Wiener griechisch-orthodoxer Metropolit zum Jahrestag des Überfalls Russlands auf die Ukraine: "An den Krieg dürfen wir uns nicht gewöhnen" - Heftige Kritik an Russisch-orthodoxer Kirche
Wien, 24.02.2026 (KAP) Der Wiener griechisch-orthodoxe Metropolit Arsenios (Kardamakis) hat anlässlich des vierten Jahrestages des Angriffs Russlands auf die Ukraine davor gewarnt, sich an den Krieg zu gewöhnen. Er spricht in einer Stellungnahme von einer gefährlichen Verhärtung des Herzens: "Dass wir uns an die Toten gewöhnen, an die Witwen, an die Waisen. Dass wir akzeptieren, Geschichte schreite notwendigerweise durch die Wiederkehr der Gewalt voran. Dass wir die kalten Winternächte ohne Wasser, Strom und Heizung für tausende Menschen als Normalität hinnehmen". Der Metropolit übt auch einmal mehr heftige Kritik an der Russisch-orthodoxen Kirche unter Patriarch Kyrill, die den Krieg unterstützt. Kardamakis hält fest, dass die Orthodoxie keine heiligen Kriege kennt.
Kardamakis spricht im Blick auf die Position der Russischen Kirche, die auch die innerorthodoxe Einheit zerrissen hat, von einem Trauma. Das Trauma vertiefe sich, "wenn kirchliche Rede sich nicht auf den Dienst des Trostes und das beharrliche Flehen um Frieden beschränkt, sondern andeutet, der Konflikt könne in eine höhere 'historische Sendung' eingeordnet werden. Wenn Gewalt die Grenze theologischer Rechtfertigung berührt, droht der Glaube zur Ideologie zu werden. Und Ideologie - selbst wenn sie kirchliche Sprache trägt - bleibt eine Verneinung der kreuzförmigen Logik Christi", so der Metropolit.
Krieg sei kein Schicksal, "er ist das Scheitern der Freiheit", so der Metropolit. Nachsatz: "Die Orthodoxie kennt keine heiligen Kriege; sie kennt heilige Umkehr. Sie kennt keine Rettung durch Überlegenheit, sondern Rettung durch Demut." Christus habe nicht gesiegt, indem er Territorien eroberte, sondern indem er sich selbst hingab, so Kardamakis: "Jeder Versuch, das Evangelium mit der Durchsetzung von Macht zu verbinden, verfälscht das Ethos der Kirche und untergräbt ihre Sendung." Er hoffe auf die Einsicht, so der Metropolit, "dass die Kirche nur dann Kirche bleibt, wenn sie sich weigert, Hass zu segnen und beharrlich den Frieden bezeugt".
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