Bischof Muser: "Gesetze und klare Regeln sind notwendig. Migration braucht Ordnung. Aber wir schicken keine Menschen pauschal weg oder fliegen sie aus" - Generalvikar Runggaldier will an Gegendemo teilnehmen
Bozen, 27.02.2026 (KAP) Die katholische Diözese Bozen-Brixen beteiligt sich an der Gegendemonstration zu einer für Samstag unter dem Schlagwort "Remigration" in Bozen angekündigten Demonstration. Generalvikar Eugen Runggaldier werde bei dem Protest gegen die von einer neofaschistischen Gruppierung organisierten Demonstration dabei sein, kündigte die Südtiroler Diözese am Freitag in einer Mitteilung an. Darin bezog auch Diözesanbischof Ivo Muser, der am Wochenende einen Pastoralbesuch in einer Pfarre absolviert und daher nicht in Bozen ist, Stellung: Der Begriff "Remigration" stehe für Ausgrenzung und widerspreche dem christlichen Menschenbild.
Letzteres kenne keine Abstufung der Würde nach Herkunft oder Staatsangehörigkeit. Grundlage seien die unveräußerlichen Menschenrechte jedes Einzelnen, so Bischof Muser. "Gesetze und klare Regeln sind notwendig. Migration braucht Ordnung. Aber wir schicken keine Menschen pauschal weg oder fliegen sie aus", betonte er. Politische Konzepte, die ganze Gruppen grundsätzlich zur Disposition stellten, widersprächen diesem Verständnis.
Bei "Remigration" handle sich letztlich um eine neue Bezeichnung für den Slogan "Ausländer raus", erklärte der Bischof. Hinter dem Begriff stünden politische Konzepte, die auf systematische Rückführung und Entfernung von Menschen abzielten. Sprache sei nicht neutral, betonte Muser: Begriffe prägten politische Zielvorstellungen und gesellschaftliche Haltungen. Dem stelle der Bischof bewusst das Leitwort der Integration gegenüber, so die Diözese: "Integration bedeute, Menschen in ein bestehendes gesellschaftliches Gefüge einzubinden: auf der Grundlage klarer Regeln, gegenseitiger Verantwortung und des Respekts vor Recht, Kultur und Institutionen. Remigration hingegen ziele nicht auf Einbindung, sondern auf Trennung. Während Integration auf Zusammenleben ausgerichtet sei, setze Remigration auf Entfernung", hieß es in der Pressemitteilung.
"Beschönigender Begriff für Deportation"
Die Demonstration in Bozen wird von der neofaschistischen Gruppierung CasaPound Italia (CPI) organisiert. Damit wird für ein entsprechendes Volksbegehren bzw. einen vorliegenden Gesetzesentwurf unter dem Titel "Remigrazione e riconquista" ("Remigration und Zurückeroberung") geworben. Dieser hatte binnen weniger als 24 Stunden die 50.000 nötigen Unterschriften erreicht, um im Parlament behandelt zu werden. Den Begriff "Remigration" benutzen auch Rechtsextremisten in Europa. Damit meinen sie in der Regel, dass eine große Zahl von Menschen ausländischer Herkunft das jeweilige Land verlassen soll - auch unter Zwang.
Der Südtiroler Landeshauptmann Arno Kompatscher (SVP) verurteilte die von den Demonstrationsorganisatoren vertretenen Inhalte am Donnerstag in einer Aussendung scharf und will an der Gegendemo teilnehmen, berichteten RAI Südtirol und die Austria Presse Agentur (APA). In einer gemeinsamen Aussendung mit Landtagspräsident Arnold Schuler bekundete Kompatscher demnach seine entschiedene Ablehnung rechtsextremer und verfassungswidriger Ideologien.
"Remigration ist nichts anderes als ein beschönigender Begriff für Deportation", sagte Kompatscher und verwies auf wesentliche Unterschiede zu gesetzlich geregelten Abschiebungen. Die Demonstration werde im Rahmen der rechtsstaatlichen Prinzipien sorgfältig beobachtet werden. "Als Zivilgesellschaft müssen wir menschenverachtenden Tendenzen entschieden entgegentreten - gleichzeitig jedoch das Recht auf Meinungsfreiheit wahren", mahnte der Landeshauptmann laut APA.