kfbö-Chefin sieht biblische Grundlage für Gleichstellung und fordert mehr Verantwortung vonseiten der Männer
Wien, 05.03.2026 (KAP) Christlicher Glaube und Feminismus schließen sich nach Ansicht der Vorsitzenden der Katholischen Frauenbewegung Österreichs (kfbö), Angelika Ritter-Grepl, nicht aus. Im Gegenteil: Die Gleichstellung von Frauen und Männern sei ein "christlicher Auftrag", der sich bereits in zentralen biblischen Texten finde, sagte sie im Vorfeld des Weltfrauentags (8. März) gegenüber der Nachrichtenagentur Kathpress. Nötig seien aber strukturelle Veränderungen in Kirche wie Gesellschaft, damit Frauen tatsächliche Teilhabe erhalten und traditionelle Rollenbilder aufgebrochen werden. Veränderungen müssten jedoch von beiden Seiten getragen werden: "Es kann ja auf die Dauer nicht so sein, dass sich nur eine Seite ändert."
Als Christin und Feministin sieht Ritter-Grepl ihre Haltung fest im Glauben verankert. "Ich bin eine fromme Feministin", sagte sie. Schon im biblischen Schöpfungsbericht werde die Gleichwertigkeit der Geschlechter deutlich: "'Männlich und weiblich schuf er sie.' Da ist keine Hierarchie drinnen." Auch Paulus relativiere Geschlechterhierarchien mit der Aussage "'...nicht männlich, nicht weiblich'". Daraus folge ein klarer Auftrag: "Wir haben christlich gesehen jedes Handwerkzeug zur Hand, das Thema gleiche Würde, Gleichheit in Verschiedenheit positiv zu bearbeiten."
Als desillusionierend bezeichnete die kfbö-Vorsitzende hingegen die langjährigen Debatten über Frauen in der Kirche: "Ich werde der Frage auf der einen Seite müde, weil es so scheint, dass sich aus Sicht der Frauen wenig bewegt." Gleichzeitig habe sich gesellschaftlich in wenigen Jahrzehnten viel verändert. Noch 1976 habe ihre Mutter die Erlaubnis ihres Mannes gebraucht, um berufstätig zu sein.
Grundsätzlich nehme sie bei kirchlichen Verantwortungsträgern Unterstützung für die Themen und Belange der kfbö wahr. "Ich glaube, da stehen die Bischöfe auch dahinter." Gleichzeitig würden Veränderungen immer wieder durch historische Traditionen gebremst. Die 2000-jährige Kirchengeschichte habe auch "traditionalistische Geschlechterklischees transportiert", woraus auch Spannungen entstünden, "aber wir lassen uns nicht zerreiben", so Ritter-Grepl.
Hartnäckige traditionelle Rollenzuschreibungen
Ein wichtiger Antrieb für ihr Engagement nannte Ritter-Grepl die Diskrepanz zwischen rechtlicher Gleichstellung und gelebter Realität. Themen wie Gender-Pay-Gap oder ungleich verteilte Care-Arbeit zeigten, wie hartnäckig traditionelle Rollenzuschreibungen weiterwirken. "Es braucht die Arbeit an den traditionellen Geschlechterstereotypen auf beiden Seiten, auch von Männerseite", zeigte sich die ehrenamtliche Vorsitzende einer der größten Frauenorganisationen Österreich überzeugt.
Nötig dafür seien aber strukturelle Änderungen, "die die Männer dazu einerseits animieren und andererseits dazu verpflichten". Als Beispiel nannte sie Karenzregelungen, die Väter tatsächlich in Verantwortung bringen: "Damit passiert Bindung zwischen den Vätern und den Kindern. Und so passiert auch dieses Hineinwachsen in diese Care-Verantwortung." Sorgearbeit müsse als Normalität gelten: "Männer sorgen wie Frauen indem sie trösten und kochen und da sind, wenn die Kinder sie brauchen."
Räume für junge Frauen schaffen
Mit Sorge beobachtet die kfbö-Vorsitzende zugleich eine zunehmende Distanz junger Frauen zur Kirche. "Ich glaube, dass wir die Abwendung von jungen Frauen von der Kirche erleben." Als Grund nannte Ritter-Grepl neben langsamen Reformprozessen innerhalb der Kirche eine Diskrepanz zwischen einer für junge Frauen selbstverständlichen Geschlechtergerechtigkeit und den starren kirchlichen Strukturen. Speziell die Bischöfe seien hier aufgerufen, die Dringlichkeit dieser Tatsachen zu erkennen.
Für die katholische Frauenbewegung sieht Ritter-Grepl eine doppelte Herausforderung: Räume zu schaffen, in denen junge Frauen ihre Anliegen selbst gestalten können, und zugleich die Erfahrungen der älteren Generation einzubringen. "Wir leben noch, wir sind noch nicht tot", sagte sie. Die Erfahrung des "sich Erstreitens" von Rechten sei ein wichtiger Schatz.
Kritisch betrachtete Ritter-Grepl gesellschaftliche Debatten über Geburtenraten oder die vermeintliche "Natur des Weiblichen": "Da vermischen sich auch ganz viele Vorstellungen, von Wirtschaft, wie Nationalismus, Ausbeutungstendenzen und politische Wünsche." Letztlich gehe es oft um Macht- und Wirtschaftsinteressen, die sich "an dem Thema Frauen entzünden".
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