US-Kardinal Dolan kritisiert Politiker in Washington und New York
20.02.202614:15
USA/Kirche/Regierung/Dolan
Vor wenigen Wochen emeritierter Erzbischof von New York holt in einem neuen Interview zum politischen Rundumschlag aus - Kritik an Trumps Abschiebepolitik und New Yorker Bürgermeister Mamdani
New York, 20.02.2026 (KAP/KNA) Der US-amerikanische Kardinal Timothy Dolan nimmt im Ruhestand kein Blatt vor den Mund. Wenige Wochen nach seiner Emeritierung als Erzbischof von New York hat er ein Interview mit dem Sender EWTN für eine Abrechnung mit der politischen Führung des Landes genutzt.
Nicht gut kam in dem am Freitag veröffentlichten Beitrag der neue New Yorker Bürgermeister Zohran Mamdani weg. Dolan sagte, er sei verärgert gewesen, dass Mamdani ihn weder zur Amtseinführung eingeladen noch an jener des neuen Erzbischofs der Metropole, Ronald Hicks, teilgenommen habe. "Eine Sache, die ich besonders an New York liebe, ist das freundschaftliche Miteinander der Religionen", so der Kardinal. Es sei - vor diesem Hintergrund - ein Zeichen des Respekts, sich bei derartigen Veranstaltungen blicken zu lassen. "Aber er ist nicht gekommen."
Für problematisch halte er überdies, dass Mamdani als "demokratischer Sozialist" auftrete. Sozialismus sei das Gegenteil von dem, wofür die USA stehen. Allerdings müsse man nun erst einmal abwarten, wie der junge Politiker sich in sein Amt einfüge. Schließlich gebe es - trotz aller Differenzen - auch politische Schnittmengen. Dazu zähle etwa Mamdanis Offenheit für Migranten.
Kritik an Trumps Abschiebepolitik
Hart ins Gericht ging Dolan, der ein gutes Verhältnis zu US-Präsident Donald Trump pflegt, indes mit der Abschiebepolitik der Regierung. Es sei als Mitglied einer von Trump eingerichteten Kommission für Religionsfreiheit nicht seine Absicht, jeden politischen Schritt Trumps zu unterstützen, betonte der Kirchenmann. So sei er sehr besorgt gewesen, als die US-Einwanderungsbehörde ICE begonnen habe, Kirchengemeinden ins Visier zu nehmen, um nach Migranten ohne Aufenthaltsgenehmigung zu fahnden.
"Das ist eine Verletzung der Religionsfreiheit", so Dolan. Gläubige hätten das Recht, ungestört die Messe zu besuchen. Das müsse die Regierung respektieren. Nach einer entsprechenden Beschwerde beim ICE-Chef in New York sei ihm versichert worden, dass es in der Stadt keine solchen Razzien mehr geben werde. Bis jetzt habe sich die Behörde daran gehalten.
Streit mit US-Vize Vance
Auch mit dem katholischen US-Vizepräsidenten JD Vance sei er keineswegs immer einer Meinung, gab der Kardinal zu Protokoll. "Ich habe ihn mehrmals getroffen. Er ist ein sehr angenehmer Typ." Doch in manchen Punkten müsse man widersprechen. So sei der öffentliche Vorwurf von Vance, die US-Bischöfe seien aus finanziellen Gründen pro Einwanderung, verleumderisch gewesen. "Er hat sich dafür entschuldigt", ließ Dolan wissen. Für respektabel halte er dagegen die konservativen Ansichten des Trump-Vizes zu Familie, Kindern und Patriotismus.
Und so gelte für Vance das, was letztlich für jeden Politiker gelte, resümierte Dolan mit einem alten Spruch aus dem Baseball-Sport: "Sie werden niemanden mit einer perfekten Schlagquote finden." Selbst sein persönliches Idol Stan Musial (1920-2013), einer der erfolgreichsten Baseballspieler aller Zeiten, habe dies nicht geschafft.