Palliativärztin Grebe: "Der seelische und existenzielle Aspekt gehört unverkennbar zum humanistischen Auftrag des Krankenhauses" - OÖ-Ordensspitäler Geschäftsführer Minihuber: Spirituelle Dimension im Spital auch strukturell absichern - 68 hauptamtliche und 60 ehrenamtliche Krankenhausseelsorgende in Oberösterreich aktiv
Linz, 04.03.2026 (KAP) Spiritualität bzw. spirituelle Angebote und Begleitung sind im Gesundheitswesen unverzichtbar. Das war der Tenor einer Pressekonferenz am Mittwoch in Linz. Christina Grebe, Ärztliche Leiterin der Palliativstation am Salzkammergut Klinikum Vöcklabruck und Vorsitzende des Landesverbandes Hospiz OÖ, betonte die Bedeutung der seelischen Gesundheit. Ein Thema, das aus ihrer Sicht im Gesundheitswesen unterrepräsentiert ist. Grebe: "Krankheit berührt Dimensionen, die über das rein Biologische hinausgehen. Schmerzen oder Schwäche sind äußere Symptome. Dahinter stehen oftmals Fragen nach dem Sinn, nach Identität oder der Zukunft."
Es sei von großer Bedeutung, die spirituelle Sicht auf den Patienten bzw. die Patientin nicht auszuklammern, denn: "Wenn seelische Belastungen unerkannt bleiben, beeinflussen sie Beschwerden, Heilungsprozesse und die Lebensqualität maßgeblich."
Aus Grebes Sicht ist es Aufgabe des gesamten Gesundheitssystems, sich um die seelischen Belastungen von Patientinnen und Patienten zu kümmern. "Der seelische und existenzielle Aspekt gehört unverkennbar zum humanistischen Auftrag des Krankenhauses. Wir müssen Raum schaffen für offene Gespräche über Angst, Hoffnung, Sinnfragen und Lebensplanung, ohne dabei die Wissenschaftlichkeit zu verlieren", so Grebe.
Ermöglicht werde diese ganzheitliche Behandlung durch multidisziplinäre Teams, bestehend aus Ärztinnen und Ärzten, Personen aus Pflege, aus dem therapeutischen Bereich, aus Seelsorge, Psychologie und Sozialarbeit. Besonders wichtig sei diese Art der Begleitung dann, wenn Therapien an ihre Grenzen stießen.
"Spiritualität ist kein 'Nice-to-have'"
Johann Minihuber, Geschäftsführer der OÖ-Ordensspitäler Koordinations GmbH, betonte, das Gesundheitswesen befinde sich in einer Phase tiefgreifender Veränderung. "Medizinischer Fortschritt, gesellschaftliche Entwicklungen und globale Herausforderungen stellen uns täglich vor neue Anforderungen - fachlich, organisatorisch und nicht zuletzt menschlich."
Die Bedeutung einer ganzheitlichen Begleitung von Menschen im Gesundheitswesen stehe dabei aber außer Frage. "Die Ordensspitäler in Oberösterreich verstehen sich seit jeher als Orte einer ganzheitlichen Sorge um den Menschen", so Minihuber. Die spirituelle Verwurzelung von Ordensspitälern sei "ein lebendiger Auftrag - von den prägenden Ordensgründern der Geschichte bis hinein in die Haltungen und Werte, die heute tagtäglich in unseren Häusern gelebt werden".
Spiritualität sei dabei keine Zusatzleistung und kein "Nice-to-have", sondern "eine Ressource, aus der wir leben, aus der wir unseren Geist und unsere Haltung entwickeln und reflektieren". Spiritualität könne Patientinnen und Patienten, Angehörige ebenso wie Mitarbeitende stärken und Halt geben. Gerade in einem hoch getakteten, oft belastenden Arbeitsumfeld sei sie auch eine Ressource für Menschlichkeit, Resilienz und Sinnorientierung. Zentrale Aufgabe von Geschäftsführungen und Vorständen in den Ordensspitälern Oberösterreichs sei es, diese spirituelle Dimension auch strukturell abzusichern.
"Kultur der Achtsamkeit und Wertschätzung"
Doris Wierzbicki, Leiterin des Teams Seelsorge im Gesundheitswesen der Diözese Linz, verwies auf das Bedürfnis von Menschen, im Gesundheitswesen nicht nur als "Fälle" oder "Diagnosen" wahrgenommen zu werden, sondern mit Körper, Geist und Seele. "Gerade in Zeiten von Krankheit, Verletzlichkeit und existenziellen Krisen zeigt sich, wie entscheidend dieser umfassende Blick auf den Menschen ist", so Wierzbicki.
Besonders bedeutsam sei Spiritualität als Ressource im Hospiz- und Rehabilitationsbereich: "Rehabilitation bedeutet nicht nur körperliche Stabilisierung, sie ist auch ein Prozess der Neuorientierung. Menschen stehen vor der Aufgabe, Abschied zu nehmen von dem, was war, und sich mit einer veränderten Lebenssituation auseinanderzusetzen. Diese Übergänge sind oft von Unsicherheit, Angst und Verlust begleitet."
Spiritualität könne in solchen Phasen gesundheitsfördernd wirken, so Wierzbicki: "Spirituelle Begleitung unterstützt den Genesungsprozess ganzheitlich - auch dort, wo medizinische Möglichkeiten an ihre Grenzen stoßen. Sie ist kein Zusatzangebot, sondern eine tragende Ressource menschlicher Gesundheit." Seelsorge stärke nicht nur Patienten und Angehörige, sondern auch die Mitarbeitenden, die permanent mit Leid und Grenzerfahrungen konfrontiert seien: "Seelsorge stärkt ihre Resilienz und fördert eine Kultur der Achtsamkeit und Wertschätzung."
Im Rahmen der Pressekonferenz wurden auch einige Zahlen genannt: In 23 Krankenhäusern inklusive Reha-Einrichtungen sowie Palliativ- und Hospizeinrichtungen in Oberösterreich (mit insgesamt 8.331 Betten) wird seelsorgliche Begleitung angeboten. 68 hauptamtliche Seelsorgerinnen und Seelsorger würden etwa 80.500 Stunden Seelsorge jährlich leisten. Rund 60 ehrenamtliche Seelsorgende unterstützten mit etwa 9.500 Stunden jährlich.