Gaza: Grenzschließungen verschärfen humanitäre Lage
03.03.202609:29
Palästina/Kirche/Krise/Hunger/Konflikte
Zivilbevölkerung leidet an ausgesetzten Hilfslieferungen infolge des Krieges mit dem Iran - Pfarrer von Gaza, Romanelli: Stundenlanges Anstellen für Trinkwasser
Gaza-Stadt/Rom, 03.03.2026 (KAP) Die humanitäre Lage im Gazastreifen verschärft sich erneut. Wie der Pfarrer der katholischen Gemeinde in Gaza-Stadt, Gabriel Romanelli, im Gespräch mit Vatican News (Montag) erklärte, seien Versorgungslage und Lebensbedingungen für die Bevölkerung äußerst angespannt. Hintergrund sind die zeitweise vollständige Schließung der Grenzübergänge durch Israel sowie anhaltende Beschränkungen für internationale Hilfsorganisationen.
Das israelische Militär hatte sämtliche Übergänge mit Verweis auf "Sicherheitsanpassungen" im Kontext der regionalen Spannungen nach Angriffen auf den Iran geschlossen. Die Grenzübergänge gelten als zentrale Route für Hilfsgüter, Treibstoff und medizinische Evakuierungen. Spät am Montagabend kündigten israelische Behörden an, der Übergang Kerem Schalom werde wieder geöffnet, um eine "schrittweise Einfuhr humanitärer Hilfe" zu ermöglichen. Angaben zum Umfang der Lieferungen wurden nicht gemacht.
Nach Angaben von Helfern gehen die ohnehin knappen Treibstoffreserven im Gazastreifen rasch zur Neige, auch bei Grundnahrungsmitteln drohen Engpässe. Die Militärbehörde Cogat erklärte hingegen, seit Beginn der Waffenruhe im Oktober seien ausreichend Lebensmittel geliefert worden; die vorhandenen Vorräte sollten "für einen längeren Zeitraum" reichen. Zu möglichen Treibstoffengpässen äußerte sich die Behörde nicht.
Romanelli berichtete, auf den Märkten seien vereinzelt wieder Obst, Fleisch und Käse erhältlich. "Aber die Preise sind sehr hoch und die meisten können sie nicht bezahlen", sagte er. Viele Menschen hätten Haus, Arbeit und Einkommen verloren. Elektrizität werde überwiegend durch Generatoren erzeugt, was mit hohen Kosten verbunden sei; Solaranlagen könnten bislang nicht eingeführt werden. Teilweise warteten Familien mehrere Stunden auf wenige Liter sauberes Trinkwasser.
Ein von der israelischen Regierung geplantes Verbot gegen 37 internationale Hilfsorganisationen ist derzeit durch eine einstweilige Verfügung des Obersten Gerichtshofs vorläufig ausgesetzt. Die Organisationen dürfen zunächst weiterarbeiten, unterliegen jedoch verschärften Registrierungsauflagen. Eine endgültige Gerichtsentscheidung steht noch aus.