Weniger Förderungen und neues Psychotherapiegesetz machen weiteren Betrieb fraglich - Suche nach Ehrenamtlichen, um mit gestiegener Beratungs-Nachfrage zurechtzukommen
Salzburg, 23.02.2026 (KAP) Die Kinder- und Jugendtelefonseelsorge "kids-line" in Salzburg steht vor einer ungewissen Zukunft. Laut dem am Montag veröffentlichten Jahresbericht 2025 erschweren Einsparungen im Förderwesen und neue gesetzliche Vorgaben den Betrieb der überwiegend ehrenamtlich geführten Einrichtung. Seit mehr als 25 Jahren ist die "kids-line" eine zentrale Anlaufstelle für Kinder und Jugendliche bei Angst, Trauer, Mobbing, Missbrauch oder Einsamkeit. "Ohne zusätzliche Unterstützung drohen massive Einschränkungen in der Erreichbarkeit", warnte Leiterin Theresa Schimke.
Gleichzeitig zeigt der Bericht, dass die Nachfrage nach Beratung weiter steige. Eine Entspannung der psychischen Belastung sei seit den Corona-Jahren nicht zu erkennen, im Gegenteil: "In allen Bereichen haben wir traurige Rekorde verzeichnet." Die Zahlen spiegelten deutlich wider, wie stark Kinder und Jugendliche weiterhin Unterstützung benötigten.
Konkret wurden im Jahr 2025 bei der "kids-line" 45.927 Chats geführt - mehr als doppelt so viele wie 2020 und viermal so viele wie 2019. Auch die Telefonberatung über die Rufnummer 0800-234-123 verzeichnete 23.386 Gespräche und damit ein Plus von 40,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Website-Zugriffe auf www.kids-line.at stiegen innerhalb von fünf Jahren um rund 85 Prozent auf 85.071. Die Gespräche seien tendenziell kürzer, dafür aber häufiger geworden.
Für 2026 beschäftigt die Leiterin besonders die Novelle des Psychotherapiegesetzes. Diese erschwere die Arbeit zusätzlich, während die Anfragen weiter steigen. "In einer Zeit, in der wir um jede Unterstützung kämpfen müssen, ist es besorgniserregend, dass die Erreichbarkeit des Angebots eingeschränkt werden könnte", betonte Schimke.
Die "kids-line" sucht deshalb Ehrenamtliche mit Erfahrung - und idealerweise abgeschlossener Ausbildung - in Psychotherapie, Psychologie, Lebens- und Sozialberatung oder Sozialarbeit, die zur freiwilligen Mitarbeit ab zehn Stunden monatlich über mindestens ein Jahr bereit sind. Geboten werden umfassende Einschulungen, Supervision, Intervision und Weiterbildung sowie Vernetzung mit psychotherapeutischen oder sozialen Einrichtungen. Ziel ist, das Erfolgsmodell trotz schwieriger Rahmenbedingungen aufrechtzuerhalten und weiterhin eine verlässliche Hilfe für junge Menschen zu sein. (Info: www.kids-line.at)