Aschermittwoch als erster großer Gottesdienst für neuen Wiener Erzbischof im Wiener Stephansdom - Verweis auf Kreuze Arnulf Rainers und zeitgleichem Fasten der Christen und Muslime - Fastenzeit "große Glaubenskur der Kirche"
Wien, 18.02.2026 (KAP) Mit der Einladung, sich bewusst mit dem Kreuz zu beschäftigen und neu kennenzulernen, hat Erzbischof Josef Grünwidl am Aschermittwoch im Wiener Stephansdom die Fastenzeit eröffnet. Der abendliche Gottesdienst, bei dem auch das traditionelle Aschenkreuz als Zeichen der Umkehr gespendet wurde, war die erste große Messfeier des Erzbischofs in seiner Domkirche seit seiner Weihe vor dreieinhalb Wochen. Das Kreuz sei "Gerüst und Grundform christlicher Existenz", sagte er in seiner Predigt. Dabei nahm er Bezug auf die 77 Kreuzdarstellungen des im Dezember verstorbenen Künstlers Arnulf Rainer, die in der Fasten- und Osterzeit im Dom ausgestellt sind.
Mit seinen Längs- und Querbalken bilde das Kreuz ein "starkes und sicheres Gerüst für unser Christsein" und sei ein "Wegweiser für die Fastenzeit hin zum Osterfest", so Grünwidl. Senkrecht stehe es für Himmel und Erde, für Gott und Mensch, die in Jesus Christus miteinander verbunden seien. Der Querbalken lenke den Blick "nach links und rechts zu unseren Schwestern und Brüdern". Somit stehe das Kreuz mit seinen beiden Balken für Einheit, Miteinander und Verbundenheit.
Dabei machte der Erzbischof auf die diesjährige Gleichzeitigkeit der christlichen Fastenzeit mit dem muslimischen Fastenmonat Ramadan aufmerksam. Für Christen wie Muslime gelte: "Ein Fasten, das das Herz nicht weitet für Gott und die Menschen, verfehlt sein Ziel", so Grünwidl. Durch "Fasten, Beten und Werke der Nächstenliebe" sollten die Verbindung zu Gott und mit den Mitmenschen, Glaube und Solidarität gestärkt und neu belebt werden.
Das Kreuz begleite das christliche Leben von Beginn bis zu seinem Ende: Schon bei der Taufe werde es über den Menschen gezeichnet, "als Plus und Liebeszusage über unsere Existenz durch Gott", der den Menschen ohne Vorleistung als sein geliebtes Kind annehme. Auch am Ende werde das Kreuz "über unser Grab aufgerichtet", womit es "prägend und bestimmend von Geburt bis Tod, in Freude und Leid" und ein Zeichen des Segens und der Erlösung sei. Entscheidend sei, dass das Kreuz "in der Öffentlichkeit sichtbar und in den Herzen verinnerlicht" bleibe, so Grünwidl.
Auch auf den besonderen Bezug von Arnulf Rainer zum Kreuz ging der Erzbischof ein. Der Künstler habe das Kreuz als "Grundform seines Schaffens" gewählt und es vielfach dunkel übermalt. Diese Übermalungen erinnerten ihn an die "alte Tradition der Verhüllung durch die Fastentücher", sagte Grünwidl, der hier auf das verhüllte Hochaltarbild im Dom und eine damit ausgedrückte "Grundwahrheit" verwies: Glauben heiße, "überzeugt zu sein von etwas, das man nicht sieht und davon auszugehen und zu vertrauen, dass es mehr gibt als das Vordergründige". Gerade angesichts von Leid, Ungerechtigkeit und Tod fehle oft der Durchblick, was ein dunkel übermaltes Kreuz ausdrücken könne.
Die Fastenzeit bezeichnete der Erzbischof als "große Glaubenskur der Kirche". Es gehe um "Stärkung und Erneuerung des Glaubens", darum, "wieder mit dem Herzen und mit den Augen des Glaubens sehen zu lernen". Mit dem Aschenkreuz auf der Stirn machten sich die Christen auf den Weg "in Richtung Ostern". Sie seien dabei lebenslang "unterwegs zum endgültigen Ostern", bei dem das Kreuz dann nicht mehr dunkel übermalt und mit Leid und Tod verbunden sei, sondern "leuchtend und strahlend hell", so Grünwidl.
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