Theologie studieren in Jerusalem: das soll ab kommendem Herbst für mehr Interessenten möglich sein - Das traditionsreiche Programm an der Dormitio-Abtei weitet den Kreis aus - Von Andrea Krogmann
Jerusalem, 15.02.2026 (KAP/KNA) Nach Jahren sinkender Bewerberzahlen zeichnet sich für das Theologische Studienjahr Jerusalem für deutschsprachige Theologiestudierende eine Trendwende ab. Rund dreißig Bewerbungen liegen derzeit vor, sagten die Studiendekane Friederike Eichhorn-Remmel und Daniel Remmel der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) in Jerusalem. Die verlängerte Bewerbungsfrist endet am 18. Februar. Neben der anhaltenden Waffenruhe dürften Neuerungen bei den Zulassungsbedingungen eine Rolle beim Anstieg der Zahlen spielen.
Das 1973 vom damaligen Benediktinerabt Laurentius Klein an der Jerusalemer Dormitio-Abtei ins Leben gerufene Studienprogramm mit biblischem Schwerpunkt soll an die kirchlichen und gesellschaftlichen Erfordernisse der Zeit angepasst werden: Mit diesem Anspruch sind die Freiburger Neutestamentlerin Friederike Eichhorn-Remmel und der Dogmatiker Daniel Remmel angetreten. Mit den beiden Professoren teilt sich seit September erstmals ein Ehepaar die Rolle des Studiendekans.
Offen auch für Orthodoxe
Die wichtigste Neuerung: Mit Beginn des nächsten zweisemestrigen Programms am 24. August sollen deutschsprachige Studierende aller Studiengänge mit theologischen Anteilen an der Dormitio lernen können. Bisher war dafür ein Vollstudium der evangelischen oder katholischen Theologie Voraussetzung. Jetzt können sich auch Studierende mit dem Ziel Lehramt, mit Theologie im Haupt- oder Nebenfach sowie aus kombinierten Studiengängen bewerben. Ebenfalls neu: die Bewerbung auch Studierenden der orthodoxen Theologie. Laut den Dekanen kommen etwa ein Viertel der schon vorliegenden Bewerbungen aus dem erweiterten Kandidatenkreis.
Während bisher im Auswahlverfahren solide Kenntnisse in den biblischen Sprachen Hebräisch und Griechisch von allen Interessenten verlangt wurden, soll es künftig studienspezifisch angepasste Eignungsprüfungen geben. Dabei müssen Studierende gegebenenfalls durch äquivalente Leistungen einen biblischen Schwerpunkt und eine entsprechende Motivation nachweisen.
Praktika und Master class
Wie der Adressatenkreis, so soll auch das Programm selbst vielfältiger werden: Künftig besteht etwa die Wahl zwischen einer dreiwöchigen biblisch-archäologischen Master class und einem dreiwöchigen Praktikum in den Bereichen Politik, Ökumene oder Schule. Die angestrebte Differenzierung der Lehrveranstaltungen ziele darauf ab, einerseits die biblisch-archäologische Exzellenz zu vertiefen, für die das Dormitio-Programm stand, andererseits Studierenden mit anderen Biografien Alternativen zu bieten, so die Dekane.
An der englischsprachigen Master class sollen zudem Doktoratsstipendiaten teilnehmen können. Dies soll Studierende aus verschiedenen Phasen der akademischen Karriere zusammenbringen. Derzeit läuft laut der Leitung ein Drittmittelantrag für eine Pilotphase von drei Jahren. Neu sei auch ein Aufruf an Lehrende, sich für Vorträge im Rahmen des Programms zu bewerben.
Schrumpfende Zielgruppe
Die Reform reagiert auf einen Trend an den Universitäten: Seit langem ist die Zahl derer, die ein Vollstudium der Theologie aufnehmen, "massiv rückläufig", wie das Dekans-Ehepaar sagt. Auch die Kirchen stünden vor der Realität, dass sie ihren Personalbedarf mit Absolventen des klassischen Theologiestudiums "kaum noch decken" könnten.
Auch wenn für das Jerusalemer Programm die Zugangsvoraussetzungen wie die Kenntnis der alten Sprachen gelockert würden, gehe es um "mehr als Defizitmanagement", so Daniel Remmel. Durch die Neuerungen würden weitere elementare Kompetenzen in das Programm gebracht, darunter Ökumene, Interreligiosität und Politik, die in Studiengängen, in denen Theologie nur einen Teil ausmacht, stärker im Fokus stünden, so Friederike Eichhorn-Remmel.
Der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD), der als Hauptgeldgeber die Kosten für bis zu 20 Studierenden deutscher Universitäten übernimmt, steht laut den Dekanen hinter den Änderungen. Entsprechend sei die Finanzierung gesichert. Ausreichende Qualifikation vorausgesetzt, können insgesamt 23 deutschsprachige Studierende einen Platz bekommen. Im aktuellen Programm, das noch bis Pfingsten dauert, sind es gerade einmal zehn.