Neues Buch: Kardinal Sarah kritisiert Kurs der Kirche im Westen
05.03.202615:13
Frankreich/Vatikan/Kirche
Emeritierter Kurienkardinal beklagt Relativismus und Spaltungen
Paris, 05.03.2026 (KAP/KNA) In einem neu veröffentlichten Buch übt der frühere Kurienkardinal Robert Sarah (80) scharfe Kritik an der Entwicklung der Kirche im Westen. Diese sei von Relativismus und Spaltungen geprägt, schreibt er. Als Beispiele nennt er das 2023 veröffentlichte vatikanische Segensdokument "Fiducia Supplicans", das Segnungen von Menschen in homosexuellen Partnerschaften außerhalb der Liturgie erlaubt. Auch das Reformprojekt der katholischen Kirche in Deutschland, den Synodalen Weg, zählt er dazu.
Zugleich warnt Sarah vor einem "stillen und schleichenden Atheismus", den er für gefährlicher hält als offenen Atheismus. Dieser zersetze den Glauben der Christen von innen: "Man sagt, man glaube, aber man lebt, als ob Gott nicht existiere", so Sarah. Das Interviewbuch mit dem französischen Journalisten Nicolas Diat trägt den Titel "2050". Der Titel spielt auf das nächste ordentliche Jubiläumsjahr der katholischen Kirche an.
Sarah stand von 2014 bis 2021 an der Spitze der vatikanischen Gottesdienstbehörde. Während seiner Amtszeit kam es aufgrund unterschiedlicher liturgischer Vorstellungen zu Spannungen mit Papst Franziskus, der am Ostermontag des vergangenen Jahres starb. Sarah betonte jedoch stets, kein Gegner des Papstes zu sein. Auch nach seiner Emeritierung äußert er sich regelmäßig zu Fragen der kirchlichen Entwicklung und gilt weiterhin als Kritiker kirchlicher Reformen.