Christliche Kirchenführer rufen zu Frieden und Rückkehr zur Diplomatie auf - Warnungen vor weiterer Eskalation im Nahen Osten - Chaldäer-Patriarch Sako: Wenn Christen erneut fliehen müssen, werden sie nicht zurückkehren
Bagdad/Beirut/Istanbul, 09.03.2026 (KAP) Mehrere christliche Patriarchen haben angesichts des Kriegs im Nahen Osten und der Golfregion zu Frieden und zur Rückkehr zur Diplomatie aufgerufen. In Erklärungen vom Wochenende betonten u. a. der irakische Kardinal Louis Raphael Sako, Maroniten-Patriarch Bechara Rai im Libanon und orthodoxe Kirchenspitzen wie der Ökumenische Patriarch Bartholomaios und Patriarch Johannes X. von Antiochien auch die große Sorge um die Zukunft der Christen in der Region. "Niemand weiß, wohin dieser Krieg führen wird. Und wir haben 2003 dasselbe Szenario erlebt", erklärte Patriarch Sako, Oberhaupt der mit Rom vereinten chaldäischen Kirche gegenüber "Radio Vatikan" und warnte vor "Chaos, Unruhen, Racheakten, Angriffen".
"Wir befürchten eine neue Eskalation, die uns in einen groß angelegten regionalen Krieg führen würde", sagte Sako. "Krieg ist keine Lösung, nur Diplomatie kann zur Lösung der Probleme beitragen", mahnte der Kardinal.
"Mut und Hoffnung nicht verlieren"
Das Chaldäer-Oberhaupt blickt auch mit großer Anspannung auf das Schicksal der christlichen Gemeinschaften, insbesondere in der Ninive-Ebene im Norden des Irak. Mitte der 2010er Jahren waren viele Ninive-Christen wegen der Verfolgung durch die Terrormiliz IS geflohen. "Wir Christen sind sehr besorgt, denn wenn sie beginnen, die Ninive-Ebene anzugreifen, wo 50.000 Christen leben, werden diese Menschen ihre Häuser verlassen und diesmal nicht mehr zurückkehren", betonte Patriarch Sako.
Er habe die Christen dazu aufgerufen, "für den Frieden zu beten, vorsichtig zu sein und weder Mut noch Hoffnung zu verlieren", so der Kardinal zu Radio Vatikan. Er setzt auch auf die Stimme anderer Religionsführer im Irak, um die Spannungen abzubauen. "Ich habe die religiösen Führer (der Muslime, Anm.) gebeten, ihre Stimme für den Frieden und die Geschwisterlichkeit zu erheben", erklärte er.
Beirut: Friedensaufruf von Kardinal Rai
Im Libanon äußerte der maronitische Patriarch Kardinal Rai seine Trauer über die Opfer der andauernden Kämpfe zwischen Israel und der libanesischen Hisbollah-Miliz. Bei einem Gottesdienst am Sonntag an seinem Sitz in Bkerke nahe Beirut beklagte er die Zerstörung von Häusern, Institutionen und Infrastruktur im Libanon.
"Beten wir für ein Ende dieses und aller Kriege und dafür, dass sie durch Verhandlungen, einen Waffenstillstand, Dialog und diplomatische Bemühungen ersetzt werden", sagte das Oberhaupt der größten christlichen Kirche im Libanon laut Katholischer Nachrichten-Agentur (KNA). Zugleich rief Rai auf zum Gebet für einen gerechten, umfassenden und dauerhaften Frieden. Frieden sei ein kostbares Geschenk Gottes, betonte der Patriarch, der im politischen und gesellschaftlichen Leben des Libanon hohes Ansehen und Einfluss genießt.
"Wir stehen an eurer Seite"
Seine Besorgnis über die Lage in der Region brachte auch das Ehrenoberhaupt der Weltorthodoxie, der Ökumenische Patriarch Bartholomaios, zum Ausdruck. Nach Angaben des Patriarchats von Konstantinopel vom Samstag sprach Bartholomaios mit dem griechisch-orthodoxen Patriarchen von Antiochien, Johannes X., und versicherte Johannes und den Gläubigen der Kirche seiner Nähe und des Gebets.
Johannes X. selbst bekundete laut Portal "Orthodox Times" in einem Telefonat mit Metropolit Elias von Tyros und Sidon die Solidarität der Kirche von Antiochien mit den Menschen im Südlibanon. Der Krieg bringe auch der alteingesessenen christlichen Gemeinde in der Region Leid, erklärte der Patriarch und versprach neben moralischer auch materielle Unterstützung: "Wir stehen an eurer Seite und beten für Frieden und für ein Ende des Krieges."