirche gehen und die sonst nie auf die Idee kämen, einen Priester aufzusuchen".
Vom Produktionsmanager zum Priester
Génin stammt aus Lyon und arbeitete zunächst im Produktionsmanagement. Im Alter von etwa 35 Jahren wollte er seinem Leben mehr Sinn geben. Ein touristischer Besuch der Abtei von Cîteaux, der Gründungsabtei des Zisterzienserordens, habe ihn nicht mehr losgelassen. "Ich war tief beeindruckt von der Ruhe, die diese Mönche ausstrahlten", sagte er OSV News. "Ich war so beeindruckt, dass ich sie danach noch mehrmals aufsuchte. Die Mönche rieten mir schließlich, den Priester in meiner Gemeinde aufzusuchen. Ich musste ihn suchen, denn ich hatte keine Ahnung, wo ich ihn finden konnte."
Im Jahr 2000 wurde er im Alter von 43 Jahren zum Priester geweiht. 2014 zog er aus Lyon nach Savoyen, in eine viel ländlichere Diözese. Er wurde Pfarrer in Bourg-Saint-Maurice, einer Stadt im Tarentaise-Tal, die für ihre alpinen Skigebiete bekannt ist. Heute lebt er in Val Cenis im Maurienne-Tal, wo die Skigebiete kleiner und familiärer sind.
Er liebe es, die Menschen beim Bergsport zu treffen, und gehe gern mit ihnen zum Wandern, Klettern, Gleitschirmfliegen, Drachenfliegen und Skifahren, so Génin. "Ich genieße es, die Menschen dort zu treffen, wo sie sind." Ältere oder behinderte Menschen, die nicht allein Skifahren können, nimmt er auf speziellen Tandem-Flex-Skiern mit. Es mache ihn glücklich, dieses Glück mit jenen zu teilen, die es nicht allein genießen könnten, so der Geistliche.