Bischof Glettler: Installationen sind Einladung, sich in der Fastenzeit mit "marginalisierten Themen" und "großen Verwundungen unserer Zeit" auseinanderzusetzen
Innsbruck, 17.02.2026 (KAP) Zeitgenössische Kunst tritt in der am Mittwoch beginnenden Fastenzeit in mehreren Innsbrucker Kirchen in Dialog mit liturgischer Tradition und spiritueller Praxis. Bei einem Presse-Rundgang am Dienstag gaben Bischof Hermann Glettler und Diözesankonservator Stefan Schöch einen Überblick über die diesjährigen Kunstinterventionen. Der Besuch der Installationen, die gemeinsam einen siebenteiligen "Kunstparcours" bilden, sei "eine einzigartige Möglichkeit, diese 40 Tage bis Ostern zu begehen", sagte der Bischof.
Im Zentrum steht die Wiederentdeckung des Fastentuchs, eines bis ins Mittelalter zurückreichenden Brauchs, bei dem Altäre während der Fastenzeit verhüllt wurden. Was einst als schlichtes Hungertuch begann, erlebte vor allem im Alpenraum eine kunstvolle Ausgestaltung. Heute dient es erneut als Projektionsfläche für aktuelle Themen. Es sei "erstaunlich, wie ein so traditionelles Medium moderne Entwicklungen aufnehmen kann", betonte Schöch. Die Fastenzeit lade ein, den Blick "auf marginalisierte Themen" zu richten und sich mit den "großen Verwundungen unserer Zeit" auseinanderzusetzen, so Glettler.
So spannt etwa in der Pfarrkirche St. Nikolaus Thomas Feuerstein ein 15 Meter breites, ultramarinblaues Segelflugzeug in die Vierung. Die Installation "PLANETARES BLAU" greift die Aufwärtsbewegung der Architektur auf und verweist zugleich auf ökologische Fragilität. Das aus Kieselalgen gewonnene Pigment thematisiert globale Stoffkreisläufe und die Verletzlichkeit des "Raumschiffs Erde".
Im Innsbrucker Dom zu St. Jakob zeigt Jakob Kirchmayr sein großformatiges Fastentuch "Spuren des Feuers". Aus 20 verbrannten und vernähten Stoffbahnen entstanden, erinnert das 140 Quadratmeter umfassende Werk an Wunden und Narben. "Unsere Welt scheint an einem Wendepunkt angelangt zu sein", so der Künstler. Die Nähte stünden "wie Narben" für einen möglichen Neubeginn.
In der Spitalskirche konfrontiert Volker Hildebrandt mit der "Großen Bildstörung" den digitalen Bilderfluss. Das an das Flimmern früher Fernsehgeräte erinnernde Acrylbild setze einen Kontrapunkt zur beschleunigten, oft KI-gesteuerten Bildproduktion und eröffne eine "Ruhezone" im sakralen Raum.
Die Jesuitenkirche beherbergt mit "BLABABELS" von Ronald Kodritsch ein monumentales Gemälde aus leeren Sprechblasen. Das Werk spiegle "viel BlaBla, viel heiße Luft" und thematisiere Sprachverwirrung und Kommunikationsüberfluss - auch im kirchlichen Kontext.
In der Universitätskirche St. Johannes installiert der aus der Ukraine stammende Künstler Aljoscha schwebende Skulpturen unter dem Titel "Morphogenesis Bioism". Die futuristisch anmutenden Formen kontrastieren mit Fotografien aus dem aktuellen Kriegsgeschehen und setzen der Zerstörung das Bild einer möglichen Neuschöpfung entgegen.
In der Wallfahrtskirche Mariahilf reagiert Elke Silvia Krystufek mit "She-Jesus" auf traditionelle Marienbilder. Die Installation tastet sich spielerisch an das Gnadenbild an und greift Fragen von Identität und religiöser Deutung auf, heißt es in der Kurzbeschreibung.
In der Pfarrkirche Guter Hirte schließlich ist ein Siebdruck nach Graham Sutherland zu sehen. "Christ in Glory", interpretiert vom Kollektiv SUSI POP, zeigt den endzeitlichen Christus in leuchtendem Magenta, mit betont offenen, lebensspendenden Gesten.
Begleitend werden mehrere Führungen zu den Kirchen mit Diözesankonservator Schöch angeboten (Sa., 21. Februar, Mi., 4. März, Do., 19. März und Mi., 1. April, jeweils von 15 bis 17 Uhr). Treffpunkt ist jeweils der Innsbrucker Dom.