Ordensfrau: Ukraine glaubt an gerechten Frieden und kämpft dafür
24.02.202616:22
Ukraine/Krieg/Friedensprozess/Kirche/Orden
Provinzoberin Sr. Alfonsa Karapata zum vierten Jahrestag der russischen Invasion: "Dass Sie uns nicht vergessen, ist eine notwendige Bedingung für das Kommen des Friedens"
Kiew, 24.02.2026 (KAP) Vier Jahre nach Beginn der russischen Großinvasion hält die Ukraine den festen Willen aufrecht, weiter für einen "gerechten Frieden" und "für unsere und für Ihre Freiheit" zu kämpfen: Das hat Provinzoberin der Missionsschwestern vom heiligsten Erlöser in der Ukraine, Sr. Alfonsa Karapata, in einem am 24. Februar von der Österreichischen Ordenskonferenz veröffentlichten Rundbrief hervorgehoben. "Wir glauben, dass die Zeit kommen wird, in der der Krieg endet und ein gerechter Friede einkehrt", schreibt sie.
Die Provinzoberin erinnert an die Nacht des 24. Februar 2022, als russische Panzer um 3.40 Uhr die Grenze überschritten. Der Satz "Wach auf, es ist Krieg" habe binnen Sekunden jede gewohnte Lebensperspektive zerstört. Aus Angst und Lähmung sei jedoch Widerstand gewachsen - "durch Haltung, Wort und das unerschütterliche Verlangen nach Freiheit" der Ukraine.
Der Krieg habe auch ihr eigenes geistliches Leben grundlegend verändert. "Jedes Wort wurde nicht mehr nur aufmerksam, sondern flehend", so Sr. Alfonsa. Tage und Nächte seien zu einem "unaufhörlichen Gebet" geworden. Gott erfahre sie inmitten des Leids neu: an der Seite der Soldaten in den Schützengräben, bei Verwundeten mit ihren Phantomschmerzen bei verlorenen Gliedmaßen, in der Trauer der Angehörigen und bei den Gefangenen mit ihren unsagbaren Qualen. Es sei ein Gott, "der das Kreuz nicht erklärt, sondern selbst an ihm hängt".
Krieg zehrt an Mensch und Infrastruktur
Nach 1.461 Tagen Krieg zehre der Konflikt an Mensch und Infrastruktur. Ein Winter mit Temperaturen bis minus 28 Grad sowie gezielte Angriffe auf Energieanlagen hätten vielerorts zu massiven Strom- und Heizungsausfällen geführt. In Kiew hätten zeitweise Hunderttausende die Stadt verlassen, teils wochenlang hätten Menschen keinen Strom. In anderen Regionen sei die Situation ähnlich kritisch, selbst in der Westukraine, wo der Strom derzeit bis zu 17 Stunden täglich ausfalle.
Karapata verweist auf das hohe Ausmaß der Verluste: Seit 2022 seien über 150.000 ukrainische Soldaten und Zivilisten getötet worden, darunter rund 1.000 Kinder; mehr als eine halbe Million Menschen gelten als vermisst, Hunderttausende seien verwundet oder verstümmelt worden. Bis zu 8.000 Militärangehörige und bis zu 16.000 Zivilisten befänden sich in russischer Gefangenschaft, über 20.000 Kinder seien nach Russland deportiert worden. Hinter diesen Zahlen stünden "keine Statistiken, sondern lebendige Schicksale"; sie bezeugten den "unglaublichen Preis unserer Unabhängigkeit".
Die von Moskau vorgebrachten Rechtfertigungen, es gehe um den Schutz russischsprachiger Menschen oder um eine Reaktion auf Annäherung der Nato, weist die Ordensfrau zurück. Ziel des Angriffs sei vielmehr die "Vernichtung der Ukraine als solche: unserer Identität, Kultur, Staatlichkeit und freien Religionsausübung". Die Ukraine kämpfe "um das Recht, ein souveräner, unabhängiger Staat zu sein - das Recht, Ukrainer und Herren im eigenen Land zu bleiben". Andauern könne dieser Krieg noch über Jahre, "so lange, wie Russland die Ressourcen hat, ihn zu führen".
Europas Hilfe bleibt entscheidend
Abschließend appelliert Sr. Alfonsa an Europa - "Ihre Unterstützung bleibt entscheidend für das Überleben von Millionen von Menschen" - und bedankt sich bei allen, die der Ukraine in den vier Jahren unermüdlich zur Seite gestanden sind, "durch das Gebet, durch aufrichtiges Mitgefühl und durch konkrete Hilfe. Ihre Solidarität in dieser schwierigen Zeit ist uns eine große Stütze. Dass Sie uns nicht vergessen, ist eine notwendige Bedingung für das Kommen des Friedens." (Infos: www.ordensgemeinschaften.at)
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