Leiter der Stabstelle "Internationaler Schutz verfolgter religiöser Minderheiten" im Bundeskanzleramt, Soudek, in "Academia"-Beitrag: Irrtum, Christenverfolgung als fernes Problem zu betrachten
Wien, 17.02.2026 (KAP) Christenverfolgung ist eines der größten und zugleich am meisten verdrängten Menschenrechtsthemen unserer Zeit. Das betont der Leiter der Stabstelle "Internationaler Schutz verfolgter religiöser Minderheiten" im Bundeskanzleramt, Daniel Soudek, in einem Beitrag in der aktuellen Ausgabe des Magazins "Academia". Während viele Formen von Diskriminierung zu Recht starke Aufmerksamkeit erhalten, werde das Leid verfolgter Christen international oft relativiert, sprachlich entschärft oder aus Angst vor politischen Spannungen wegmoderiert, moniert Soudek. Dieses Wegschauen habe aber einen Preis: "Es ermutigt Täter, schwächt Opfer und untergräbt die Glaubwürdigkeit des Menschenrechtsschutzes."
Soudek nennt einige aktuelle Hotspots der Christenverfolgung: In Nigeria würden regelmäßig Kirchen niedergebrannt, Dörfer überfallen und Zivilisten getötet. Islamistische Terrororganisationen wie Boko Haram oder ISWAP (Islamischer Staat in Westafrika) und weitere bewaffnete Akteure ermordeten Menschen, verschleppten Frauen, vergewaltigten Mädchen und würden Betroffene zur Konversion zwingen.
In Pakistan könne bereits der Verdacht der "Blasphemie" zu Lynchjustiz führen: Christen würden von aufgebrachten Mobs verfolgt, Häuser angezündet, ganze Familien bedroht oder getötet. Im Irak und in Syrien habe der Terror des sogenannten Islamischen Staates jahrhundertealte christliche Gemeinden vertrieben und religiöse Minderheiten - darunter auch Jesiden - in brutalster Weise massakriert. In Eritrea seien Christen ohne Verfahren inhaftiert; in Indien nähmen Angriffe durch hindu-nationalistische Gruppen zu.
Politisch-islamistische Ideologien
Soudek konzentriert sich in seinen folgenden Ausführungen dann aber auf den "politischen Islam", der auch Österreich gefährde, wie er schreibt: "Auch Österreich ist zunehmend mit den Auswirkungen politisch-islamistischer Ideologien konfrontiert." Dabei gehe es nicht um persönliche Religionsausübung, sondern um Strukturen und Einflussnahmen, die demokratiefeindliche, abschottende oder intolerante Vorstellungen verbreiten - und dabei gezielt die Offenheit des Rechtsstaates nutzen.
Es sei jedenfalls ein Irrtum, so der Stabstellenleiter, Christenverfolgung als fernes Problem zu betrachten. Zwischen Zwangskonversionen, Vertreibungen und Kirchenbränden in Krisenregionen und Angriffen auf kirchliche Symbole in Europa gebe es eine ideologische Linie. Der Unterschied liege häufig nicht im Prinzip, sondern im Ausmaß der Gewalt: "Was anderswo mit Terror, Entführung und Mord durchgesetzt wird, zeigt sich hier zunächst als Einschüchterung, Vandalismus, Hetze und Normalisierung von Respektlosigkeit gegenüber christlichen Symbolen."
Islamwissenschaftlich gesprochen sei der politische Islam kein persönlicher Glaube, sondern der Versuch, religiöse Normen als politische Ordnung zu setzen. "Wo dieser Anspruch wächst, schrumpft der Raum für Minderheitenrechte", so Soudek. Religionsfreiheit sei daher zu schützen, sie dürfe aber zugleich nicht als Deckmantel für Extremismus missbraucht werden: "Wo religiöse Symbole und Institutionen instrumentalisiert werden, um politische oder ideologische Ziele zu verfolgen, endet das friedliche Zusammenleben." Islamistische Bewegungen versuchten immer wieder, sich auf Religionsfreiheit zu berufen, um intolerante und demokratiefeindliche Strukturen zu legitimieren. Das sei ein gefährlicher Missbrauch eines Grundrechts, "das dazu geschaffen wurde, Glauben frei zu leben - nicht, um andere zu unterdrücken oder die freiheitliche Ordnung zu schwächen".
Wie Soudek weiter schreibt, sei ein wesentliches ideologisches Element des Islamismus der Antisemitismus. Dieser verbinde religiöse Narrative mit Verschwörungsdenken und politischer Feindbildkonstruktion. Soudek: "Wo Juden systematisch dämonisiert werden, geraten auch Christen und andere Minderheiten unter Druck." Diese ideologische Verbindung erkläre, warum antisemitische und christenfeindliche Gewalt in denselben Milieus gedeiht und warum der Schutz religiöser Minderheiten stets gemeinsam gedacht werden muss, so der Menschenrechtsexperte.
Die Stabstelle "Internationaler Schutz verfolgter religiöser Minderheiten" wurde 2024 eingerichtet und steht aktuell unter der politischen Verantwortung von Ministerin Claudia Bauer. Die Stabstelle bündelt Österreichs Engagement für verfolgte Christen und andere religiöse Minderheiten, stärkt die internationale Vernetzung, fördert konkrete Hilfsprojekte, beobachtet und beurteilt die weltweite Situation der Religionsfreiheit, erstellt Berichte und hält Kontakt zur in Österreich lebenden christlichen Diaspora.