Kardinal in Myanmar: "Polykrise" reißt Land in den Abgrund
16.02.202614:46
Myanmar/Kirche/Bürgerkrieg
Katholischer Erzbischof von Yangon fünf Jahre nach Militärputsch: "Eine ganze Generation hat mittlerweile fünf Jahre Schulbildung verloren"
Rom, 16.02.2026 (KAP) Kardinal Charles Maung Bo, Erzbischof von Yangon in Myanmar, warnt fünf Jahre nach dem Militärputsch vor einer "Polykrise", die das südostasiatische Land in den Abgrund reißt. In einem aktuellen Gespräch mit den Vatikanmedien beschreibt er die Lage als katastrophal.
Bo berichtet von einer Wirtschaftskrise mit explodierenden Preisen und einem sozialen Kollaps. Über 3,5 Millionen Menschen sind im eigenen Land auf der Flucht, viele junge Menschen verlassen das Land. Besonders dramatisch sei die Situation im Bildungsbereich: "Eine ganze Generation hat mittlerweile fünf Jahre Schulbildung verloren", sagte Bo laut Vatican News.
Der Alltag junger Menschen sei von Unsicherheit und psychischem Druck geprägt. Sie lebten in ständiger Angst vor Gewalt, wirtschaftlicher Instabilität und Zwangsrekrutierung durch das Militär. "Sehr wenige erleben noch so etwas wie Normalität", erklärte der Kardinal. Umfragen zeigten einen drastischen Anstieg von Wut, Angst und emotionaler Not im Vergleich zu den Jahren vor dem Putsch.
Trotz der schwierigen Umstände beobachtet Bo eine enorme Resilienz bei der Jugend. Viele investierten in digitale Bildung und neue Fähigkeiten, um sich eine Zukunft zu erkämpfen. Gleichzeitig warnt der Kardinal vor den Gefahren der digitalen Welt, wie Hassrede und Desinformation, die den sozialen Zusammenhalt weiter untergraben.
Christliche Hoffnung, nicht naiver Optimismus
Bo betonte, dass die Menschen in Myanmar trotz des Gefühls, von der Weltgemeinschaft im Stich gelassen worden zu sein, an einer christlichen Hoffnung festhalten. "Das ist kein naiver Optimismus", stellt er klar. "Es ist eine christliche Hoffnung, die aus dem Kreuz und der Auferstehung geboren wird." Die Menschen hätten zwar Sicherheit, Existenzgrundlagen und Stabilität verloren, aber nicht die Gegenwart Gottes.
Diese Gegenwart werde sichtbar in den Flüchtlingslagern, im Schweigen der ausharrenden Familien und im Dienst der Katecheten und Ordensleute. "Familien teilen das Wenige, das sie haben. Sie beten weiterhin gemeinsam", berichtete Bo.
Die Kirche in Myanmar sehe ihre Aufgabe darin, als Vermittlerin und Ort der Versöhnung zu fungieren. Durch die Ablehnung von Hass und Gewalt versuche sie, ein "Sakrament der Hoffnung" zu sein. Ökumenische und interreligiöse Initiativen brächten Christen, Buddhisten, Muslime und Hindus zusammen, um gemeinsam für den Frieden zu beten und Modelle des Zusammenlebens zu entwickeln.