Im Exil in Österreich lebende, zum Christentum konvertierte Auskunftsperson zur derzeitigen Situation in der Heimat: Brutalität des Mullah-Regimes macht Christentum nur noch attraktiver
Wien/Teheran, 06.03.2026 (KAP) Nach Massendemonstrationen, einem Massaker an Zehntausenden und dem Tod des langjährigen Machthabers Ali Khamenei durch Luftangriffe der USA und Israels erlebt der Iran eine dramatische Zuspitzung der Lage. Für die Christen im Land ist diese zugleich von Angst und vorsichtiger Hoffnung geprägt. "Gerade jetzt fragen viele Iraner nach dem christlichen Glauben", sagte eine aus dem Iran stammende Auskunftsperson am Freitag im Gespräch mit Kathpress. Die Person lebt seit mehreren Jahrzehnten in Österreich, ist vom Islam zum Christentum übergetreten und begleitet heute selbst Menschen auf dem Weg zur Taufe. Sowohl mit Menschen im Iran als auch mit Exil-Iranern pflege sie engen Kontakt und bekomme so ein relativ genaues Bild der Situation, so die aus Sicherheitsgründen anonym bleibende Quelle.
Besonders prägend für die aktuelle Stimmung sei das Massaker vom 8. und 9. Jänner gewesen, bei dem "mindestens 40.000 Menschen von den Revolutionsgarden auf offener Straße, in Märkten und sogar in Spitälern erschossen" worden seien. Das Regime habe dagegen nur von 3.000 Toten gesprochen, die angeblich ausländische Terroristen gewesen seien. Tausende Handyvideos, Fotos und Sprachnachrichten aus dem Land hätten jedoch später das viel größere Ausmaß der Gewalt bestätigt, "auch die Namen der Toten und ihre Familien sind bekannt". Viele Demonstranten hätten verzweifelt gerufen, dass sie mit leeren Händen das Regime nicht stürzen könnten, und auf Hilfe von außen gehofft.
Für zahlreiche Menschen im Iran sei der Beginn der Luftangriffe am 28. Februar und der Tod von Ali Khamenei "wie die Erfüllung eines langen Traums" gewesen, berichtet die Quelle. Paradoxerweise freuten sich derzeit viele Menschen im Land über Raketenangriffe auf ihre Städte, da diese vor allem Stellungen der Revolutionsgarde träfen und das Regime schwächten. Gleichzeitig bleibe die Lage gefährlich, weil das bestehende System weiterhin an der Macht sei und Khameneis Sohn Motschtaba als möglicher Nachfolger als besonders radikal gelte.
Verfolgung nimmt zu
Zu den religiösen Minderheiten im Iran zählen auch Christen, darunter offiziell anerkannte Gemeinschaften wie Armenier oder chaldäische Christen. Sie dürfen im Land leben und ihre Religion ausüben, unterliegen jedoch strengen Einschränkungen. Nach der islamischen Revolution von 1979 sei ihre gesellschaftliche Teilhabe stark begrenzt worden: Sie hätten eigene Schulen und teilweise eigene Wohnviertel, während der Zugang zu Universitäten und staatlichen Berufen stark kontrolliert werde. Noch schwieriger sei die Situation für Menschen, die vom Islam zum Christentum übertreten. Ein Religionswechsel ist im islamischen Recht nicht vorgesehen und kann mit Verhaftung, Folter oder sogar mit der Todesstrafe geahndet werden. Konvertierte Christen würden häufig als Bedrohung für die nationale Sicherheit dargestellt oder als angebliche Spione des Westens beschuldigt.
Nach dem Zwölftagekrieg im Vorjahr und dem jüngsten Massaker habe sich die Lage für diese Gruppe weiter verschärft. Bestätigt seien mindestens 28 bei den Jänner-Demonstrationen ermordete Christen, unter ihnen der Feuerwehrmann Yohana Mirpadyab, der in der Stadt Rascht mit einem Kopfschuss getötet worden sei, als er Menschen aus einem brennenden Basar retten wollte. Sicherheitskräfte hätten das Feuer gelegt und anschließend auf fliehende Menschen geschossen. Seit Jänner würden Hauskirchen stärker kontrolliert, etliche seien aufgelöst und zahlreiche Menschen verhaftet worden.
Faszination Christentum
Dennoch wachse das Interesse am christlichen Glauben im Land seit Jahren. Viele Menschen seien von der Botschaft Jesu von Liebe, Geduld und Bereitschaft zur Vergebung fasziniert. "Gerade jetzt fragen viele nach dem christlichen Glauben", betont die Quelle. Viele dieser Christen lebten im Verborgenen und träfen sich in Hauskirchen, deren Zahl unbekannt sei; das Internet und Spielfilme über Jesus hätten zur Verbreitung seiner Botschaft erheblich beigetragen. Schätzungen gingen davon aus, dass ein großer Teil der Bevölkerung dem Christentum zumindest innerlich offen gegenüberstehe.
Auch auf der Flucht oder in Europa kämen manche Muslime erstmals intensiver mit dem christlichen Glauben in Berührung. Die Auskunftsperson berichtet von Beispielen aus Österreich: Ein Afghane habe erzählt, dass er erst hier zum ersten Mal erfahren habe, "wie es ist, wie ein Mensch behandelt zu werden", nachdem ihm eine ältere Frau Arbeit, Essen und Respekt gegeben habe. Andere Flüchtlinge seien durch einfache Gesten berührt worden, etwa als sie beobachteten, wie hingebungsvoll jemand im Winter Vogelfutter aufhing.
Gleichzeitig warnt die Quelle, dass Konvertiten auch im Exil nicht immer sicher seien. In Flüchtlingsunterkünften komme es immer wieder zu Beschimpfungen oder Schikanen durch andere Bewohner, wenn jemand offen zum Christentum übertrete. Deshalb seien viele ehemalige Muslime weiterhin vorsichtig. Wichtig sei es, Solidarität mit den verfolgten Christen zu zeigen und ihre Freiheit auch in der Diplomatie und im Religionsdialog einzufordern, so der Wunsch der Auskunftsperson an Österreichs Politik und Kirche.
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