Pilgerbetrieb in Jerusalem geht trotz Raketenalarm weiter
28.02.202615:40
Israel/Österreich/Konflikte/Krieg/Tourismus
Interimsleiter des Österreichischen Pilgerhospizes, Maier: Gefühl relativer Sicherheit in Jerusalemer Altstadt - Hoffnung auf rasche Deeskalation des Konflikts zwischen Israel, USA und Iran
Jerusalem, 28.02.2026 (KAP) Nach den israelisch-amerikanischen Luftangriffen auf Ziele im Iran und den darauffolgenden Raketenattacken auf Israel bleibt die Lage in Jerusalem angespannt, aber ruhig. Das Österreichische Pilgerhospiz in der Altstadt setzt seinen Betrieb vorerst fort und hofft auf eine rasche Deeskalation, wie Interimsleiter Lucas Maier am Samstag im Telefonat mit der Nachrichtenagentur Kathpress erklärte.
Die Angriffe hätten sich bereits abgezeichnet, so Maier. Als der US-Botschafter in Israel am Freitag angekündigt habe, Ausreisewillige sollten das Land rasch verlassen, sei klar gewesen, dass eine Eskalation unmittelbar bevorstehen könnte. Am Samstagmorgen habe es dann gegen 8 Uhr ersten Voralarm gegeben, um die Menschen in Israel zu wecken, ehe kurz darauf der Angriff Israels und der USA gegen den Iran gestartet seien. Wenig später seien auch iranische Raketen in Richtung Tel Aviv abgefeuert worden.
Gegen 10 Uhr morgens habe es dann auch in Jerusalem Raketenalarm gegeben. Die Stadt selbst sei jedoch nicht direktes Ziel der Angriffe gewesen, betonte Maier. Die Geschosse hätten vor allem Tel Aviv sowie militärische Einrichtungen im Norden und Süden Israels im Visier gehabt. In Jerusalem seien bislang keine Einschläge in unmittelbarer Nähe der Altstadt bekannt und auch nicht anzunehmen: Die Lage in unmittelbarer Nähe zwischen zentralen Heiligtümern der drei Weltreligionen - Klagemauer, Grabeskirche und Felsendom - sei für die Stadt "wie ein zusätzliches Schutzschild" neben den militärischen Raketenabwehrsystemen. Als größere Gefahr sehe man herabfallende Trümmerteile abgefangener Raketen, die deshalb schon weit vor der Stadt abgefangen würden.
Das Hospiz verfügt über einen Schutzraum, in dem Gäste und Mitarbeitende bei Alarm Zuflucht finden. Die Stimmung im Haus sei ruhig, Panik gebe es nicht, berichtete Maier. Man habe in den vergangenen Jahren wiederholt Erfahrungen mit ähnlichen Situationen gemacht. Derzeit beherbergt das traditionsreiche Haus unter anderem eine größere französische Pilgergruppe, die sich bereits seit mehreren Tagen im Land aufhält und aufgrund der Sperre des Luftraums kurzfristig nicht ausreisen kann. Da Jerusalem als relativ sicher gilt, versuche die Gruppe ihr Programm fortzusetzen und hoffe auf eine baldige Öffnung des Luftraums.
Wie sich die Lage entwickeln wird, ist nach Einschätzung Maiers offen. Beim jüngsten militärischen Schlagabtausch im Juni sei nach zwölf Tagen wieder Normalität eingekehrt. Vor Ort stelle sich rasch eine gewisse Routine ein. Für das Pilgerwesen hätten die Folgen jedoch deutlich länger angehalten. Stornierungen hätten sich damals über Monate gezogen, obwohl die Sicherheitslage sich stabilisiert hatte. Das Österreicher-Hospiz sei für das bevorstehende Osterfest nahezu ausgebucht gewesen, nun befürchte man mögliche Absagen der Reiseveranstalter. Nach dem Waffenstillstand im Gazastreifen habe sich das Pilgeraufkommen zuletzt schrittweise erholt.
Sorge bereitet dem Interimsrektor weniger die unmittelbare Sicherheit als die wirtschaftliche Perspektive. Viele Christen im Heiligen Land lebten vom Pilgertourismus und hätten in den vergangenen Jahren durch Pandemie, Terror und Krieg massive Einnahmeverluste erlitten. Auch das Hospiz habe seine Rücklagen weitgehend aufgebraucht.
Dennoch wolle man offen bleiben. Das Haus verstehe sich als Ort der Begegnung inmitten der Altstadt, und im angeschlossenen Café kämen sowohl jüdische als auch muslimische und christliche Gäste zusammen, viele davon Studierende. "Jeder arbeitet friedlich an seinem Projekt oder seiner Hausübung - was in Israel außergewöhnlich ist. Es zeigt, dass ein Nebeneinander zumindest im ganz Kleinen doch funktionieren kann. Um einen solchen neutralen Ort zu bieten, ist es uns wichtig, offen zu bleiben, auch in Krisenzeiten", so Maier, der zudem auf die Sorge um die Arbeitsplätze seines Personals verwies
Unversehens ist mit dem Überraschungsangriff Israels auf den Iran wieder Krieg im Nahen Osten. Die Menschen in Jerusalem nehmen den ersten Tag des Schlagabtauschs gelassen hin. Aber niemand weiß, was noch kommt - Korrespondentenbericht von Johannes Schidelko