Gewaltwelle in Mexiko: Bischöfe rufen zu Gebet und Vorsicht auf
23.02.202617:02
Mexiko/Gewalt/Drogenkriminalität/Kirche
In manchen Regionen sogar Aussetzung von Gottesdiensten als Vorsichtsmaßnahme - Kardinäle: Kirche muss "in allen Bereichen der Nation Frieden fördern"
Mexiko-Stadt, 23.02.2026 (KAP) Nach der Tötung des Drogenbosses Nemesio Rubén Oseguera Cervantes ("El Mencho") und einer landesweiten Welle von Gewalt haben Mexikos Bischöfe die Bevölkerung zu Besonnenheit, Gebet und strikter Beachtung von Sicherheitsanweisungen aufgerufen. In einer am Sonntag (Ortszeit) veröffentlichten Erklärung wandte sich die Mexikanische Bischofskonferenz (CEM) an das "pilgernde Volk Gottes in Mexiko" und zeigte sich den Gläubigen "in Sorge und Solidarität" verbunden.
Oseguera, Anführer des Kartells Jalisco Nueva Generación (CJNG), war bei einem Militäreinsatz im Bundesstaat Jalisco festgenommen und nach offiziellen Angaben später seinen Verletzungen erlegen. Die Operation erfolgte mit Unterstützung US-amerikanischer Nachrichtendienste. Unmittelbar nach Bekanntwerden seines Todes kam es in mindestens 16 Bundesstaaten zu koordinierten Vergeltungsaktionen: Bewaffnete blockierten Fernstraßen, setzten Fahrzeuge und Geschäfte in Brand und lieferten sich Gefechte mit Sicherheitskräften. In Touristenorten wie Puerto Vallarta suchten Bewohner und Besucher Schutz in ihren Häusern, Flugverbindungen wurden gestrichen.
Vor diesem Hintergrund forderte die Bischofskonferenz die Gläubigen auf, "persönliche und gemeinschaftliche Sicherheitsmaßnahmen zu verstärken" und unnötige Wege zu vermeiden. Man solle den Anweisungen der zivilen Behörden folgen und keine unbestätigten Informationen verbreiten, um zusätzliche Verunsicherung zu verhindern. Parallel dazu kündigte die CEM die Erstellung einer "Risikokarte" an, um Vorfälle in den Diözesen zu erfassen und Schutzmaßnahmen mit staatlichen Stellen zu koordinieren.
Eine außergewöhnliche Maßnahme traf die Diözese San Juan de los Lagos im besonders betroffenen Bundesstaat Jalisco: Bischof José Leopoldo González González dispensierte die Gläubigen vom Sonntagsgebot und ordnete an, die Kirchen geschlossen zu halten. Beobachtern zufolge ist eine solche Aussetzung öffentlicher Gottesdienste in der Region seit der Zeit der Cristero-Unruhen vor rund 100 Jahren nicht mehr erfolgt.
Zugleich riefen führende Kirchenvertreter zu einem verstärkten Einsatz für Versöhnung und gesellschaftlichen Frieden auf. Kardinal Carlos Aguiar Retes in Mexiko-Stadt und Kardinal Francisco Robles Ortega in Guadalajara betonten die Verantwortung der Kirche, "in allen Bereichen der Nation Frieden zu fördern". In sozialen Netzwerken verbreiteten sich Bilder von Priestern, die mit der Monstranz auf Kirchendächern für ein Ende der Gewalt beteten.
In ihrem offiziellen Schreiben stellten die Bischöfe ihr Land unter den Schutz der Jungfrau von Guadalupe. Sie baten um deren "mütterliche Fürsprache", damit Mexiko Wege zu Gerechtigkeit, Frieden und Hoffnung finde. Das Gebet müsse, so die CEM, stets mit dem konkreten Engagement verbunden sein, "Sämänner der Versöhnung und Brüderlichkeit" zu werden.