Wr. Neustadt: Grünwidl feiert Amtsantrittsmesse mit 1.200 Gläubigen
13.02.202623:55
Österreich/Kirche
Wiener Erzbischof unterstreicht seine enge Verbundenheit mit der Stadt und dem Südvikariat der Erzdiözese Wien
Wiener Neustadt, 13.02.2026 (KAP) Mehr als 1.200 Gläubige aus dem südlichen Niederösterreich haben am Freitag mit dem neuen Wiener Erzbischof Josef Grünwidl in Wiener Neustadt seinen feierlichen ersten Vikariatsgottesdienst gefeiert. Grünwidl war es ein großes Anliegen - wie er zu Beginn betonte -, dass er seinen Bischofsamts-Antritt jeweils mit einer Eucharistiefeier in jedem der drei Wiener Vikariate - Stadtvikariat (Feier im Stephansdom), Südvikariat (Feier in Wiener Neustadt) und Nordvikariat (Feier in Wullersdorf) - begeht.
Der Wiener Erzbischof unterstrich seine enge Verbundenheit mit Wiener Neustadt. Er habe hier drei Jahre lang als Kurat seelsorgerisch gedient, wobei er außerdem "oft nächtens die Domorgel bespielt" habe. Als Bischofsvikar für das Südvikariat sei er in den vergangenen Jahren oft in die Stadt gekommen, einerseits ins Südvikariats-Büro und zu Kursen, andererseits aber auch für Gottesdienste.
"Ohne Wurzeln keine Früchte"
In seiner Ansprache über einen Text aus dem Johannesevangelium - die vollkommene Freude, die Erwählung der Jünger durch Gott selbst und der Auftrag, Frucht zu bringen - rief Grünwidl dazu auf, nicht über "das Zerbröseln der alten Kirchengestalt" zu jammern, sondern sich für eine Erneuerung im Sinne einer synodalen Kirche zu engagieren. "Ja, wir werden weniger. Aber heißt das, dass das Evangelium weniger wichtig wird?", so der Erzbischof. Wenn Jesus zur Freude ermutige, so wolle er auch sagen, dass ja nicht die Kirche der Grund der Freude sei, sondern der Grund sei Gott.
Auch die Initiative zur Erneuerung der Kirche komme von Gott. Die Kirche gehe punktuell zwar in Richtung Minderheit, aber in dieser Situation sei geboten, Neues zu versuchen. "Mein Dank gilt an alle, die das Leben in den Pfarren mitgestalten und überlegen, wie sie neue Wege gehen können", so Grünwidl. Synodalität heiße etwa auch, "über den eigenen Kirchturm hinauszuschauen, zu den Nachbarn, und auch in die Ökumene". Was ebenfalls nottue, sei eine Stärkung der eigenen Wurzeln, da man sonst nicht über seinen Glauben Auskunft geben könne, denn "ohne Wurzeln keine Früchte". Den Weg zu dieser Erneuerung sollten alle in Diözese und Vikariat gemeinsam gehen - "ich lade dazu ein", schloss Grünwidl.
Bei dem Gottesdienst in der im romanischen Stil erbauten heutigen Propsteikirche und früheren Domkirche von Wiener Neustadt feierten zahlreiche Priester und Ordensleute mit, darunter Abt Maximilian Heim von Stift Heiligenkreuz. Das Land Niederösterreich und die Stadt Wiener Neustadt - mit Bürgermeister Klaus Schneeberger (ÖVP) an der Spitze - waren zahlreich vertreten.
620.000 Einwohner, 17 Dekanate
Das Südvikariat mit Sitz in Wiener Neustadt wurde 1969 gegründet. Die Erzdiözese Wien beschloss damals, im Zuge ihrer ersten Diözesansynode, eine konkrete Umsetzung der Konzilsbeschlüsse inklusive territorialer Aufteilung ihres zwei Bundesländer umfassenden Gebiets. Zu diesem Zweck wurden drei Bischöfliche Vikariate gegründet, die territorial ungefähr mit den vormaligen Wiener Erzdekanaten Wien-Stadt, Wien-Nord und Wien-Süd übereinstimmen.
Das Südvikariat (Vikariat Unter dem Wienerwald), dessen Büros sich teils in Wiener Neustadt und teils am Wiener Stephansplatz befinden, umfasst 17 Dekanate der Erzdiözese Wien, die einerseits südlich der Donau und andererseits im Bundesland Niederösterreich liegen. Eine Ausnahme bildet das Dekanat Klosterneuburg, das nicht zum Südvikariat gehört, sondern zum Stadtvikariat.
Im Gebiet leben mit 620.000 Einwohnern mehr Menschen als in Kärnten. Die Zahl stellt ein Drittel der niederösterreichischen Bevölkerung dar. Der meist verwendete Regionsname lautet Industrieviertel. Es reicht vom Wiener Speckgürtel bis zum Semmering bzw. zum Dreiländereck in der Buckligen Welt.
Erzbischof Grünwidl war 2023 von Kardinal Schönborn zum Bischofsvikar für das Südvikariat ernannt worden. Nominell blieb er dies bis zur Ernennung seines aktuellen Nachfolgers Richard Kager, der sein Amt am 1. Februar angetreten hat.