Ordensfrau in Palästina: "Schutzräume gibt es hier nicht"
06.03.202613:29
Österreich/Palästina/Kirche/Krieg/Orden
Leiterin des kirchlichen Pflegeheims "Beit Emmaus" im Westjordanland, Sr. Dominika Zelent, berichtet über die aktuelle gefährliche Lage vor Ort: "Wir hören das Heulen der Sirenen und das Dröhnen der Detonationen, sodass manchmal das ganze Haus wackelt"
Jerusalem, 06.03.2026 (KAP) In "Beit Emmaus" in Qubeibeh im Westjordanland leitet Sr. Dominika Zelent ein Alten- und Pflegeheim. Auch wenn das Westjordanland nicht direkt Ziel iranischer Angriffe ist, sei die Lage sehr gefährlich und unberechenbar, berichtete sie am Freitag in einem Schreiben an die Österreichische Ordenskonferenz, das Kathpress vorliegt. Jerusalem, nur etwa zwölf Kilometer von Qubeibeh entfernt, und zwei israelische Siedlungen in unmittelbarer Nähe gehörten zu den Zielen der iranischen Angriffe. "In den letzten Tagen und Nächten gab es immer wieder Bombenalarmen. Wir hören das Heulen der Sirenen und das Dröhnen der Detonationen, sodass manchmal das ganze Haus wackelt. Schutzräume gibt es hier nicht."
Die Schwestern und die Bewohnerinnen im Pflegeheim könnten nur hoffen und beten, "dass von den Raketen, die teilweise über uns hinwegfliegen und von der israelischen Luftabwehr abgefangen werden, keine Trümmer auf unser Haus oder Grundstück fallen", so Sr. Dominika.
Dazu komme eine erhöhte Gefahr von Terroranschlägen. Diese richte sich vor allem gegen die israelischen Siedler, doch gleichzeitig wachse dadurch die Präsenz der israelischen Armee und das Risiko von Gewaltübergriffen. "Es reicht ein Moment, und man kann plötzlich in Gefahr geraten - zur falschen Zeit am falschen Ort. Und das bedeutet eine physische und psychische Belastung", so Sr. Dominika.
Dennoch gehe das Leben weiter: "Wir gehen unseren Aufgaben nach, wir lachen und tauschen uns aus. Auch unsere Mitarbeitenden kommen zur Arbeit, als sei alles normal, und wirken, als könnten sie mit der ständigen Bedrohung besser umgehen als ich." Nachsatz: "Wir leben derzeit im Krisenmodus - zwischen Hoffnung und Angst, zwischen dem Dröhnen der Explosionen und dem leisen Gebet um Schutz."
Im Pflegeheim "Beit Emmaus" sind 38 Palästinenserinnen christlichen und muslimischen Glaubens untergebracht. Sr. Dominika ist gemeinsam mit drei anderen Salvatorianerinnen und einer Franziskanerin vor Ort. In Qubeibeh selbst lebt nur eine christliche Familie. Das Heim liegt im Westjordanland und ist nur über Checkpoints erreichbar.
Das ursprünglich in Trägerschaft der Salvatorianerinnen gestandene Haus gibt es seit rund 50 Jahren. "Beit Emmaus" ist auch ein wichtiger Arbeitgeber in der Region. Die meisten Mitarbeitenden sind Muslime. Die Trägerschaft des Hauses hat inzwischen der "Deutsche Verein vom Heiligen Lande" übernommen.
Erst vor zwei Wochen besuchte eine Delegation der Ordenskonferenz und der "Initiative Christlicher Orient" (ICO) die Schwestern und Bewohnerinnen in "Beit Emmaus".