Feldkirchner Passionsspiele 2026: Die Bibel als Spiegel unserer Zeit
17.02.202614:57
(zuletzt bearbeitet am 17.02.2026 um 15:07 Uhr)
Österreich/Kirche/Theater/Kultur/Ostern/Kunst
Premiere am 28. Februar - Dramaturg Perstling sieht Parallelen der Bibelgeschichte zur heutigen Weltbühne - Jesus-Darsteller Plank: Nähe zum Publikum und Generationenprojekt
Graz, 17.02.2026 (KAP) In Feldkirchen (Bezirk Graz-Umgebung) versteht man die Passion Christi nicht nur als Darbietung einer zweitausendjährigen Geschichte: Die alle drei Jahre stattfindenden Passionsspiele interpretieren das Leiden, den Tod und die Auferstehung Jesu seit 53 Jahren mit Blick auf die Welt von heute neu. Sie "laden ein, die große Erzählung nicht nur zu hören, sondern mitzuerleben - als Spiegel unserer eigenen Liebe, unseres Zweifelns und Hoffens", erklärte Dramaturg Hans Perstling am Dienstag im Kathpress-Interview. Die Premiere findet am 28. Februar im Pfarrsaal von Feldkirchen statt. Den Segen für die Vorstellungen gibt es von Bischof Wilhelm Krautwaschl bei der Generalprobe, verriet Jesus-Darsteller Martin Plank.
Immer wieder zieht der Dramaturg Parallelen zwischen der Bibelerzählung und der heutigen Weltbühne: In sieben Zwischenrufen unterbricht ein personifiziertes Gewissen die Passionsgeschichte und schlägt eine Brücke zur Gegenwart. So begleiten die Szene der Geißelung in der 23. Aufführungsreihe Schlagzeilen aus dem aktuellen Weltgeschehen. Der Krieg in der Ukraine, im Gazastreifen, die Erinnerung an Millionen im Namen des Glaubens verfolgte Christen oder Femizide weltweit und im eigenen Land: Diese traurige Realität von heute wird dem geschlagenen Jesus gegenübergestellt, so Perstling zur Aktualität des Stücks und der Leidensgeschichte Jesu.
Das Gewissen tritt auch in Dialog mit Figuren wie Herodes, "dessen Ähnlichkeit mit Machtmenschen in der heutigen Welt nicht zu verleugnen ist", erklärte der Theologe weiter. "Herodes, heute, 2.000 Jahre später gibt es dich noch immer - vielfach kopiert. Auch heute lässt du andere für dich morden!" So formuliert es die "Stimme des Gewissens" in einem Zwischenruf. "Pilatus legt sich die Wahrheit so zurecht, wie es ihm gefällt. Frag mein Volk, ob ich ein guter Herrscher bin, die Leute lieben mich, sagt er dem Gewissen" - eine Parallele zu Trump sei nicht von der Hand zu weisen, so Perstling.
Identifikationsfiguren
Auch die Figuren Maria, Petrus, Pilatus, Herodes oder die Hohenpriester werden als greifbare Charaktere dargestellt, die als Spiegel für das eigene Leben dienen sollen. "Für mich war die Bibel immer sehr lebendig und in so vielen ihrer Figuren findet man Anteile von sich selbst wieder. Denn die Passionsgeschichte ist Welttheater, weil sie vom Sterben, Lieben, Leben und Verzweifeln handelt", sagte Perstling, der als Religionspädagoge viele Jahre an der heutigen Privaten Pädagogischen Hochschule Augustinum unterrichtete und schon seine Schülerinnen und Schüler bei Bibliodramen in die Rolle von Bibelfiguren schlüpfen ließ.
Im Zentrum des zweistündigen Mysterienspiels stehe aber die bedingungslose Liebe Jesu, auch zu denen, die ihn verraten und verurteilen. "So ist die Figur des Judas so angelegt, dass er in den Szenen seine Liebe zu Jesus am stärksten ausdrückt. Er ist die zweite Hauptrolle und zerbricht an dieser Hoffnung, dass Jesus das jüdische Volk von den Römern befreit", erklärte Perstling, der selbst als Mitglied des FeldKirchenChores auf der Bühne steht.
Auch sprachlich hat Perstling die Passionsgeschichte aktualisiert und die Liebe Jesu ins Zentrum gerückt. "Dieser Wein ist meine Liebe, mein Herzblut für euch. Nehmt und trinkt, damit ihr liebt", spricht der Messias beim letzten Abendmahl in seiner Fassung. Nicht wie eine Messe wird das letzte Abendmahl zelebriert, und auch Maria Magdalena nimmt als "Apostolin der Apostel" am Tisch Platz. Zu der zeitgemäßen Interpretation habe auch gehört, die Prozessakte der Verurteilung, die "sehr antijüdisch" formuliert sei, zu verändern. "Das haben sich viele im Publikum in den vergangenen Jahren auch so gewünscht." Dass er für manche Eingriffe auch schon Kritik einstecken musste und die Nerven der Mitwirkenden aufgrund von Textänderungen in letzter Minute auf die Probe stelle, nimmt der Theologe gern in Kauf.
Mitten im Publikum
Die Feldkirchner Passionsspiele zählen zu den acht traditionsreichsten Passionsspielen Österreichs. "Während die großen Passionsspielorte mit ihren eigenen Spielhäusern oder wie in Margarethen mit einer riesigen Bühne im Steinbruch mit Monumentalität und Massenszenen aufwarten, können wir in Feldkirchen mit Nähe und Intimität das Publikum emotional erreichen", erklärte Regisseur Bernd Böhmer. Ein Mittelgang und eine Rampe erweitern die Bühne, und es wird auch direkt im Publikumsraum gespielt. "Es haben nur rund 220 Leute Platz, und wir spielen mitten im Publikum. Diese Nähe zeichnet unser Spiel aus", betonte Jesus-Darsteller Martin Plank gegenüber Kathpress. Auch heuer rechnet man wieder mit schnell ausverkauften Vorstellungen.
"Bei rund 85 Mitwirkenden auf der Bühne und insgesamt 170 Leuten, die von Maske bis Buffet über den Kartenverkauf mithelfen, kann es schon einmal eng werden", so der 29-Jährige, der zum dritten Mal in der Rolle des Jesus zu sehen ist und bereits als Dreijähriger sein Debüt bei den Passionsspielen gab. Aber auch das mache die Passionsspiele in der Steiermark besonders. "In Feldkirchen stehen Generationen zusammen auf und hinter der Bühne. Ich habe schon mit meinen Cousinen, meiner Stiefschwester, meinem Papa, meinem Onkel und mit meiner Freundin gespielt." Gemeinsam einem Hobby nachzugehen, Zeit mit den Liebsten zu verbringen und das Kunsthandwerk weiterzugeben, sei etwas Besonderes und stärke die Gemeinschaft.