Anlässlich des Weltfrauentages (8. März) appelliert die KAÖ zur Überwindung von Geschlechterungerechtigkeiten: "Jede Form der Über- und Unterordnung der Geschlechter widerspricht dem biblischen Bild, dass der Mensch ein Ebnenbild Gottes ist" - Warnung vor politisch gelenkten Rückschritten
Wien, 06.03.2026 (KAP) Anlässlich des Internationalen Weltfrauentages (8. März) ruft die Katholische Aktion Österreich (KAÖ) dazu auf, in der Kirche mehr Geschlechtergerechtigkeit zu leben. Seinen Wurzeln nach sei das Christentum vom Streben nach Gleichwertigkeit von Frauen und Männern geprägt. Rollenfixierungen gelte es daher sowohl in der Kirche als auch in der Gesellschaft insgesamt kritisch zu hinterfragen. "Wir dürfen nicht aufhören zu kämpfen, bis eine echte Gleichstellung erreicht ist", forderte die Vizepräsidentin der KAÖ, Katharina Renner, am Freitag in einer Presseaussendung. Schließlich widerspreche "jede Form der Über- und Unterordnung der Geschlechter (...) dem biblischen Bild, dass der Mensch ein Ebenbild Gottes ist."
Das Ziel der Geschlechtergerechtigkeit, wie es sich in biblischen Quellen aufzeigen lasse, sei allerdings bis heute vielerorts noch nicht erreicht - auch in den Kirchen nicht. Renner: "Umso mehr sollte sich die katholische Kirche hinsichtlich gelebter Gleichwertigkeit von Frauen und Männern jetzt deutlich in Bewegung setzen." Die Kirche sollte zum "Motor weltweiter Geschlechtergerechtigkeit" werden und damit "ihren Beitrag zum Heil in der Welt leisten".
Daran gelte es nicht zuletzt angesichts realpolitischer Rückschritte und steigender Gewalt gegenüber Frauen zu erinnern. Diese Gewalt sei oftmals eine Folge ungleicher Verteilung und finanzieller Abhängigkeiten von Frauen, mahnte Renner. "Wer eine Frau als passives Objekt der Zuwendung sieht, wird versuchen, über sie zu verfügen. Wer Frauen als schwach und hilflos sieht, will ihre Bewegungsfreiheit beschneiden. Unterdrückung tarnt sich dann als Fürsorge."
Entsprechende Bewegungen könne man etwa in rechtskonservativen und -extremen Parteien ausmachen, die die "Demontage moderner, menschenrechtlich orientierter Rollenbilder" zum Wählerstimmenfang nutzen, so Renner. "Parteien, die zu autoritären Führungsstilen neigen, neigen auch dazu, Gewalt gegen Frauen weniger ernst zu nehmen. Strömungen, die ein idyllisches Familienbild zeichnen und Frauen in überkommene Rollenbilder drängen, sind anfällig, bei Vergewaltigung in der Ehe wegzusehen".
Ein Warnsignal sei etwa die auch unter europäischen Staaten zu verzeichnende Abkehr von der "Istanbuler Konvention" - einer Übereinkunft des Europarates zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen aus dem Jahr 2011. Gerade autoritär regierte Staaten würden diese ursprünglich von 13 Staaten - darunter Österreich - unterzeichnete Konvention in Frage stellen. "Wenn Parteien mit autoritären Zügen an die Macht kommen, dann haben Frauen das Nachsehen. Lang erkämpfte Rechte werden infrage gestellt und das Leben wird für Frauen wieder gefährlicher", so Renner bilanzierend. Der Frauentag solle daher "eine Mahnung und Aufforderung zum Weiterkämpfen sein: Für die Gleichberechtigung von Frauen in allen Lebensbereichen, für die absolute Gleichstellung und gegen jede Form der Gewalt an Frauen."
(Kathpress-Themenschwerpunkt mit Meldungen und Hintergrundberichten zum Weltfrauentag 2026 abrufbar unter www.kathpress.at/weltfrauentag)
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