Wien, 03.03.2026 (KAP) Dass der aktuelle Konflikt im Nahen Osten vor allem die Zivilbevölkerung mit voller Härte trifft, hat auch das Hilfswerk "Jugend eine Welt" am Dienstag in einer Aussendung bestätigt. "Wir sind von Angriffen bislang Gott sei Dank noch verschont geblieben. Unser Standort ist aktuell eine Oase des Friedens und der Sicherheit. Aber man hört die Bomben, die auf Beirut niedergehen", berichtete etwa Lina Abou Naoum, Jugend Eine Welt-Projektpartnerin im Libanon. Die Don Bosco-Schwester ist die Direktorin einer Schule in Kahalé, einem Bergdorf im Distrikt Aley, rund 13 Kilometer von Beirut entfernt. "Die aktuelle Situation macht natürlich Angst, denn man kann nie vor eventuellen Querschlägern sicher sein", so Sr. Lina. Die Don Bosco-Schule bleibt daher aus Sicherheitsgründen geschlossen.
"Die Menschen verharren zu Hause. Wir versuchen mit Verteilaktionen die Lebensmittel- und Medikamentenversorgung möglichst aufrechtzuerhalten", so die Don Bosco-Schwester. "Ein großes Problem ist aber, dass die Preise für Lebensmittel zuletzt sehr stark gestiegen sind. Dazu kommen auch noch die höheren Kosten für Elektrizität und Gas. Mittlerweile ist das Leben für viele Menschen nicht mehr leistbar". Es regiert die Angst vor einem weiteren Anstieg und einem damit verbundenen Währungsverlust." Die Hoffnung in der Bevölkerung auf ein baldiges Ende des Krieges ist laut Sr. Lina gering - vielmehr fürchte man eine weitere Eskalation.
Auch aus Hadath Baalbek im Osten Libanons erreichten Jugend Eine Welt besorgniserregende Nachrichten. Don Bosco-Schwester Rudaina berichtet, dass das Schultheater - der sicherste Ort der Schule - bereits als Notquartier vorbereitet wurde. Schon bei früheren Raketenagriffen fanden dort rund fünfzig Familien Schutz. Derzeit fehle es jedoch an Nahrungsmitteln, Trinkwasser und Heizmaterial. "Die Temperaturen sinken nachts unter null Grad. Wir haben nicht genug, um den täglichen Grundbedarf zu decken." Dennoch wollen die Schwestern bleiben und im Ernstfall notleidende und vertriebene Familien aufnehmen.
Auch die Don Bosco-Projektpartnerinnen und Projektpartner von Jugend Eine Welt in Israel und dem Westjordanland seien unmittelbar von den dramatischen Entwicklungen betroffen. In Beit Jala nahe Bethlehem schilderte Burghard Schunkert von der Organisation Lifegate Rehabilitation die angespannte Situation im Westjordanland: "Bei uns steht das öffentliche Leben still, denn wir befinden uns hier in der Region unter schwerem Raketenbeschuss. Die Menschen müssen fast stündlich in die Schutzräume. Verfügen sie über keine, dann suchen sie zumindest Schutz im Keller ihres Hauses."
Ein Kindergartenbetrieb im "Lifegate-Rehabilitationszentrum" sei aktuell nicht machbar, erzählt Schunkert. "Auf den Straßen ist es viel zu gefährlich. Der Weg zu uns wäre ein zu großes Risiko. Wir haben daher auf Online-Betreuung der Kinder umgestellt. Aufgrund vorangegangener kriegerischer Konflikte und der Corona-Pandemie haben wir damit schon Erfahrung."
Auch in Jerusalem sei die Lage angespannt. Pater Emanuele von den Salesianern Don Boscos berichtete von täglichen Alarmsirenen und Raketeneinschlägen. "Das Leben beschränkt sich auf das Nötigste. Schulen und die meisten Aktivitäten sind geschlossen." Die Menschen in Israel und dem Westjordanland leben in höchster Alarmbereitschaft. "Wir versuchen die Menschen weiter bestmöglich zu unterstützen. Vor allem beten wir, dass diese Situation endet, denn sie ist wirklich schrecklich."