Wallfahrt am Sonntag ist spiritueller Höhepunkt des Generalkapitels, das weitreichende Weichenstellungen für den Orden zu treffen hat
Mariazell/Wien, 21.02.2026 (KAP) Seit 16. Februar und noch bis 27. Februar tagt das Generalkapitel des Deutschen Ordens in Wien. Die alle sechs Jahre stattfindende Zusammenkunft dauert dieses Mal länger als sonst üblich, da besondere Weichenstellungen anstehen, wie der Orden mitteilte. Eine erste Weichenstellung ist bereits erfolgt. Hochmeister Frank Bayard wurde für weitere sechs Jahre im Amt bestätigt. Am Sonntag pilgern die Delegierten des Deutschen Ordens im Rahmen des Kapitels nach Mariazell. Die Messe am Gnadenaltar in der Wallfahrtsbasilika ist der spirituelle Höhepunkt des Generalkapitels. Die Kapitularinnen und Kapitulare wollen die Anliegen sowie die Zukunft des Deutschen Ordens der Magna Mater Austriae anvertrauen, wie es hieß.
Das Generalkapitel ist das oberste Entscheidungsorgan des Deutschen Ordens. Es befasst sich dieses Mal vor allem mit einer umfassenden Reform der Regeln und Statuten des Deutschen Ordens. Die bestehenden Regeltexte sollen an die in den vergangenen zwei Jahren umgesetzten Strukturveränderungen angepasst werden. Aufgrund der demografischen Entwicklung mussten mehrere Provinzen zusammengeführt werden, um durch eine gemeinsame Verwaltung Entlastung zu schaffen, wie es vonseiten des Ordens heißt.
Aus ursprünglich fünf Brüderprovinzen (Deutschland, Österreich, Südtirol, Tschechien-Slowakei, Slowenien) wurden drei Provinzen: Deutschland, Österreich/Italien sowie Tschechien/Slowakei/Slowenien. Aus ehemals fünf Schwesternprovinzen (Deutschland, Italien, Tschechien-Slowakei, Österreich, Slowenien) wurden zwei selbstständige Häuser in Lana (Südtirol) und Passau (Bayern).
Durch die neuen Strukturen sollen sich Brüder und Schwestern stärker dem Ursprungscharisma des Ordens - Helfen und Heilen - sowie der Seelsorge, der Pflege Bedürftiger und der Spiritualität des Ordens widmen können. Die Reform werden laut Orden in enger Zusammenarbeit mit dem zuständigen Dikasterium des Heiligen Stuhls erarbeitet.
Ritterorden der Kreuzzugszeit
Der Deutsche Orden, dessen Mitglieder sich nach dem ehemaligen deutschen Spital in Jerusalem "Brüder vom Deutschen Haus Sankt Mariens in Jerusalem" nannten, wurde 1190 in Akkon gegründet, zunächst als Spitalbruderschaft und seit 1198 auch als ritterliche Gemeinschaft zum Schutz der Pilger im Heiligen Land. Nach Johannitern und Templern war der Deutsche Orden der dritte der großen geistlichen Ritterorden der Kreuzzugszeit. Am 6. Februar 1191 wurde der Orden von Papst Clemens III. als Hospitalbruderschaft anerkannt und unter päpstlichen Schutz gestellt.
In der Gemeinschaft des Deutschen Ordens wirken rund 300 Priester und Ordensschwestern sowie rund 950 "Familiaren" - Laienmitglieder, die sich den Ordensidealen durch ein Versprechen gegenüber dem Hochmeister verpflichten - an. Das Ordensgewand zeigt ein schwarzes Kreuz auf weißem Grund. Niederlassungen in Österreich gibt es in Wien, Gumpoldskirchen, Wildbad, Spannberg, Palterndorf und Friesach.
Seit 1809 ist der Sitz des Hochmeisters und damit das Zentrum des Deutschen Ordens in der Singerstraße in der Wiener Innenstadt. Damit gehört der "Ordo Teutonico" zu den wenigen kirchlichen Institutionen, deren Generaloberer seine Residenz nicht in Rom hat.