Kirchenrechtler Ibounig in "Sonntag"-Interview über falsche Ansichten der Piusbruderschaft und der "linken Reichshälfte"
Klagenfurt, 27.02.2026 (KAP) Mehr innerkirchliche Toleranz und Bereitschaft für gegenseitiges Verständnis und weniger Engstirnigkeit und Rechthaberei. - Das wünscht sich der Kärntner Ordinariatskanzler und Kirchenrechtler Jakob Ibounig. Im Interview mit dem Kärntner "Sonntag" (aktuelle Ausgabe) hat Ibounig zum jüngsten Konflikt Roms mit der Piusbruderschaft Stellung genommen. Vonseiten der Bruderschaft "besteht vermutlich eine gewisse Engstirnigkeit, vielleicht auch eine Mentalität der Rechthaberei", so der Kanzler.
Andererseits gebe es auch in der katholischen Kirche sehr starke Strömungen, die sagen: "Was die linke Reichshälfte angeht, sind wir tolerant bis zum Gehtnichtmehr; da lassen wir alles Mögliche an Behauptungen zu, bis hin zur substanziellen Veränderung von Sakramenten und öffentlich zelebriertem Zölibatsbruch. Gleichzeitig wird aus dieser Richtung anders gesinnten Kreisen gegenüber keine Toleranz aufgebracht." Er denke deshalb, so Ibounig, "dass von dieser kirchlichen Seite ein gewisses Entgegenkommen notwendig sein wird".
Für die Piusbruderschaft ende mit 1962 das katholische Selbstverständnis, aber umgekehrt gebe es auch Gruppen in der Kirche, "die sagen, dass die Kirche erst mit dem Zweiten Vatikanum wirklich begonnen hat". Beide Ansichten seien falsch. Der Papst stehe in dieser Spannung, beide Seiten zusammenzuhalten, so Ibounig: "Die Liebe soll stärker sein als alle Rechthaberei und Engstirnigkeit. Und diese gibt es eben von beiden Seiten."
Zum Status der Alten Messe (Römischer Ritus von 1962), den die Piusbruderschaft pflegt, erläuterte Ibounig, dass dies in der Katholischen Kirche seit dem Motu Proprio "Traditionis custodes" von Papst Franziskus nur mehr eigens vom Bischof beauftragten Priestern erlaubt sei, für ganz bestimmte Gemeinschaften. Die Liturgie dürfe weder in Pfarrkirchen noch im Gemeindegottesdienst zelebriert werden. Der Alte Ritus werde also aktuell sehr restriktiv gehandhabt.
Zur Frage, ob er Elementen der Alten Liturgie etwas abgewinnen könne, meinte der Kanzler: "Prinzipiell ist es gut, wenn es eine lebendige Entwicklung gibt - in dieser bleibt auch das Frühere präsent. Wenn ich anfange, Liturgie zu rekonstruieren und nachzuspielen, wie sie vielleicht im Mittelalter stattgefunden hat, dann ist das vielleicht interessant, aber kein lebendiges Geschehen. Es bleibt dann etwas Museales, das theatermäßig nachgeahmt wird. Aber man kann sich trotzdem inspirieren lassen."
Als Beispiel für Letzteres verwies Ibounig auf den Aspekt der gemeinsamen Zuwendung zu Christus hin: "Es gibt Elemente in der hl. Messe, wo ein Gegenüber von Zelebrant und Gemeinde angebracht ist, bei den Lesungen und bei der Predigt zum Beispiel. Aber dann gibt es andere Teile, die sehr gut darin zum Ausdruck kommen, dass sich alle einer gemeinsamen Richtung zuwenden." Nachsatz: "Der Priester soll keine Barriere zwischen Gott und den Menschen bilden. Man soll am Priester schon vorbei kommen, nämlich zu Gott hin, gemeinsam mit dem Priester."
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