Konflikt "massives Thema" bei Berliner Tourismusmesse ITB - "Biblische Reisen" sucht Alternativländer
Berlin/Wien, 03.03.2026 (KAP) Überschattet von der kriegerischen Eskalation in Nahost ist am Montag die 60. Ausgabe der weltgrößten Tourismusmesse ITB in Berlin eröffnet worden. Auch für den Pilgertourismus in die betroffene Region bedeuten die Angriffe auf den Iran und dessen Gegenschläge einen Einschnitt, erklärte der Geschäftsführer von "Biblische Reisen", Andreas Kickinger, am Dienstag im Gespräch mit Kathpress. "Der Iran-Krieg ist massives Thema. Ganze Hallen bewerben Reisen in Länder, die derzeit vor allem damit beschäftigt sind, ihre Touristen wieder außer Landes zu bringen", so der Touristikexperte am Rande der Fachmesse mit heuer über 6.000 Ausstellern aus 160 Ländern.
Die Rückholung von festsitzenden Reisegruppen am Golf verläuft momentan unter anderem über den Oman, auch von Transfers nach Saudi-Arabien sei auf der Messe immer wieder zu hören, während ein Verlassen Israels derzeit am ehesten über Jordanien oder Ägypten möglich sei, sagte Kickinger. Auch das am Konflikt eigentlich unbeteiligte Zypern sei betroffen: Da es dort britische Enklaven mit einem Militärstützpunkt gibt, der nun auch zur Nutzung durch die USA freigegeben wurde, gehen Raketen des iranischen Gegenschlags auch auf die Insel. Einige Fluglinien steuern daher Nikosia momentan nicht an.
Während der Persische Golf in die Sparte "Warmwassertouristik" fällt, ist christlich motiviertes Reisen von der aktuellen Kriegslage besonders im Heilige Land oder bei Studienreisen in den Oman betroffen. "Biblische Reisen" mit Firmensitz in Klosterneuburg kam glücklich davon: Eine in der Vorwoche angesetzte Heiligland-Visite mit einer großen Delegation der Österreichischen Ordenskonferenz konnte vergangenen Donnerstag noch wie geplant abgeschlossen werden, ehe zwei Tage darauf die Angriffe Israels und der USA auf den Iran starteten und der Luftraum gesperrt wurde. Für Ostern war keine Gruppe für die Destination programmiert: "Religiöse Gruppen sind an den Feiertagen meist daheim in Pfarren engagiert", erklärte Kickinger den Hintergrund.
Wiederaufbau auch beim Reisen
Das Reisebüro mit Bibel-Schwerpunkt steht weiter in Kontakt mit Partnern in Israel und Palästina. Diesen gehe es "gut", derzeit erlebten sie jedoch eine "neue Qualität der Angriffe", berichtete Kickinger: Bei den Hisbollah-Raketen aus dem benachbarten Libanon gebe es immer nur 90 Sekunden Reaktionszeit, um nach Alarmsignal in den Bunker zu gelangen. Die Menschen seien trotz der dramatischen Phase getragen von der "Hoffnung, dass es schnell vorüber geht und dies der letzte Krieg für längere Zeit ist". Ob der Konflikt tatsächlich zu Ostern beendet ist, wisse jedoch derzeit niemand.
Für die weitere Entwicklung im Nahost-Tourismus auch im günstigsten Fall einer baldigen Beruhigung der Lage werde es erneut viel Aufbau- und Vertrauensarbeit brauchen, sagte Kickinger. Schon jetzt plane "Biblische Reisen" eine Einführungsreisen für Gruppenleiter im Juni, "nach dem Motto: Kommt und seht, was jetzt wieder geht. Wir glauben fest, dass sich die Situation bessert." Eine Einschätzung der weiteren Entwicklung werde aber wohl erst Anfang April möglich sein.
Alternativen Ägypten und Algerien
Inzwischen verweist man beim Angebot für Reisen mit spirituellem Hintergrund auf Alternativen. Ägypten - aus Touristikersicht ein "Boomland" - biete sich hier an, es sei mangels Militärbasen auf eigenem Boden von den Angriffen schließlich nicht betroffen. Auch Irak und Syrien seien auf der ETB vertreten und würden von manchen Gruppen bereits angesteuert, nicht jedoch aus Österreich, da hierzulande eine Reisewarnung gilt - "und wir fahren kein Land an, das als Risikostufe 4 eingeschätzt wird", erläuterte Kickinger.
Völlig neu im Programm sei Algerien, das Leo XIV. im April als erster Papst der Geschichte besucht, und drei Tage später "Biblische Reisen", als erste europäische Gruppe nach Jahrzehnten, die der Geschäftsführer hervorhob. Das Interesse an Ordensgründer Augustinus sei stark gewachsen, die Sicherheitslage im größten Land Afrikas habe sich deutlich gebessert, "besonders in den Küstenregionen, die wir besuchen", wie Kickinger betonte.
Iran touristisch hochinteressant
Vor allem im Sinne der dortigen Bevölkerung hofft Kickinger auf ein baldiges Ende der Auseinandersetzungen in Iran. Für ihn sei Persien "eines der touristisch schönsten und auch religiös spannendsten Länder überhaupt", wegen der 5.000-jährigen Hochkultur und des hohen Werts der Bildung, durchaus auch unter Frauen. "Den Menschen wäre es sehr zu wünschen, dass es zu einer friedlichen Entwicklung kommt. Krieg ist immer eine Katastrophe", so der Geschäftsführer.