Erster Moschee-Neubau Thüringens eingeweiht - Haus des Dialogs
14.02.202619:35
Deutschland/Islam/Moschee
Kuppel, Minarett, lange Bauzeit: In Erfurt ist Thüringens erster Moschee-Neubau eingeweiht worden. Hochrangige Vertreter aus Politik und Religion nahmen teil. Welche Erwartungen zum Start geäußert wurden.
Erfurt , 14.02.2026 (KAP/KNA) Nach fast siebenjähriger Bauzeit und vielfachen Anfeindungen ist Thüringens erster Moschee-Neubau in Erfurt eingeweiht worden. Das islamische Gotteshaus mit Kuppel und einem acht Meter hohen Zierminarett gehört der muslimischen Ahmadiyya-Gemeinde, die im Freistaat rund 100 Mitglieder hat. Es ist der erste Moschee-Neubau in Ostdeutschland außerhalb von Berlin.
"Dass wir heute in dieser fertigen Moschee sitzen dürfen, ist keine Selbstverständlichkeit. Der Weg war lang und von vielen Herausforderungen, Gesprächen und Prüfungen geprägt, umso größer ist unsere Dankbarkeit", sagte der Präsident der Ahmadiyya-Gemeinde Thüringen, Suleman Malik, am Samstag beim Festakt vor rund 120 Gästen. Unter ihnen waren Bundestagsvizepräsident Bodo Ramelow sowie die Bischöfe Ulrich Neymeyr und Friedrich Kramer. Zuvor waren Verse aus dem Koran rezitiert worden. Angekündigte Proteste vor der Moschee blieben bei der Einweihung aus.
Haus des Gebets und Dialogs
Malik erklärte, die neue Moschee solle ein Haus des Gebets, aber auch des Dialogs und des gegenseitigen Respekts sein: "Es soll Brücken bauen." Thüringens Ministerpräsident Mario Voigt (CDU) gratulierte per Videobotschaft und sprach von einem Tag großer Freude. Religion sei auch ein Ausdruck von Heimat, und er freue sich, dass die Ahmadiyya-Gemeinde hier Wurzeln geschlagen und Heimat gefunden habe.
Der Grundstein für die Moschee wurde 2018 gelegt. Sie steht am Rand von Erfurt in einem Gewerbegebiet. Der Bau, zu dem neben einem schlichten Gebetsraum auch eine Wohnung für den Imam gehört, wurde ausschließlich aus Spenden finanziert und kostete den Angaben zufolge 1,35 Millionen Euro. Am Sonntag öffnet die Mahmud-Moschee von 10.00 bis 18.00 Uhr ihre Türen für eine größere Öffentlichkeit zum "Tag der offenen Moschee".
Proteste in der Vergangenheit
Seit der Ankündigung des Bauvorhabens hatte es immer wieder teils massive islamfeindliche Proteste gegeben. Moschee-Gegner errichteten meterhohe Protest-Kreuze und spießten im Sommer 2017 Schweinekadaver auf dem Gelände auf. Die christlichen Kirchen unterstützten das Bauvorhaben.
Die Ahmadiyya-Gemeinschaft versteht sich als weltweite islamische Reformbewegung, wird aber von vielen anderen muslimischen Strömungen nicht anerkannt und teils verfolgt. Bundesweit hat sie nach eigenen Angaben etwa 60.000 Mitglieder und unterhält mehr als 60 Moscheen.