Kirchliche Hilfsorganisation reagiert auf besorgten Brief von Oberbürgermeister Reiter: Notwendig, "Ressourcen für das Kerngeschäft freizumachen"
München, 21.02.2026 (KAP/KNA) Der Caritasverband der Erzdiözese München und Freising hat geplante Immobilienverkäufe in München verteidigt. Vor dem Hintergrund steigender Investitionskosten sei die Caritas angehalten, ihren Immobilienbestand regelmäßig zu überprüfen und gegebenenfalls "Ressourcen für das Kerngeschäft freizumachen", so die kirchliche Hilfsorganisation in einer am Freitag veröffentlichten Stellungnahme. "Dabei geht es nicht um kurzfristige finanzielle Erwägungen, sondern um die nachhaltige Sicherung unserer sozialen Arbeit."
Zuvor hatten der DMB Mieterverein München und Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) in einem offenen Brief vor den möglichen Folgen eines Immobilienverkaufs gewarnt. Konkret geht es dabei um zwei Wohnhäuser in der Schrenkstraße auf der Schwanthalerhöhe sowie ein Wohnheim für junge Studierende und Auszubildende in der Zieblandstraße im Stadtteil Schwabing. Die Caritas plant demnach seit Längerem, die Gebäude zu veräußern.
Es müsse verhindert werden, dass die Mieten durch einen Eigentümerwechsel angehoben und für die Bewohner unbezahlbar würden, mahnen Mieterbund und Oberbürgermeister. Gerade vor dem Hintergrund des Wohnraummangels und der teilweise enorm hohen Mietkosten in München sei es wichtig, dass bezahlbare Angebote wie etwa das Jugendwohnen bestehen blieben. "Caritas steht für Nächstenliebe und soziale Verantwortung. Wir erwarten, dass dieser Anspruch auch bei Immobilienentscheidungen sichtbar wird", heißt es im Brief.
Sollte es zu einem Verkauf der Immobilien kommen, müsse zudem gewährleistet sein, dass diese an Investoren gingen, "die das Wohl der Mietenden und der Stadtgesellschaft in den Mittelpunkt stellen - und nicht Gewinnmaximierung". Die Caritas könne beim Vertragsabschluss auf sozialverträgliche Lösungen wie Mietobergrenzen, langfristige Wohnrechte oder den Ausschluss von Eigenbedarfskündigungen hinwirken. "Die Verunsicherung von Mieterinnen und Mietern darf nicht die Folge strategischer Neuausrichtungen sein", mahnen Verband und Oberbürgermeister.
Käufer mit sozialer Verantwortung gesucht
Laut Caritas befinden sich die beiden Wohnhäuser in der Schrenkstraße derzeit "in einem offenen und transparenten Verkaufsprozess, der von einem unabhängigen Makler begleitet wird". Die betroffenen Mieterinnen und Mieter seien frühzeitig über die Verkaufsabsichten informiert worden. Der Verband suche einen Käufer, der sich der sozialen Verantwortung bewusst sei. "Für die Bewohnerinnen und Bewohner gilt klar: Ein Eigentümerwechsel ändert nichts an den bestehenden Mietverträgen. Rechte und Pflichten bleiben vollständig erhalten und gehen auf den neuen Eigentümer über."
In Bezug auf die Einrichtung für das Jugendwohnen ist die Caritas laut eigenen Angaben bestrebt, den Fortbestand des Angebots zu sichern und eine Lösung zu finden, "die dem sozialen Charakter des Hauses gerecht wird", heißt es. "Unser Ziel bleibt es, soziale Verantwortung wahrzunehmen und zugleich die langfristige Handlungsfähigkeit der Caritas zu sichern."
Die geplanten Immobilienverkäufe hatten bereits im November für Aufregung gesorgt. Die Caritas hatte sich damals schon mit einer ähnlichen Stellungnahme zu Wort gemeldet. Sowohl Caritas als auch Mieterverein und die Stadt München signalisierten ferner Gesprächsbereitschaft.