Italien: Neue Debatte um Sterbehilfe nach Todesfall in Turin
15.02.202612:15
Italien/Sterbehilfe/Kirche/Politik
In Italien wird ähnlich wie in Deutschland über ein Gesetz zur Sterbehilfe debattiert. Bisher ist aufgrund von Gerichtsurteilen in einigen Regionen die Beihilfe zum Suizid erlaubt. Ein neuer Fall verschärft die Debatte.
Rom, 15.02.2026 (KAP) Nach einem Suizid in Turin mit Unterstützung des örtlichen Gesundheitsamtes wird in Italien verschärft über die Legalisierung der Sterbehilfe gestritten. Auslöser des Streits ist der Fall eines bewegungsunfähigen Mannes, der am Samstag mit aktiver Unterstützung der örtlichen Gesundheitsbehörde aus dem Leben schied. Der Fall hat in den Medien, in der politischen Debatte und bei kirchlichen Vertretern kontroverse Stellungnahmen ausgelöst.
Ermöglicht wurde die aktive Beihilfe zum Suizid durch zwei Urteile des italienischen Verfassungsgerichts in den Jahren 2019 und 2024. Die Richter stellten mehrheitlich fest, dass es derzeit in Italien keine gesetzliche Grundlage gebe, um in bestimmten Extremfällen eine aktive Sterbehilfe zu bestrafen. Seither diskutieren Parteien, Interessengruppen und Kirchenvertreter über ein mögliches Gesetz, um das Problem verbindlich und landesweit zu regeln.
Nach dem assistierten Suizid in Turin äußerte sich der in der Italienischen Bischofskonferenz für medizinethische Fragen zuständige Vizepräsident, Bischof Francesco Savino, in den Medien. Er sagte, der jüngste Todesfall bestätige auf tragische Weise die Notwendigkeit, endlich zu einer gesetzlichen Regelung zu kommen. Er beklagte, dass es derzeit mangels eines nationalen Gesetzes eine Art Anarchie mit "selbstgestrickten Regeln der einzelnen Regionen". Statt die Beihilfe zum Suizid zu erlauben, solle der Staat die Versorgung mit palliativmedizinischen Einrichtungen ausbauen, so die Forderung des Bischofs.
Vor der Region Piemont, zu der Turin gehört, hatten bereits andere Regionalparlamente in Italien eine Legalisierung der aktiven Sterbehilfe beschlossen, als erste die traditionell linksorientierte Region Toskana. Auf nationaler Ebene befürworten die meisten linken Oppositionsparteien eine landesweite Legalisierung; die Mitte-Rechts-Parteien der Regierung Meloni sind in der Frage uneins.