Beck zu "Longevity": Spiritualität begünstigt Lebensqualität im Alter
28.02.202607:46
Österreich/Tod/Lebensstil/Glaube/Philosophie/Beck
Moraltheologe und Mediziner in ORF 2-Sendung "Philosophisches Forum": "Selbstoptimierung im Sein bzw. im Geist ist unbedingt anzustreben"
Wien, 28.02.2026 (KAP) Beim "Longevity"-Trend, immer länger leben zu wollen, sollte es nicht nur um die Lebensdauer, sondern vielmehr um eine höhere und sinnerfüllte Lebensqualität im Alter gehen. Dafür hat der Wiener Theologe und Mediziner Prof. Matthias Beck am Donnerstagabend in der ORF 2-Sendung "Philosophisches Forum" zum Thema "Wollen wir ewig leben?" plädiert. In diesem Zusammenhang hat der Bioethikexperte auf die positive Wirkung von Spiritualität und sozialem Engagement auf das Verhindern von Alzheimer und des altersbedingten Gehirnabbaus verwiesen. Dazu gebe es schon seit Längerem mehrere wissenschaftliche Studien im Blick auf die hohe Lebenserwartung in Klöstern.
Beim gesellschaftlich weitverbreiteten Trend zur Selbstoptimierung plädierte der Priester und Moraltheologe für eine Unterscheidung von Haben und Sein. "Eine Selbstoptimierung im Sein bzw. im Geist ist unbedingt anzustreben", bedeute sie etwa besser ethisch zu handeln oder mehr Liebe zu entwickeln. Problematisch sei ein "Enhancement" des Menschen, also die Selbstoptimierung im Kontext von Materie und Körperlichkeit. "Es hat keinen Zweck, dem Leben mehr Jahre zu geben, man sollte den Jahren mehr Leben geben", betonte Beck unter Verweis auf ein Wort des verstorbenen Wiener Kardinals Franz König. "Was machen wir mit Menschen, die immer länger leben, aber schon jetzt mit 50 Jahren keinen Sinn finden", fragte Beck und gab zu bedenken: "Mozart starb schon mit 36 Jahren und Schubert mit 31 Jahren, beide hatten aber ein erfülltes Leben."
Bei der Frage nach dem ewigen Leben habe die Kirche "einen großen Fehler in der Vermittlung gemacht, indem die Menschen auf das Jenseits vertröstet wurden. "Wir müssen aber im Jetzt leben." Die Theologie habe sich um das innerweltliche Heil zu wenig gekümmert, weswegen Psychologen diese Aufgabe übernommen hätten.
Abgesehen davon habe der Mensch "Sehnsucht nach Ewigkeit" und sei auf das Mehr hin ausgerichtet, so Beck. Der Mensch stehe laut dem Philosophen Hegel immer schon im Raum des Absoluten, sonst könnte er das Relative nicht als relativ erkennen. "Das nennen wir Transzendenz und diese Transzendenz findet hier statt und nicht erst nach dem Tod", so Beck über den Kern von Religion und Glaube. Heute sei an die Stelle der Transzendenz vielfach der Transhumanismus getreten mit Genmanipulation etc. "Die Idee von der Ewigkeit ist richtig, aber die innerweltliche Unsterblichkeit ist genau das Gegenteil von Ewigkeit", so der Mediziner und Theologe.
"Ist der Tod das absolute Ende oder treten wir danach in eine neue Seinsweise?" - Auch diese Frage müsse im Zusammenhang mit dem Longevity-Bestreben gestellt werden, betonte Beck. "Auch wenn wir länger leben, bleibt der Mensch endlich und zugleich bleibt die Grundfrage der Transzendenz, weil 'der Mensch überschreitet den Mensch um ein Unendliches', sagte Blaise Pascal." Dieser andere Seinsraum, die Ewigkeit, sei etwas anderes als die durch Longevity angestrebte innerweltliche Lebensverlängerung. Beck plädierte vor diesem Hintergrund "für das Jenseits, aber nicht unter dem Aspekt der Vertröstung, sondern im Sinne einer Erweiterung des Raumes für das Sein".
Gemeinsam mit Moderatorin Barbara Stöckl und Gastgeber Konrad Paul Liessmann (Philosoph) diskutierten neben Beck der Genetiker Markus Hengstschläger, die Philosophin Sophie Juliane Veigl sowie der Arzt und Theologe Johannes Huber.