Katholische Frauenbewegung lädt in der Fastenzeit zu österreichweiten Benefizsuppenessen - Entwicklungspolitische Spendenaktion unterstützt Projekte gegen Gewalt, Armut und Ausgrenzung in Indien
Wien, 18.02.2026 (KAP) Mit Benefizsuppenessen, Bildungsveranstaltungen und Solidaritätsaktionen in allen Diözesen startet die Aktion Familienfasttag der Katholischen Frauenbewegung Österreichs (kfbö) in die heurige Fastenzeit. Die Erlöse fließen in langfristige Projektpartnerschaften mit Frauenorganisationen im Globalen Süden. Heuer rückt die Aktion das Thema Partizipation sowie das Modellprojekt SEEDS (Socio Economic and Education Development Society), das indigenen Frauen (Adivasi) im ostindischen Bundesstaat Jharkhand unterstützt, in den Fokus. Ziel sei es, Frauen zu stärken, damit sie ihre Rechte wahrnehmen, wirtschaftlich selbstbestimmt handeln und gesellschaftliche Verantwortung übernehmen können, sagte die für den Familienfasttag zuständige kfbö-Vizepräsidentin Anna Raab gegenüber Kathpress.
Die indische Organisation SEEDS ist in 131 Dörfern in Jharkhand aktiv. Rund 3.000 Frauen engagieren sich dort für ein Leben ohne Gewalt, für Selbstbestimmung und Gleichberechtigung, heißt es dazu auf der Website "teilen.at". Zentrale Orte der Arbeit sind Frauenforen auf Dorfebene, also geschützte Räume, in denen über Männergewalt gesprochen und gemeinsam Lösungen entwickelt werden. Ziel seien rechtliche Bildung, Einkommensförderung, kollektive Organisation und Maßnahmen gegen Gewalt, informierte dazu auch Raab.
Da viele Frauen Analphabetinnen sind, setzt SEEDS zudem auf niederschwellige Bildungsarbeit und auf Frauen aus den Gemeinden selbst, sogenannte Barefoot Counselors, die Wissen weitergeben und Vertrauen schaffen. Sie sind in ihren Dörfern zentrale Ansprechpartnerinnen, vermitteln bei Konflikten, begleiten Frauen zu Behörden und Polizei und arbeiten auch mit Männern zu Themen wie häuslicher Gewalt und Alkoholismus. "Es ist bemerkenswert, was Frauen auf lokaler Ebene bewegen können, wenn sie Zugang zu Wissen, Netzwerken und Unterstützung haben", sagte Raab.
Die Arbeit von SEEDS richtet sich laut Raab aber nicht nur an Frauen, sondern bezieht auch Männer ein. Besonders wirkungsvoll seien sogenannte Modelldörfer, die innerhalb der rund 300 von SEEDS begleiteten Gemeinden gezielt aufgebaut werden. In zehn bis 15 dieser Dörfer werde die Gleichstellung von Frauen und Männern besonders gefördert, etwa durch Gespräche über die Aufteilung von Erwerbs- und Hausarbeit. "Wenn Männer mehr Verantwortung im Alltag übernehmen, können Frauen an Bildungsangeboten und gemeinschaftlichen Aktivitäten teilnehmen", erklärte Raab. Ziel der kfbö sei es, diese Frauen weiter zu stärken, auch finanziell, "denn nicht alles kann ehrenamtlich getragen werden".
Der Familienfasttag wolle aber nicht nur finanzielle Unterstützung leisten, sondern auch den Blick auf weltweite Lebensrealitäten von Frauen lenken. "Die Erfahrungen aus Indien zeigen, wie wichtig es ist, Frauen zu stärken, damit sie ihre Anliegen selbst vertreten und ihre Gesellschaften aktiv mitgestalten können", so die kfbö-Vizepräsidentin. Partizipation sei der Schlüssel zu einer gerechteren Gesellschaft. Ein Ziel, das aber auch in Österreich noch nicht vollständig erreicht worden sei, mahnte Raab: "Auch bei uns haben wir es noch nicht hundertprozentig geschafft; wir reden davon, aber dann gibt es den nächsten Rückschritt für Frauen."
Benefizsuppenessen
In Österreich wird der Familienfasttag vor allem durch Benefizsuppenessen getragen. Zum Auftakt der Fastenzeit finden am Aschermittwoch (18. Februar) unter anderem Veranstaltungen in Bregenz mit Bischof Benno Elbs und Landeshauptmann Markus Wallner sowie in Innsbruck mit Bischof Hermann Glettler statt. Weitere große Benefiztermine sind etwa am 24. Februar im Landhaus St. Pölten und im Bischofshaus der Diözese Gurk in Klagenfurt, am 27. Februar im Linzer Landhaus mit Landeshauptmann Thomas Stelzer und Margit Schmidinger, Vorsitzende der kfb Oberösterreich sowie im Kapitelsaal der Erzdiözese Salzburg und am 3. März mit Bischof Ägidius Zsifkovics in Eisenstadt geplant. Am 4. März findet unter dem Motto "Fünf vor Fünf" ein Benefizsuppenessen im Refektorium des Priesterseminars auf Einladung des Grazer Diözesanbischofs Wilhelm Krautwaschl mit Weihbischof Johannes Freitag statt. In vielen Pfarren werden bis zum Ende der Fastenzeit zusätzlich Gottesdienste, Suppenaktionen und Bildungsangebote durchgeführt.
Ein zentraler Höhepunkt der diesjährigen Aktion ist das Benefizsuppenessen am 24. Februar (17.00 Uhr) im Elise Richter des Parlaments, veranstaltet von Bundesratspräsident Markus Stotter und der Katholischen Frauenbewegung Österreichs. Auf dem Programm stehen Eröffnungsworte Stotters, Grußworte von kfbö-Vorsitzender Angelika Ritter-Grepl und Frauenministerin Eva-Maria Holzleitner sowie ein Vortrag der Sozialethikerin Linda Kreuzer zum politischen Engagement christlicher Frauen. In einem Expertinnentalk diskutieren unter anderem First Lady Doris Schmidauer, Anna Raab, Projekt- und Entwicklungsexpertin Eva Wallensteiner und die Menschenrechts- und Migrationsexpertin Sara Soltani über Solidarität mit Frauen im Globalen Süden. Weiters werden Bischof Wilhelm Krautwaschl, in der Bischofskonferenz zuständig für das Laienapostolat, sowie Militärbischof Werner Freistetter, zuständig für Weltkirche und Weltreligionen, erwartet.
Der Familienfasttag versteht sich als langfristige entwicklungspolitische Initiative. Er wird von der kfbö seit 1958 durchgeführt und verbindet Bewusstseinsarbeit in Österreich mit der Unterstützung von Partnerorganisationen in Afrika, Asien und Lateinamerika. Derzeit werden rund 70 Projekte gefördert. Die Auswahl der Projekte erfolgt in Kooperation mit der Dreikönigsaktion der Katholischen Jungschar.