Geburtsgrotte: Armenier verstimmt über katholisch-orthodoxes Vorgehen
19.02.202615:04
Palästina/Kirche/Ökumene/Konflikte/Geburtsgrotte
Armenisches Patriarchat fühlt sich im Blick auf Restaurierungsarbeiten an der Geburtsgrotte in Bethlehem von der Franziskanerkustodie und dem griechisch-orthodoxen Patriarchat von Jerusalem hintergangen
Bethlehem, 19.02.2026 (KAP) Die Geburtsgrotte Jesu in Bethlehem wird restauriert. Das teilten die Franziskanerkustodie des Heiligen Landes und das griechisch-orthodoxe Patriarchat von Jerusalem Ende Jänner in einer gemeinsamen Erklärung mit. Auch das armenische Patriarchat und die palästinensischen Behörden sind den Angaben zufolge beteiligt. Allerdings vermeintlich nicht so, wie es zumindest die Armenier gerne hätten. Sie fühlen sich von den beiden anderen Kirchen an den Rand gedrängt, wie das Portal "The Armenian Report" berichtet.
Die Geburtsgrotte werde gemäß einer jahrhundertealten Vereinbarung von drei Gemeinschaften gemeinsam verwaltet: der Griechisch-Orthodoxen Kirche, der Armenisch-Apostolischen Kirche und der Römisch-Katholischen Kustodie des Heiligen Landes (Franziskaner). Diese Vereinbarung sieht laut Armeniern gleiche Rechte und Mitbestimmung bei allen Entscheidungen vor, einschließlich Restaurierung, Instandhaltung und Öffentlichkeitsarbeit.
Armenische Vertreter kritisierten nun, dass die jüngsten Aktionen des griechisch-orthodoxen Patriarchats und der Franziskanerkustodie dieses Gleichgewicht untergraben würden. In der gemeinsamen katholisch-orthodoxen Erklärung seien die Armenier lediglich als "kooperative" Partner erwähnt und nicht als formelle Unterzeichner aufgeführt worden. Laut armenischem Patriarchat handle es sich dabei nicht um ein bloßes Versehen, sondern um eine bewusste politische Botschaft, die ihre Rolle als gleichberechtigte Hüter des Erbes schmälern soll.
Ein weiterer Stein des armenischen Anstoßes: Am 17. Februar veröffentlichte die Franziskaner-Kustodie einen Bericht über eine Ortsbesichtigung, die als "dreiseitiger Überprüfungsbesuch" bezeichnet wurde. Fotos, Details des Besuchs und öffentliche Stellungnahmen schlossen jedoch armenische Vertreter aus, obwohl im Text die Zusammenarbeit dreier Parteien behauptet wurde. - Die Armenische Kirche werte diesen Widerspruch als weiteren Beleg für systematische Marginalisierung.
"An einem heiligen Ort, an dem der Status quo gewahrt bleibt, kann man nicht von 'Übereinkunft' sprechen und gleichzeitig bilateral handeln", erklärte das armenische Patriarchat. Armenier in Texten zu erwähnen, sie aber in der Praxis auszuschließen, sei inakzeptabel.
Armenische Kirchenvertreter warnten auch davor, dass ein wiederholter Ausschluss einen Präzedenzfall schaffen könnte, der die Rechte der Armenier an diesem Ort im Laufe der Zeit untergraben könnte. Betroffen davon wären etwa das Zugangsrecht, die Entscheidungsbefugnis und die Verantwortung für die Stätte.
Die Armenische Kirche forderte deshalb sofortige Korrekturmaßnahmen: Alle künftigen Mitteilungen und Bekanntmachungen bezüglich der Geburtsgrotte müssten dreiseitig und nicht bilateral erfolgen. Offizielle Besuche, Inspektionen oder öffentliche Unterrichtungen sollten zudem nicht ohne armenische Beteiligung stattfinden. Die öffentliche Darstellung müsse weiters die Armenier als vollwertige Hüter des Landes widerspiegeln, nicht bloß als "Helfer" oder "Kooperationspartner".
Teil des Unesco-Welterbes
Die im Juni 2012 auf die Liste des Unesco-Welterbes aufgenommene Geburtskirche im Zentrum Bethlehems gehört zu den heiligsten Stätten der Christenheit. Seit 2013 wurde sie umfangreich restauriert. An der Stelle, an der Maria in einer Höhle Jesus zur Welt gebracht haben soll, wurde unter Kaiser Konstantin im Jahr 326 der Vorgängerbau der heutigen Kirche errichtet. Der Hauptaltar der im sechsten Jahrhundert neu erbauten Basilika befindet sich über einer zwölf mal zehn Meter großen Grotte. Dort wird - markiert durch einen 14-zackigen Stern auf dem Boden - der Geburtsort Jesu verehrt. Der Eintritt in die Kirche erfolgt seit dem 16. Jahrhundert durch die nur 1,20 Meter hohe "Tür der Demut".
Die Geburtskirche ist Teil eines 12.000 Quadratmeter großen Komplexes von Kreuzgängen, Klöstern, Grotten und weiteren Kirchen. So ist die katholische Katharinenkirche direkt mit der Geburtsbasilika verbunden. Weiter gehören ein lateinischer, ein griechisch-orthodoxer und ein armenischer Konvent dazu. Die Basilika selbst wird von diesen drei Konfessionen gemeinsam verwaltet. Seit mehr als 1.600 Jahren leben hier Mönche.