Traumjob mit globaler Verantwortung: Organist Josep Solé Coll fühlt sich zur Spitzenleistung verpflichtet. Wie er über Lampenfieber denkt und was ihn im Petersdom besonders herausfordert.
Bonn/Vatikanstadt, 14.02.2026 (KAP/KNA) Der Chef-Organist des Papstes fühlt sich zu seinem Dienst berufen und von ihm als Musiker und als Gläubiger herausgefordert. "Unter Michelangelos Kuppel zu spielen, ist nicht nur eine musikalische Darbietung, sondern ein Akt des Gebets, der weit über die Mauern der Basilika hinausreicht", sagte Josep Solé Coll am Freitag im Interview mit dem kirchlichen Internetportal katholisch.de.
Der Spanier ist erster Organist der vatikanischen Basilika. Weil Gottesdienste mit Papst Leo XIV. weltweit übertragen werden, erreicht seine Musik Millionen von Menschen. So fühle er sich verpflichtet, ein Beispiel für künstlerische Spitzenleistung zu geben, auch im Sinne der Evangelisierung: "Meine Kollegen im Chor der Sixtinischen Kapelle und ich sind uns bewusst, dass die Qualität unseres Dienstes die Herzen der Zuhörer auf der ganzen Welt erheben kann."
Nachhall erfordert besondere Präzision
Besonders herausfordernd sei beim Musizieren im Petersdom die Akustik, sagte Solé Coll: "Bei einem Nachhall von sieben bis acht Sekunden muss man in der Kirche mit äußerster Präzision 'spielen'." Der Organist spricht lieber von "heiliger Spannung" als von Lampenfieber vor den von ihm gestalteten Liturgien. Der Druck sei groß, wenn die ganze Welt zusehe und der Papst nur wenige Meter entfernt sei: "Für einen Gläubigen ist der Papst nicht nur eine repräsentative Figur, sondern der Stellvertreter Christi auf Erden. Während seiner Feierlichkeiten zu spielen bedeutet, sich in den Dienst einer göttlichen Handlung zu stellen." Dieses Bewusstsein erfordere absolute Konzentration. Sobald der erste Akkord erklinge, verwandele sich die Angst in Energie.
Papst Benedikt XVI. habe spezifische Musikwünsche geäußert und bei Papst Franziskus habe es Experimente mit Opernmusik gegeben, die aber letztlich nicht zur Liturgie gepasst hätten, erinnerte sich Solé Coll. "Was Papst Leo betrifft, so wissen wir, dass er singt und gut singt; was den Rest angeht, so lernen wir ihn noch kennen", so der Chef-Organist. Jede Feier sei ein weiterer Schritt, um zu verstehen, wie die päpstliche Spiritualität mit dem Dienst der Musiker verflochten sei. Der Zeremonienmeister der päpstlichen liturgischen Feiern vermittle zwischen Papst und Musik.