Bätzing: Nachfolger muss Konflikte der deutschen Bischöfe moderieren
23.02.202616:51
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Scheidender Vorsitzender erwartet auch weiterhin Meinungsverschiedenheit in der Deutschen Bischofskonferenz - AfD "nur Scheinlösungen"
Würzburg, 23.02.2026 (KAP/KNA) Der scheidende Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Georg Bätzing (64), rechnet nicht damit, dass sein Nachfolger eine große Einmütigkeit unter den Oberhirten herstellen kann. "Er möge die Unterschiede, die es gibt, und die Konflikte, die es auch weiter geben wird, so moderieren, dass wir einander verstehen können", sagte er am Montag zum Auftakt der Frühjahrsvollversammlung der deutschen Bischöfe in Würzburg. "Ich glaube nicht, dass es in naher Zukunft so sein wird, dass wir in allen Fragen, die anstehen, in ganz dieselbe Richtung gehen."
Am Dienstag wählen die deutschen Bischöfe einen neuen Vorsitzenden. Bätzing - seit 2020 an der Spitze der Bischofskonferenz - hatte angekündigt, nicht erneut für das Amt zur Verfügung zu stehen. "Sechs Jahre, das war in meiner Perspektive eine zu lange Zeit", sagte der Bischof von Limburg. Zu den Aufgaben des künftigen Vorsitzenden wird es gehören, die Spaltung der Bischofskonferenz beim Umgang mit dem Reformprojekt Synodaler Weg zu überwinden. Die Bischöfe aus Köln, Regensburg, Passau und Eichstätt hatten sich aus dem Projekt zurückgezogen, bei dem es etwa um innerkirchliche Gewaltenteilung, mehr Beteiligung von Frauen und eine neue Sexualmoral ging.
Kirchenvolk stärker einbinden
Bätzing hat den Reformkurs in den vergangenen Jahren stark unterstützt. Am Montag rief er seine Amtsbrüder dazu auf, das Kirchenvolk an wichtigen Entscheidungen zu beteiligen. "Da wird sich niemand entziehen können", sagte er. Dass Bischöfe den Gläubigen Rechenschaft geben müssten, sei keine Erfindung des deutschen Reformprojekts Synodaler Weg, sondern entspreche den weltkirchlichen Vorgaben. Es gehe nicht darum, dass alle Bischöfe immer dieselben Entscheidungen treffen müssten, betonte Bätzing. "Der Bischof entscheidet in seiner Diözese mit seinen synodalen Gremien, und da kann niemand hineingrätschen."
Bei der letzten Vollversammlung des Synodalen Wegs Ende Jänner in Stuttgart war beschlossen worden, dass ein Beratungs- und Entscheidungsgremium von Bischöfen und Laien künftig die Umsetzung von Reformbeschlüssen in den Diözesen überprüfen soll. Kardinal Reinhard Marx hatte in Stuttgart gewarnt: "Ich möchte so was nicht, dass man bei mir in die Diözese hineinregiert." Bei den Beratungen in Würzburg wird es unter anderem darum gehen, ob die Bischöfe die Satzung der geplanten Synodalkonferenz absegnen. Das neue Gremium auf Bundesebene soll im November seine Arbeit aufnehmen.
Warnung vor AfD
Weiters warnte Bätzing am Montag auch eindringlich vor der AfD. Wer die Wahlprogramme der Partei studiert habe, wisse, was auf die Gesellschaft zukommen könne, wenn diese Kräfte in politische Verantwortung träten und Regierungsverantwortung bekämen, sagte er. Die demokratische Mitte im Land müsse Bündnisse schließen, um die großen Probleme dieser Zeit zu lösen. Das gehe nicht alleine in Deutschland, aber auch dort müssten Lösungen nach vorn gebracht werden. Das Land solle rechtsstaatlich, freiheitlich, weltoffen, solidarisch und fest in Europa verwurzelt bleiben.
Bätzing erinnerte zudem an die Erklärung der Deutschen Bischofskonferenz "Völkischer Nationalismus und Christentum sind unvereinbar" aus dem Frühjahr 2024. Diese Erklärung habe Wirkung gezeigt, aber Erklärungen alleine reichten nicht mehr aus. "Wir müssen Menschen in unserem Land aktivieren, für Demokratie und Menschenwürde aufzustehen und sich zu engagieren", so der Limburger Bischof.
Er persönlich sei gegen ein AfD-Verbot, vielmehr müssten die demokratischen Kräfte im Land "zeigen, dass die Partei überflüssig ist", da sie keine echten, sondern nur Scheinlösungen anbiete und nur kritisieren, nicht aber regieren könne. Durch ein bloßes Verbot seien die Wähler der Partei nicht weg, denen die AfD anscheinend aus dem Herzen spreche, was die Probleme im Land angehe, so Bätzing.
Die Bischöfe befassen sich in Würzburg auch mit der Aufarbeitung von Fällen sexuellen Missbrauchs, mit dem Dialog zwischen Christen und Muslimen sowie mit weiteren Themen. Am Donnerstag gibt der neue Vorsitzende die Ergebnisse dieser Beratungen bekannt.
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