Bischofskonferenz-Vorsitzender Szekely und P. Dobszay von Initiative "Strategie der Menschenwürde" eröffnen Schau an Theologischer Hochschule der Ordensgemeinschaften
Budapest, 21.02.2026 (KAP) Unter dem Titel "Erkennen. Reagieren. Schutz von Minderjährigen im kirchlichen Umfeld" wurde am Freitag in Budapest eine internationale Ausstellung eröffnet. Am ersten Freitag der Fastenzeit, der in Ungarn als Gebetstag für die Opfer von Missbrauch begangen wird, beteten die Teilnehmer der Eröffnung gemeinsam für die Betroffenen. Das Gebet an der Ausstellungsstätte, der Theologischen Hochschule der Ordensgemeinschaften Sapientia, leitete der Vorsitzender der Ungarischen Bischofskonferenz, Bischof Janos Szekely (Szombathely).
Den Kern der Ausstellung bildet eine Installation, die eine Menschenmenge symbolisiert: aufgehängte weiße T-Shirts mit Zeichnungen, die unterschiedliche Lebenssituationen darstellen. Glückliche und schmerzhafte Erfahrungen stehen nebeneinander - für die einen Schutz und Unterstützung, für die anderen Missbrauch und Gewalt.
Die Ausstellung ist ein Projekt des UCU Child Dignity Center in Lwiw ( "Safeguarding. Child Safety in the Church Environment"). In Zusammenarbeit mit sechs mittel- und osteuropäischen Ländern - Ukraine, Polen, Tschechien, Kroatien, Slowakei und Ungarn - bietet das Zentrum einen Online-Kurs zum Thema Kinderschutz an. In diesem Rahmen entstanden die Grafiken der Ikonenmalerin und Illustratorin Uliana Krechovets. Mittels Symbolen, Gesten und einer klaren Bildsprache sprechen sie offen und zugleich assoziativ von Schmerz und Freude und machen deutlich: Sicherheit bedeutet nicht nur physischen Schutz, sondern auch innere Geborgenheit, Selbstwert und Zugehörigkeit.
Eröffnet wurde die Ausstellung von P. Benedek Dobszay OFM, dem Leiter der Initiative "Strategie der Menschenwürde". Das Gebet für die Betroffenen leitete Bischof Szekely. Dobszay bezeichnete es als Meilenstein im Leben der Kirche in Ungarn, dass der Vorsitzende der Bischofskonferenz öffentlich für die Opfer bete.
Vergebungsbitte an die Opfer
Bischof Szekely verwies auf die Verletzlichkeit und Schutzbedürftigkeit von Kindern, die Erwachsenen mit Vertrauen und Offenheit begegnen. Machtmissbrauch und Demütigung hinterließen tiefe Wunden - zugefügt von Menschen, die als Vater, Mutter oder Geschwister an ihrer Seite hätten stehen sollen. "Im Namen der Täter und jener kirchlichen Verantwortlichen, die nicht alles in ihrer Macht Stehende getan haben, um diese Verbrechen zu verhindern, bitte ich die Opfer um Vergebung", sagte der Bischof. Zugleich betonte Szekely, die kirchliche Gemeinschaft setze alles daran, Kirche und kirchliche Einrichtungen zu einem sicheren Ort für alle Kinder und Jugendlichen zu machen.
Im Gespräch mit Kathpress erklärte Dobszay, in dem Projekt arbeiteten Länder zusammen, die einen ähnlichen historischen Weg gegangen seien. Nach Einschätzung des Heiligen Stuhls sei Mittel- und Osteuropa "eine der komplexesten Regionen der Welt". Die Kirche in Ungarn habe in den vergangenen Jahren einen weiten Weg zurückgelegt; viele Verantwortliche hätten an Schulungen teilgenommen. Entscheidend sei jedoch, nicht nur Einzelfälle zu lösen, sondern einen Mentalitäts- und Kulturwandel zu fördern, so der Experte. Es gehe darum, systemisch Verantwortung zu übernehmen, betroffene Gemeinschaften auch pastoral zu begleiten und institutionelle Schutzmechanismen nachhaltig zu verankern.
Die Schritte der vergangenen 15 Jahre dürften nicht geringgeschätzt werden, so Dobszay. Dass der Vorsitzende der Bischofskonferenz öffentlich für die Opfer bete, sei ein wichtiges Zeichen. Der eingeschlagene Weg erfordere Sensibilität, Verständnis für die Dynamiken von Täterschaft und Opfererfahrung sowie die Bereitschaft, aus dieser Einsicht verantwortliche Entscheidungen zu treffen.
Thema hat auch politische Brisanz
Das Thema Missbrauch ist auch im aktuellen Wahlkampf in Ungarn sehr präsent. Die oppositionelle TISZA-Partei hatte jüngst einen Regierungsbericht aus dem Jahr 2021 publik gemacht, der bis dahin unter Verschluss gehalten wurde und weitverbreiteten Missbrauch in staatlichen Kinder- und Jugendeinrichtungen aufzeigt. Die Rede ist von rund 3000 mutmaßlichen Missbrauchsfällen. Dies entspricht mehr als einem Fünftel aller Minderjährigen in staatlicher Obhut in Ungarn. Das befragte Betreuungspersonal kritisierte laut dem Bericht zudem, dass Polizei oder Staatsanwaltschaft Ermittlungen ohne Anklage einstellten. Als Grund dafür sei meist ein Mangel an Beweisen genannt worden, hieß es. Die Fidesz-Regierung unter Viktor Orban geriet deswegen unter öffentlichen Druck, es kam zu zahlreichen Protestkundgebungen.