Neuer Film "Ride back to Faith": Mit der Vespa aus der Gottlosigkeit
18.02.202613:52
Österreich/Kirche/Film/Kultur/Glaube
Tiroler Regisseur Weiskopf auf Pilgerreise im Heiligen Jahr - Premiere am 20. Februar im Metropol Innsbruck
Wien/Innsbruck, 18.02.2026 (KAP) Seit 40 Jahren hat der Innsbrucker Regisseur Hermann Weiskopf nicht mehr gebetet. In jungen Jahren ist er aus "jugendlicher Rebellion" und aus Trotz nach einem Streit aus der Kirche ausgetreten. Gleich zu Beginn seines neuen autobiografischen Films "Ride back to Faith" zeigt der inzwischen 63-Jährige in Bildern seine innere Zerrissenheit darüber, "in der Gottlosigkeit" angekommen zu sein: Fratzen und Dämonen bedrängen ihn, als er den Beichtstuhl des Innsbrucker Doms verlässt. "Io non ti assolvo" ("Ich erlasse dir deine Sünden nicht") hallt eine sonore, unheimliche Stimme in seinem Kopf nach. Was dem Inferno folgt, ist eine Pilgerreise aus der Gottlosigkeit in die Stadt der Päpste im Heiligen Jahr - für Weiskopf typisch auf seiner Vespa GTV.
"Zu glauben, ist keine leichte Sache", erklärt Weiskopf im Film. Dem Glauben nähert er sich in Gesprächen und Begegnungen - und so verschieden seine Gesprächspartner sind, so lehrreich sind für ihn auch ihre Geschichten. Er trifft eine Primaballerina, einen Gefängniskaplan, der Häftlinge zum Glauben zurückführt, eine 95-jährige ehemalige Partisanin, der der Krieg den Glauben an Gott genommen hat, einen Priesterkandidaten, Anders- und Nichtgläubige, Menschen, die von Wundern berichten, den Physiker und Abt Stefano Visintin, der ihm das Gebet näherbringt, und eine Schwester der von Papst Franziskus seliggesprochenen Benedetta Bianchi Porro, die von der Lebensfreude ihrer Angehörigen auch noch in schwerer Krankheit erzählt.
Begegnungen
"Besonders beeindruckt hat mich eine Bettlerin auf dem Petersplatz", erklärte Weiskopf im Kathpress-Interview. "Viele von uns leben sehr behütet. Die Pilgerreise hat mir das Leben und den Glauben ungefiltert präsentiert." In all der Not war die Bettlerin dankbar. Zweimal hat sie Papst Franziskus getroffen, der für Obdachlose eine kostenlose medizinische Klinik einrichtete, Duschen, Toiletten und einen Friseursalon unter den Kolonnaden errichten ließ und Schlafsäcke verteilte. Über ihre Geschichte will die tiefgläubige Frau aus Scham nicht sprechen. Eines gibt sie Weiskopf aber mit: "Man kann mir alles nehmen. Ich habe alles verloren, aber meinen Glauben an Gott, nein. Er ist ein Geschenk, das uns niemand nehmen kann."
"So viele unterschiedliche Menschen zu Wort kommen zu lassen, war bei einem so gewichtigen Thema essenziell. Der Film soll ja keine Propaganda für die katholische Kirche sein, sondern breit gefächerte Zugänge zum Glauben zeigen", betonte Weiskopf. Mit der Glaubensfrage sehe sich jeder einmal im Leben konfrontiert - "manche später als früher. Die Jahre fließen so dahin. Man ist familiär und beruflich gefordert, aber irgendwann stellt man sich die Frage nach dem Sinn des Lebens, was danach kommt und was man seinen Kindern hinterlässt", so der Regisseur, der bedauert, dass er nach seinem Kirchenaustritt weder Firmpate seiner Nichte werden noch seine Frau kirchlich heiraten konnte.
Versöhnung
Die Pilgerreise habe ihm geholfen, seine eigenen Standpunkte und die vieler anderer Menschen zu überdenken, sagte Weiskopf gegenüber Kathpress. "Wir leben in einer Zeit des großen Individualismus, und ein Individualist bin ich als Filmemacher ja auch. Aber ich habe gemerkt, dass der Glaube es möglich macht, einen gemeinsamen Nenner zu finden und die Kirche den Raum gibt, den Glauben gemeinschaftlich zu leben", betonte er. Der Glaube helfe auch dabei, sich anderen Meinungen nicht zu verschließen, zu verzeihen, um Vergebung zu bitten und von Rechthaberei abzusehen.
"Schade, dass wir die Reise nicht zu zweit machen konnten, Papa. Aber vielleicht hast du ja von oben ein bisschen zugeschaut. Nur deswegen bin ich nicht hier. Ich wollte dir sagen: Tut mir leid wegen des Streites damals. Ich war halt jung. Vergib mir bitte und lass uns wieder gut sein", sagt Weiskopf am Grab des Vaters gegen Ende des Films, dem der Glaube noch ein weiteres Happy End schenkt.
Abschluss der Filmtrilogie
Nach "Ride back to Freedom" (2022), einer Suche nach der in der Coronakrise verlorengegangenen Freiheit, und "Ride back to Best Age" (2024), einer Auseinandersetzung mit dem Älterwerden, sollte "Ride back to Faith" der letzte Teil seiner Filmtrilogie sein. Doch mit der Pension habe er es nicht so eilig, erklärte Weiskopf, der in Amerika noch auf die Suche nach dem "American Dream" - oder dem, was von ihm übrig geblieben ist - gehen will.
"Ride back to Faith" feiert am 20. Februar, 20 Uhr, Premiere im Metropol Innsbruck und wird dort danach im regulären Programm gezeigt. Der Film wurde in deutscher und italienischer Sprache mit englischen Untertiteln synchronisiert. Nach der Premiere in Tirol wird der Film durch Österreich touren sowie in Italien und auf internationalen Filmfestivals gezeigt werden.
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