Serbien: Kirchleitung setzt Bischof wegen Vermögensdelikten ab
19.02.202614:11
Serbien/Kirche/Konflikte/Politik/Orthodoxie
Gegen Metropolit Justin (Stefanovic) werden schwerwiegende Vorwürfe erhoben - Der Metropolit ist allerdings der einzige Bischof in Serbien, der sich dezidiert auf Seite der gegen die Regierung protestierenden Studenten gestellt hatte
Belgrad, 19.02.2026 (KAP) Die Heilige Synode der Serbisch-Orthodoxen Kirche hat auf ihrer Sitzung am Mittwoch den Erzbischof und Metropolit von Zica, Justin (Stefanovic), von der Leitung seiner Diözese enthoben. Im Zuge einer Überprüfung der materiellen und finanziellen Vorgänge der Diözese hätten zwei Kommissionen schwerwiegendes Fehlverhalten bzw. Vermögensdelikte festgestellt, hieß es. So soll der Bischof drei Unternehmen illegal gegründet, deren Geschäftstätigkeit verschleiert, sich selbst als tatsächlichen Eigentümer der drei Unternehmen eingetragen und anschließend 34 Kirchenimmobilien (Wohnungen, Geschäftsräume usw.) in Kraljevo und Cacak unerlaubt und entgegen den geltenden Kirchenvorschriften verkauft haben.
Zudem soll der Bischof ohne Genehmigung und entgegen den geltenden Kirchenvorschriften "schädliche" Verträge mit juristischen und natürlichen Personen in Millionenhöhe abgeschlossen, unerlaubte Darlehen in Höhe von mehreren Millionen an verschiedene Unternehmen in Serbien vergeben und weitere "beispiellose finanzielle Vergehen" begangen haben, die auch eine strafrechtliche Verfolgung nach sich ziehen würden.
Der Erzbischof und seine Gefolgsleute hätten zudem die Öffentlichkeit und auch die Kirchenleitung über einen längeren Zeitraum über ihre Aktivitäten getäuscht. Ihre Behauptungen, dass sie aufgrund der aktuellen sozialen und politischen Lage in Serbien "politisch verfolgt" werden, wies die Synode zugleich in ihrer Erklärung entschieden zurück. Mit der Absetzung von Metropolit Justin wurde zugleich Metropolit Arsenij von Nis zum Administrator der Diözese Zica ernannt, wie es in der Erklärung weiter hieß. Die Synode tagte in Belgrad unter dem Vorsitz von Patriarch Porfirije.
Serbische Medien wiesen am Mittwoch allerdings darauf hin, dass der Metropolit einer der wenigen serbisch-orthodoxen Hierarchen war, der sich 2025 dezidiert auf die Seite der gegen die Regierung protestierenden Studenten schlug. In Serbien selbst war er überhaupt der einzige Bischof, die wenigen anderen leiten Diözesen in Montenegro, Bosnien-Herzegowina oder in der westlichen Diaspora.
Justin hatte die serbische Regierung des Gewaltmissbrauchs gezichtigt. Sie müsste ihre Macht nicht zum Zwecke der Gewalt, sondern zum Zwecke des Dienstes ausüben. Die grundlegende Pflicht der Regierung bzw. der Behörden sei es, die Bevölkerung zu schützen. Der Missbrauch von Gewalt könne keinen Frieden bringen, sondern nur Wunden vertiefen und Narben hinterlassen, die lange nicht heilen werden, so Metropolit Justin.