Päpstlicher Außengesandter Gallagher sprach bei OSZE-Sitzung in Wien
Wien, 26.02.2026 (KAP) Der vatikanische Außenbeauftragte Paul Gallagher hat vier Jahre nach Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine zu neuen diplomatischen Initiativen und zur strikten Einhaltung des humanitären Völkerrechts aufgerufen. Bei der jüngsten Sitzung des Ständigen Rates der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) in Wien erinnerte der Kurienerzbischof an die moralische Dimension des Konflikts und warnte vor einer wachsenden Logik der Konfrontation, berichtete das vatikanische Nachrichtenportal "Vatican News" am Donnerstag.
"Jeder Krieg stellt ein moralisches und menschliches Versagen dar", erklärte Gallagher, der beim Heiligen Stuhl auch die Agenden des Multilateralismus betreut, am 24. Februar vor den OSZE-Delegierten. "Weit über das Prinzip der legitimen Verteidigung hinaus beherrscht eine solche Konfrontationslogik inzwischen die Weltpolitik und vertieft Tag für Tag Instabilität und Unvorhersehbarkeit." Diese Entwicklung zwinge Menschen dazu, in ständiger Angst zu leben.
Mit einem Zitat von Papst Leo XIV. aus der Botschaft des Kirchenoberhaupts zum diesjährigen Weltfriedenstag sagte Gallagher: "Der Friede existiert; er will in uns wohnen. Die Aufgabe besteht nicht darin, ihn zu schaffen, sondern ihn aufzunehmen und zuzulassen, dass er uns entwaffnet." Der Heilige Stuhl rufe alle Beteiligten auf, den politischen Mut zu zeigen und "aufrichtige und inklusive diplomatische Kanäle" zu öffnen.
Feuerpausen und ernsthafte Verhandlungen
Laut Vatican News verlangte Gallagher konkrete Schritte wie humanitäre Feuerpausen und ernsthafte Verhandlungen. Verantwortungsträger sollten Vertrauen aufbauen und Verpflichtungen verlässlich erfüllen. Die OSZE könne dabei eine besondere Rolle spielen, etwa durch Maßnahmen zur Linderung menschlichen Leids.
Die Einhaltung von humanitärem Völkerrecht dürfe nicht von militärischen und strategischen Interessen abhängen, griff der vatikanische Außenbeauftragte eine mehrfach von Papst Leo zum Ausdruck gebrachte Sorge auf. "Das humanitäre Völkerrecht ist neben der Gewährleistung eines Mindestmaßes an Menschlichkeit in den Verwüstungen des Krieges eine Verpflichtung, die Staaten eingegangen sind. Dieses Recht muss immer über den Ambitionen der Kriegführenden stehen, um die verheerenden Auswirkungen des Krieges zu mindern, auch im Hinblick auf den Wiederaufbau", sagte er.