Iftar der Islamischen Glaubensgemeinschaft u.a. mit katholischem Bischof Freistetter, evangelischer Bischöfin Richter und Oberrabbiner Engelmayer - IGGÖ-Präsident Vural kritisiert Kopftuchverbot
Wien, 24.02.2026 (KAP) Auf Einladung der Islamischen Glaubensgemeinschaft (IGGÖ) hat am Dienstag ein interreligiöses Fastenbrechen im Wiener Schloss Cobenzl mit Bundespräsident Alexander Van der Bellen als Ehrengast stattgefunden. IGGÖ-Präsident Ümit Vural wertete die Anwesenheit des Staatsoberhaupts als "Zeichen der Anerkennung für die muslimische Gemeinschaft" und als "Bekenntnis zum Miteinander, das Österreich ausmacht". Zum Iftar waren auch Vertreter aller gesetzlich anerkannten Kirchen und Religionsgesellschaften gekommen sowie einige Mitglieder des Diplomatischen Corps.
Angesichts zahlreicher Krise wolle man den Ramadan bewusst als "Zeit für Zuversicht" begehen, so Vural unter Bezugnahme auf das Motto des heurigen muslimischen Fastenmonats. Zuversicht sei eine spirituelle Kraft und getragen von der Überzeugung, dass Vernunft, Gutes und Mitgefühl stärker seien als Hass und Spaltung, so der IGGÖ-Präsident in seiner Ansprache. "Religion darf nie das Öl in Konflikten sein, sondern das Wasser, das Brände löscht." Religionen hätten "die heilige Pflicht" sich für die Bewahrung der Schöpfung, den Schutz der Schwachen und den Erhalt des Friedens einzusetzen.
Das interreligiöse Fastenbrechen sei zudem ein positives Zeichen für die Vielfalt in der Gesellschaft, betonte Vural, der sich in diesem Zusammenhang kritisch über das Kopftuchverbot für unter 14-jährige Mädchen äußerte. Ein derartiges Verbot "muss am Maßstab der Verfassung geprüft und vom Verfassungsgerichtshof überprüft werden", bekräftigte Vural die Position der IGGÖ in seiner Ansprache im ersten Teil der Feier.
Nach dem Gebetsruf um genau 17.37 Uhr beendeten Vural und Van der Bellen den Fasttag mit der traditionellen Dattelzeremonie, mit der Muslime und Musliminnen weltweit während des Ramadans den "Moment feiern, in dem der Tag in den Abend übergeht", wie Vural ausführte. Musikalisch umrahmt war das Iftar mit Darbietungen des "Yeden Ensemble".
Die katholische Kirche war durch Militärbischof Werner Freistetter, der in der Bischofskonferenz für den Dialog mit den Weltreligionen zuständig ist, sowie durch den Bischofsvikar für die Stadt Wien, Dariusz Schutzki, und die Dekanin der Wiener Theologischen Fakultät, Prof. Andrea Lehner-Hartmann, vertreten. Von der evangelischen Kirche waren Bischöfin Cornelia Richter und der Wiener Superintendent Matthias Geist gekommen; auch der methodistische Superintendent Stefan Schröckenfuchs war neben anderen kirchlichen Amtsträgern anwesend. Die Israelitische Kultusgemeinde war durch Oberrabbiner Jaron Engelmayer sowie durch Gemeinderabbiner Schlomo Hofmeister repräsentiert.