Stephansdom: Kirche und Politik vereint im Gebet für die Ukraine
24.02.202616:10
Österreich/Kirche/Ökumene/Krieg/Friedensgebet
Friedensgebet in Wien am vierten Jahrestag des Überfalls Russlands auf die Ukraine - Ostkirchen-Generalvikar Kolasa: "Jede gerettete Person, jede geöffnete Tür, jedes Wort der Ermutigung ist ein Baustein des Friedens"
Wien, 24.02.2026 (KAP) Die Anteilnahme mit den Opfern des Krieges in der Ukraine, die Bitte um Frieden und der Appell, in der Hilfe für die Not leidenden Menschen in der Ukraine nicht nachzulassen, standen im Mittelpunkt eines ökumenischen Friedensgebetes im Wiener Stephansdom. Zahlreiche Vertreterinnen und Vertreter der Kirche und der Politik sowie Gläubige aus der Ukraine und aus Österreich hatten sich dazu am Dienstagnachmittag im Dom versammelt. Im Rahmen des Gebets entzündeten die Vertreterinnen und Vertreter der Kirchen und der Politik Friedenskerzen.
Dem Gebet standen u.a. Ostkirchen-Generalvikar Yuriy Kolasa, der armenisch-apostolische Bischof und Vorsitzende des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich, Tiran Petrosyan, und der griechisch-orthodoxe Metropolit Arsenios (Kardamakis) vor; weiters der griechisch-orthodoxe Weihbischof Maximos (Rudko), der syrisch-orthodoxe Chorepiskopos Emanuel Aydin, die altkatholische Vikarin Dorothee Hahn und der rumänisch-orthodoxe Bischofsvikar Nicolae Dura sowie zahlreiche Priester der ukrainisch-katholischen Kirche. Auch der Wiener Weihbischof Franz Scharl feierte den Gottesdienst mit.
Die Politik war u.a. durch Staatssekretär Alexander Pröll, die frühere Bundesratspräsidentin Andrea Eder-Gitschthaler und den Wiener Bezirksvorsteher Markus Figl vertreten. Die Riege der zahlreichen Botschafter bzw. weiterer Diplomaten wurde vom ukrainischen Botschafter Vasyl Khymynets angeführt. Ebenfalls gekommen war Präsidentengattin Doris Schmidauer.
Die Einheit im Gebet sei ein Zeichen der Hoffnung über Grenzen, Sprachen und über religiöse Grenzen hinweg", so Ostkirchen-Generalvikar Kolasa in seiner Ansprache. Der Stephansdom sei seit Jahrhunderten ein Ort, "an dem die Stimmen vieler Völker und Sprachen in einem Gebet zusammentreffen". Kolasa rief dazu auf, in der Hilfe für die Menschen nicht nachzulassen: "Jede gerettete Person, jede geöffnete Tür, jedes Wort der Ermutigung ist ein Baustein des Friedens. Gott verlässt die Leidenden nicht. Er hört das Rufen der Kinder, er zählt die Tränen der Mütter, er stärkt die Hände der Helfenden."
Jene Menschen in der Ukraine, die ihr Leben einsetzen, um andere zu retten, die in Krankenhäusern Verwundete versorgt, oder in Schulen Kinder unterrichtet, die den Krieg als Alltag erleben mussten, sie alle seien "Zeugen der Hoffnung", so Kolasa: "Sie erinnern uns daran, dass jeder Tag, an dem geholfen, gerettet und getröstet wird, ein Tag ist, an dem das Gute stärker ist als die Gewalt und der uns der wahren Frieden näherbringt." Friede gründe auf Wahrheit und Gerechtigkeit und verlange Ausdauer, Wahrhaftigkeit sowie die Entschlossenheit, das Völkerrecht zu achten und Leben sowie Menschenwürde zu schützen, so der Generalvikar weiter.
Dank an Regierung und Caritas für Hilfe
Er dankte zugleich auch für die Aufnahmen so vieler Ukrainerinnen und Ukrainer in Österreich: "Wir danken der Regierung, den Gemeinden und Schulen, der Caritas, den Diözesen und Pfarren, den ökumenischen Initiativen, den zivilgesellschaftlichen Organisationen, den sozialen Einrichtungen sowie allen Ehrenamtlichen, die Türen geöffnet und Herzen weit gemacht haben." Diese Solidarität sei gelebtes Evangelium: "Sie verwandelt Trauer in Zuversicht und zeigt, dass Mitmenschlichkeit stärker ist als Gewalt."
Kolasa fügte hinzu, wie stolz er auf die ukrainischen Frauen in Österreich sei. Über 60 Prozent von ihnen seien alleinerziehende Mütter, "die aus ihrem Alltag herausgerissen wurden, selbst traumatisiert sind und dennoch versuchen, ihren ebenfalls traumatisierten Kindern ein Stück Normalität zu ermöglichen". Häufig machten sie das "unter der enormen Belastung der Trennung von ihren Familien sowie der gleichzeitigen Jobsuche, um ihren Lebensunterhalt zu sichern".
Der Ostkirchen-Generalvikar erinnerte aber auch an die Verschleppten und Gefangenen und die vermissten Kinder. Und er fügte hinzu: "Wir bitten um ihre Rückkehr und um die Sicherung ihrer Rechte." Schließlich schloss Kolasa in seine Rede auch alle Männer und Frauen ein, die an der Front stehen, die Sanitäter und Helfer, die unter Beschuss arbeiten, und die Seelsorger, "die Nacht für Nacht bei den Trauernden wachen".
Kampf für freies Europa
Die Ukrainerinnen und Ukrainer würden nicht nur sich selbst verteidigen, sondern das gesamte freie Europa, sagte Botschafter Khymynets in seiner Ansprache. Friede könne es nur geben, wenn die Ukraine stärker bleibe als der Aggressor. Wer sich hingegen für ein Ende der Unterstützung der Ukraine ausspricht, sei für die Fortsetzung des Krieges. "Unsere Stärke ist unsere Einheit und die Hilfe der demokratischen Welt, darunter Österreich", so der Botschafter weiter. Er erinnerte zudem an die von Russland zu tausenden verschleppten ukrainischen Kinder und forderte verstärkte Bemühungen um deren Rückführung. Vier Jahre nach dem Überfall Russlands halte die Ukraine nach wie vor stand. "Wir dürfen nicht zulassen, dass die Erschöpfung gewinnt", so der Appell des Botschafters.
Der Gesang beim Gebet wurde von zwei Chören gestaltet: vom Kirchenchor der Seelsorgestelle "Zur Heiligen Familie" der Ukrainisch-Griechisch-Katholischen Kirche sowie vom Chor "Solea", dem Kirchenchor der Ukrainisch-Orthodoxen Pfarre "Heiliger Wolodymyr und Heilige Olha" des Ökumenischen Patriarchats. Im Anschluss an den Gottesdienst führte der Kammerchor "Sofia" ein musikalisches Requiem auf.
(Spendenkonto Ukraine Hilfe. Kontoinhaber: Ordinariat für die Gläubigen der katholischen Ostkirchen, IBAN: AT78 1919 0001 3602 6950, Zahlungsreferenz: 3722401205 Ukraine Hilfe)
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