Publikation "Ferdinand Klostermann und das Laienapostolat" in Wien präsentiert - Ein Visionär, der an einer gemeinsamen Kirche aller Getauften arbeitete
Wien, 26.02.2026 (KAP) Der Wiener Pastoraltheologe Ferdinand Klostermann (1907-1982) hat sich energisch für eine Reform der katholischen Kirche im Geist des Zweiten Vatikanischen Konzils eingesetzt. Die Publikation "Ferdinand Klostermann und das Laienapostolat" soll das Wirken Klostermanns würdigen und damit auch Impulse für eine zukunftsfähige Kirche heute liefern. Als Herausgeber der Texte Klostermanns und weiterer Beiträge, die sich mit seinem Wirken befassen, fungieren mit Karl Immervoll und Alfred Kirchmayr zwei Schüler und Wegbegleiter des Pastoral- und Konzilstheologen.
Ferdinand Klostermann (1907-1982) studierte in Linz Theologie und wurde 1929 zum Priester geweiht. 1960 wurde er zum Mitglied der päpstlichen Kommission für das Laienapostolat beim Zweiten Vatikanum ernannt und trat 1962 die Professur für Pastoraltheologie an der Universität Wien an, die er bis zu seiner Emeritierung 1977 innehatte.
Immervoll und Kirchmayr waren während der letzten Lebensjahre Klostermanns seine Schüler und Wegbegleiter: Kirchmayr gestaltete als Assistent und Lektor gemeinsam mit Erwin Ringel pastoralpsychologische Vorlesungen. Immervoll, damals Jugendarbeiter in der Drogenszene, holte sich am Institut Rüstzeug und Inspiration für sein Engagement in der Arbeiterpastoral.
Karl Immervoll sowie der damalige Assistent an der Wiener Theologischen Fakultät im Fach Pastoraltheologie, Emmerich Tálos, berichteten bei einer Buchpräsentation am Dienstagabend in Wien aus erster Hand: Tálos beschrieb Klostermann als überaus liebenswürdigen und bescheidenen Menschen, der mit wissenschaftlicher Ernsthaftigkeit eingefahrene Bahnen in der katholischen Kirche hinterfragte. In seinen Privatissima sei er für junge Theologen wie Kirchmayr, Immervoll oder ihn selbst ein Gesprächspartner mit großer Offenheit für Neues gewesen, wie es keinen anderen Professor gab, so Tálos.
Klostermann sei ein Visionär gewesen, der an einer gemeinsamen Kirche aller Getauften arbeitete. Klerikalismus habe Klostermann scharf kritisiert. Für Klostermann war der christliche Glaube ein "Programm stetiger Veränderung", ein apostolischer Auftrag, zu dem alle getauften Menschen in geschwisterlicher Liebe berufen sind.
Zu den Buchautoren zählt u.a. der Pastoraltheologe Prof. Paul Zulehner, gleichsam doppelt Nachfolger von Klostermann auf dem Lehrstuhl für Pastoraltheologie in Wien und als Geistlicher Assistent der Katholischen Aktion Österreichs. Er beschreibt Klostermann als "Zeitenwender", denn er habe sich für eine kirchliche Zeitenwende leidenschaftlich engagiert.
Die Theologin und Soziologin Katharina Renner begrüßt in ihrem Beitrag die Ansätze des Zweiten Vatikanums, stellt aber die Frage: "Wer ist eigentlich Laiin/Laie?" Für Renner steht fest, dass "Laiinnen und Laien durch Taufe und Firmung berufen sind zum priesterlichen, prophetischen und königlichen Dienst".
Zur Buchpräsentation hatte das Forum Zeit und Glaube des Katholischen Akademiker:innen Verbands Wien in Kooperation mit der KABÖ geladen. KABÖ-Vorsitzende Anna Wall-Strasser beschloss den Abend mit der Ermutigung an alle in der Kirche Verantwortlichen, den Abend und meinte, im Umgang mit den Menschen vor allem die Frage zu stellen "Was hätte Jesus heute getan?" Das würde das menschliche Antlitz der Kirche stärken.
(Buchhinweis: Karl A. Immervoll / Alfred Kirchmayr (Hg.): Ferdinand Klostermann und das Laienapostolat. Der Aufbruch damals - die Klerikalisierung heute. Edition R3, Rutzenmoos 2025)
Publikation "Ferdinand Klostermann und das Laienapostolat" soll Werk und Wirken des Konzilstheologen und Wiener Pastoraltheologen für Reformbemühungen in der Kirche neu fruchtbar machen