Fastenhirtenbrief des Ehrenoberhaupts der Weltorthodoxie - Orthodoxe Fastenzeit beginnt am "Reinen Montag" (23. Februar)
Istanbul, 20.02.2026 (KAP) In der Orthodoxen Kirche beginnt am Montag, 23. Februar, die Fastenzeit. In seinem aktuellen Fastenhirtenbrief ermutigt Patriarch Bartholomaios I. die Gläubigen, sich mit Entschiedenheit auf die "Zeit des Fastens und der Umkehr, der Demut und des Gebets, der geistlichen Wachsamkeit und der Solidarität" einzulassen. Der Patriarch räumt zudem mit falschen Vorstellungen von Askese auf. Die Zeit des Fastens und der Umkehr sei nicht düster. Die Theologie nenne nicht umsonst die Große Fastenzeit "geistlichen Frühling" und "Zeit der Freude und des Lichtes".
Askese sei letztlich ein anderes Wort für "christliche Existenz"; sie verbinde diese mit dem absoluten Vertrauen auf die göttliche Vorsehung, mit der unerschöpflichen geistlichen Freude eines dem Christus geweihten Lebens, mit Selbstüberwindung und Selbsthingabe, mit Liebe zu den Mitmenschen und mit der Achtung vor der gesamten Schöpfung.
Askese sei ein "kirchliches" und kein "individuelles" Ereignis, betont der Patriarch weiter: "Das Leben in der Kirche ist unteilbar. Umkehr, Gebet, Demut, Vergebungsbereitschaft, Fasten und Werke der Wohltätigkeit sind miteinander verbunden und durchdringen einander." In der orthodoxen Tradition gebe es keine Askese als Selbstzweck, "die stets zur Überschätzung der eigenen Anstrengung führt und Tendenzen der Selbstrechtfertigung nährt". Die Große Fastenzeit sei die geeignete Zeit, "die Kirche als Ort und Weise der Offenbarung der Gnadengaben Gottes zu erfahren - stets als Vorgeschmack der Freude der Auferstehung des Herrn, als Grundstein unseres Glaubens und als strahlender Horizont der 'in uns lebenden Hoffnung'".
Unglücklicherweise und zu Unrecht sei die christliche Askese von modernen Denkern als Verneinung der Lebensfreude und als Einschränkung menschlicher Kreativität bezeichnet worden, so Patriarch Bartholomaios. Freilich: "Nichts ist unwahrer als das!" Die Askese als Befreiung vom Haben und Verhaftetsein an Besitz - und vor allem als Befreiung vom Ich - sei "Quelle und Ausdruck wahrer Freiheit". - Eine solche Askese führe zur erneuten Entdeckung der Kraft der göttlichen Gnade, der Tiefe des Lebens in Christus und der Hoffnung auf ewiges Leben.
Orthodoxe Fastenzeit
Die vorösterliche Fastenzeit dauert in der Orthodoxen Kirche immer zwei Tage länger als in der Katholischen. Sie beginnt nicht mit dem Aschermittwoch, den es in dieser Form nicht gibt, sondern mit dem sogenannten "Reinen Montag" (23. Februar). Der "Reine Montag" ist gemeinsam mit dem Karfreitag für orthodoxe Gläubige der wichtigste Fasttag des Jahres. Auf die ersten 40 Tage des "Großen Fastens" folgen der Lazarus-Samstag, der Palmsonntag und die Karwoche.
Ostern wird in den orthodoxen Kirchen heuer am 12. April und damit eine Woche nach den Kirchen der westlichen Tradition gefeiert. Der unterschiedliche Ostertermin, von dem sich auch die Fastenzeit bestimmt, geht auf verschiedene Berechnungsarten zurück. So bestimmen die Ostkirchen den Ostertermin nach dem Julianischen Kalender und nach einer anderen Methode als die Westkirchen, die die Gregorianische Kalenderreform des 16. Jahrhunderts vollzogen. Die Ostertermine können deshalb im Extremfall bis zu fünf Wochen auseinander fallen - oder auch zusammenfallen, wie es 2025 der Fall war.