Vatikan-Außengesandter in Estland: Frieden kann Wirklichkeit werden
23.02.202614:47
Estland/Vatikan/Kirche/Diplomatie
Erzbischof Gallagher bei erstem Gedenktag von seliggesprochenem Märtyrerbischof Profittlich in Diözese Tallinn
Tallinn, 23.02.2026 (KAP) In Estland beging die katholische Kirche am Sonntag, 22. Februar, erstmals den Gedenktag des seligen Märtyrerbischofs Eduard Profittlich (1890-1942). Bei einer internationalen Konferenz in Tallinn zu Ehren des deutschen Jesuiten, der im September 2025 in einer vom Wiener Kardinal Christoph Schönborn geleiteten Feier seliggesprochen worden war, rief der vatikanische Außenminister Erzbischof Paul Richard Gallagher zu neuer Friedensarbeit auf, meldet das vatikanische Nachrichtenportal "Vatican News".
Die Welt erlebe eine Zeit, in der der Friede "mehr denn je bedroht und verwundet" sei - nicht zuletzt durch den Krieg in der Ukraine und einen "dritten Weltkrieg in Stücken", sagte Gallagher. Zugleich könne Gott "Nationen aus der Asche des Hasses wiederaufbauen".
Der deutschstämmige Profittlich leitete ab 1931 als Apostolischer Administrator die katholische Kirche in Estland, das 1940 von der Sowjetunion annektiert wurde. 1936 wurde Profittlich in Tallinn zum Bischof geweiht. Im Zweiten Weltkrieg blieb er während der sowjetischen Besatzung bewusst in Estland und starb 1942 im Gefängnis von Kirow.
Brückenbauer in Estland
Für Erzbischof Gallagher verkörpert Profittlich eine Verbindung von "Diplomatie und Heiligkeit" sowie den Dienst an der Wahrheit gegen Unterdrückung. In seiner Ansprache zog der vatikanische Diplomat laut "Vatican News" eine Linie zwischen pastoraler Sendung und kirchlicher Diplomatie. Beide hätten eine gemeinsame Wurzel im Einsatz für Wahrheit und Menschenwürde. Profittlich habe mit dem Entschluss zu bleiben, "seinen höchsten diplomatischen Akt" gesetzt. Er sei zu einem "Brückenbauer" geworden, der Beziehungen knüpfte und einem kleinen Volk eine moralische Stimme gab.
Mit Blick auf die Gegenwart warnte Gallagher vor wachsender Spaltung in Europa. Diplomatie müsse Distanzen überwinden und Räume für Begegnung schaffen. "Wahrer Friede" entstehe durch einen Einsatz, bei dem es weder Sieger noch Verlierer gebe. Auch wenn Frieden heute oft unerreichbar erscheine, dürfe man nicht resignieren: Was unmöglich wirke, könne mit Gottes Hilfe Wirklichkeit werden.
Der selige Eduard Profittlich gilt in Estland als Symbolfigur für Glaubenstreue und Freiheit. Seine Lebensgeschichte sei, so Gallagher, eine Mahnung, dass Wahrheit und Liebe stärker seien als Gewalt und Ideologie.