Libanon: Nahost-Kirchenrat bittet um mehr internationale Hilfe
06.03.202615:38
(zuletzt bearbeitet am 06.03.2026 um 15:39 Uhr)
Libanon/Kirche/Krieg/Soziales/Nahost-Kirchenrat
Kirchen-Dachverband: Kinder, ältere Menschen, Kranke und Menschen mit Behinderungen vom Krieg besonders betroffen
Beirut, 06.03.2026 (KAP) Der Nahost-Kirchenrat hat angesichts der verheerenden Entwicklungen im Libanon und vielen weiteren Ländern im Nahen Osten die Kirchen im Westen und die internationale Staatengemeinschaft um mehr Hilfe bei der Bewältigung der humanitären Katastrophe gebeten. Die Kirchen und ihre Institutionen würden vor Ort ungeachtet der Religionszugehörigkeit allen Menschen in Not Hilfe zukommen lassen. Der zunehmende humanitäre Bedarf übersteigt jedoch mittlerweile die Kapazitäten lokaler Initiativen. Tausende Familien benötigen dringend Hilfe, darunter Nahrungsmittel, medizinische Versorgung, sichere Unterkünfte, psychologische und soziale Unterstützung sowie die Instandsetzung beschädigter Häuser und Gemeinschaftseinrichtungen.
Immer mehr lebenswichtige Einrichtungen wie Krankenhäuser, Schulen und Versorgungsnetze würden zerstört. Diese Situation bedrohe ganze Bevölkerungsgruppen, vor allem die Schwächsten, mit besonderen Auswirkungen auf Kinder, ältere Menschen, Kranke und Menschen mit Behinderungen.
Der Schutz der Menschenwürde und die Wahrung des menschlichen Lebens müsse im Mittelpunkt aller Bemühungen stehen, mahnte der Nahost-Kirchenrat. Es gelte, gegenüber dem Leid der Zivilbevölkerung nicht gleichgültig zu bleiben, den Menschen im Nahen Osten in dieser kritischen Phase beizustehen und so auch die Hoffnung auf eine stabilere und würdevollere Zukunft aufrechtzuerhalten.
Im seit 1974 bestehenden Nahost-Kirchenrat mit Sitz in Beirut im Libanon sind alle Kirchenfamilien (katholisch, orthodox, orientalisch-orthodox, reformatorisch) vertreten. Ziel des Zusammenschlusses ist es, die Kooperation christlicher Gemeinschaften im Nahen Osten zu intensivieren und religiöse Vielfalt zu fördern. (Infos: https://www.mecc.org/)
Libanon ist Kriegsgebiet
Die südlichen Vorstädte Beiruts sind am Freitagvormittag zum Ziel erneuter israelischer Angriffe geworden. Auch aus dem Libanon flogen wieder Raketen in Richtung Israel. Bei einem israelischen Angriff auf ein Wohnhaus in der libanesischen Küstenstadt Sidon kamen nach Angaben von Behörden im Libanon fünf Menschen ums Leben, sieben weitere wurden demnach verletzt. Bei einem der Toten soll es sich nach Angaben von Sicherheitskreisen um ein Hamas-Mitglied gehandelt haben, wie die APA berichtete.
Die dicht besiedelten Beiruter Vorstadtviertel gelten als Hochburg der mit dem Iran verbündeten Schiitenmiliz Hisbollah. Deren Infrastruktur sei Ziel der Attacken, teilte das israelische Militär kurz vor Beginn der neuen Angriffswelle mit. Die Hisbollah bekannte sich unterdessen zu dem Raketenbeschuss auf den Norden Israels. Aus Kreisen der UNO-Friedensmission UNIFIL wurde die Zahl der in Richtung Israel abgegebenen Geschoße auf etwa 250 beziffert. Berichte über Tote oder Verletzte von dort gab es zunächst keine.
Die Hisbollah hatte zu Beginn der Woche begonnen, als Reaktion auf die Tötung des iranischen Staatsoberhaupts Ali Khamenei Raketen auf Israel zu schießen. Seitdem greift auch Israel Ziele im Libanon an.
Bereits in der Nacht auf Freitag war es zu schweren israelischen Angriffen aus der Luft gekommen. Berichten zufolge hatten viele Tausende Menschen die Viertel im Süden Beiruts in den vergangenen Tagen verlassen, nachdem Israels Armee weiträumige Evakuierungsaufforderungen veröffentlicht hatte. Dem örtlichen libanesischen Katastrophenschutz zufolge suchten bis Freitagmittag knapp 100.000 Menschen Zuflucht in Notunterkünften. Die Zahl der Geflohenen dürfte jedoch höher sein, weil viele Menschen auch ohne Dach über dem Kopf in anderen Teilen Beiruts Schutz suchten, hieß es demnach. Manche fanden in Hotels und Ferienwohnungen Unterschlupf.