Am Aschermittwoch beginnt die 40-tägige österliche Bußzeit
Wien, 16.02.2026 (KAP) Am 18. Februar beginnt mit dem Aschermittwoch für die meisten Christinnen und Christen in aller Welt - mit Ausnahme der Gläubigen der Ostkirchen - die vorösterliche Bußzeit, auch Fastenzeit genannt. Im Zentrum des es österlichen Weges stehen Buße, Umkehr und Erneuerung. "Kathpress" erläutert in mehreren Fragen und Antworten, was es mit Aschenkreuz, Fasten und Verzicht auf sich hat.
Was bedeutet das Aschenkreuz?
Das Aschenkreuz, das Gläubigen am Aschermittwoch auf die Stirn gezeichnet wird, markiert den Beginn der Fastenzeit und steht zugleich für die Hoffnung der Christen auf Auferstehung. Bereits in den alttestamentlichen Büchern Jona und Hiob diente die Asche als Zeichen der Buße. Bei der Spendung des Aschenkreuzes spricht der Priester die Worte: "Bedenke Mensch, dass du Staub bist und zu Staub zurückkehrst." Üblich ist dabei auch der Ausspruch: "Kehre um und glaube an das Evangelium" - ein Aufruf zur Wegkorrektur und zur Besinnung auf Christus als Zentrum des christlichen Glaubens.
Gewonnen wird die Asche durch das Verbrennen der gesegneten Palmzweige aus dem Vorjahr. Der Aschenritus stammt aus dem 11. Jahrhundert und damit aus jener Zeit, in der die Büßer öffentlich am Aschermittwoch aus der Kirche ausgeschlossen und als Zeichen der Buße mit Asche bestreut wurden. Erst am Gründonnerstag, dem liturgischen Endtermin der Fastenzeit, wurden sie feierlich wieder in die Gemeinschaft der Kirche aufgenommen. Besondere Bedeutung hat die Fastenzeit jedoch auch für die Vorbereitung der Katechumenen auf den Empfang der Taufe in der Osternacht.
Wie lange dauert die Fastenzeit?
Die Dauer von 40 Tagen ("Quadragesima") wurde auf dem Konzil von Nizäa (325 n. Chr.) festgelegt, ebenso wie die drei Grundthemen Verzicht, Gebet und Werke der Nächstenliebe. Bei den 40 Tagen von Aschermittwoch bis Karsamstag werden die sechs Fastensonntage nicht mitgezählt. An diesen gibt es ein vorösterliches Fastenbrechen, um dem feierlichen Charakter der sonntäglichen Eucharistie Rechnung zu tragen.
Abgeleitet ist die Dauer von den 40 Tagen, die Jesus nach seiner Taufe im Jordan in der Wüste betete und fastete. Hohen Symbolwert hat die Zahl jedoch bereits im Alten Testament: Der Prophet Elija fastete 40 Tage in der Wüste, das Volk Israel wanderte 40 Jahre durch die Wüste und durchlief damit eine Zeit der Läuterung, Moses war Gott auf dem Berg Sinai 40 Tage nahe und auch die Stadt Ninive hatte 40 Tage Zeit, um ihre Sünden zu bereuen.
Mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-65) und der danach einsetzenden Liturgiereform wurde eine Akzentverschiebung eingeleitet. Die Tage der Vorbereitung auf Ostern wurden inhaltlich von einer "Fastenzeit" zur "österlichen Bußzeit" verändert. Diese Bußzeit dauert vom Aschermittwoch bis zum Abend des Gründonnerstags und endet vor dem Beginn der Abendmahlsfeier. Vom Fasten ist explizit eigentlich keine Rede mehr, freilich ist es im Begriff "Buße" miteingeschlossen. Auch die Sonntage gehören zu dieser neuen "österlichen Bußzeit", wodurch sich genau genommen 44 Tage ergeben. Trotzdem blieb die gebräuchliche Bezeichnung "vierzig Tage" bestehen.
Was dürfen Christen während der Fastenzeit essen?
Der Aschermittwoch ist neben dem Karfreitag der einzige Tag, der in der katholischen Kirche als strenger Fastentag gilt. An den beiden Tagen schreibt die Kirche eine bloß einmalige Sättigung am Tag durch eine schlichte Mahlzeit vor. Das Fastengebot richtet sich an erwachsene Personen vom vollendeten 18. Lebensjahr bis zu Beginn ihres 60. Lebensjahres; Kinder, Kranke und Reisende sowie körperlich schwer Arbeitende sollten nicht fasten, Jugendliche unter 18 Jahren nur eingeschränkt.
Fasten ist nicht mit Diät oder Schlankheitskuren zu verwechseln, sondern meint eine religiös begründete Einschränkung oder Enthaltung mit dem Ziel der leiblichen, aber auch geistigen und seelischen Reinigung. Schließlich ist christliches Fasten vorwiegend eine innerliche Praxis: Zentral ist die Festigung und Reifung im Glauben gegenüber Versuchungen wie Egoismus, Sucht, Untreue oder Verbitterung sowie das Ziel, sich für Gott und die Mitmenschen zu öffnen.
Die Österreichische Bischofskonferenz hat 1994 folgende Buß- und Fastenordnung herausgegeben. Wörtlich heißt es dort: "Das Jahr hindurch gedenken die Katholiken am Freitag der Passion des Herrn durch ein Bußwerk eigener Wahl. An den Fasttagen Aschermittwoch und Karfreitag verzichten sie auf Fleischspeisen und sättigen sich nur einmal."
In Ansätzen kommt dies auch in der Wortbedeutung von "fasten" zum Ausdruck: Mittelhochdeutsch "vasten", gotisch "fastan", wird damit ein "festhalten, bewachen, beobachten" der Gebote bezeichnet.
Ist die Fastenzeit auf die katholische Kirche beschränkt?
Fasten ist fester Bestandteil aller Weltreligionen und nicht nur ein katholisches Phänomen. Auch in der evangelischen Kirche gibt es die Passionszeit. Die Angehörigen der Ostkirchen befolgen vier größere Fastenzeiten im Kirchenjahr, die viel strenger gelebt werden als die Fastenzeit vor Ostern in der katholischen Kirche. Der Islam kennt den Fastenmonat Ramadan, der heuer fast zeitgleich mit der Fastenzeit von Katholiken und Evangelischen beginnt.
Auch bei nichtreligiösen Menschen liegt die Fastenzeit seit einigen Jahren im Trend. Viele versprechen sich vom Fasten neben dem Gewichtsverlust auch Glücksgefühle, eine Reinigung von Körper, Geist und Seele, geschärfte Sinne und mehr Energie.
Welche liturgischen Farben und Rituale gibt es?
Als Symbol der Buße wird in der kirchlichen Liturgie während der Fastenzeit die Farbe Violett verwendet. Im Messablauf wird kein Halleluja gesungen, das Gloria nur an den Hochfesten St. Josef (19. März) und Verkündigung des Herrn (25. März), was ein "Fasten der Ohren" bewirken soll. Blumenschmuck gibt es in den Kirchen nur am vierten Fastensonntag, dem "Laetare-Sonntag". Ab diesem Tag, der die Hälfte der Fastenzeit markiert, sollen Christen froh dem Palmsonntag entgegensehen, der für den Einzug Jesu in Jerusalem, seinen Opfergang und somit die Erlösung der Menschen steht.
Ab dem 5. Fastensonntag, dem "Passionssonntag", werden Kreuze und Standbilder mit violettfarbenen Tüchern verhüllt. Eine Wiederentdeckung hat in den jüngsten Jahren der um das Jahr 1000 erstmals im Alpenraum verzeichnete Brauch der Passionstücher erfahren. Die großflächigen Textilien, die ein "Fasten für die Augen" darstellen und den Gläubigen einst völlig den Blick zum Altar verstellten, sollten früher daran erinnern, dass der sündige Mensch unwürdig ist, Gott zu schauen. Später kam der belehrende Aspekt in den Vordergrund, heute vielfach vorwiegend der jeweilige künstlerische Impuls.
(Kathpress-Themenschwerpunkt mit zahlreichen Meldungen zur österlichen Bußzeit abrufbar unter www.kathpress.at/fastenzeit)