US-Kardinal prangert Darstellung von Krieg als Videospiel an
09.03.202612:40
USA/Iran/Krieg/Kirche/Internet
Chicagos Erzbischof Cupich reagiert mit scharfer Kritik auf Postings aus dem Weißen Haus und beklagt "tiefgreifendes moralisches Versagen"
Washington, 09.03.2026 (KAP) Als "widerwärtig" bewertet US-Kardinal Blase Cupich, ein Video, das das Weiße Haus auf seinem X-Account veröffentlicht hat und in dem Szenen aus beliebten Actionfilmen mit echten Aufnahmen der Angriffe auf den Iran gemischt werden. Es handle sich um "eine grauenvolle Darstellung", erklärte der Erzbischof von Chicago laut "Vatican News" (Montag) in einer am Wochenende veröffentlichten Stellungnahme. "Echter Krieg und echtes Leid" würden wie ein Videospiel behandelt. "Ich weiß, dass das amerikanische Volk besser ist als das. Wir haben den gesunden Menschenverstand, um zu erkennen, dass das, was geschieht, keine Unterhaltung, sondern Krieg ist, und dass der Iran eine Nation von Menschen ist und kein Videospiel, das andere spielen, um uns zu unterhalten", hielt Cupich fest.
Die US-Regierung behandle das Leiden des iranischen Volkes "wie eine Kulisse für unsere eigene Unterhaltung, als wäre es nur ein weiterer Zeitvertreib, den man sich in der Schlange im Supermarkt ansieht", beklagte Cupich. Wörtlich spricht er in der Stellungnahme mit dem Titel "Ein Appell an das Gewissen" ("A Call to Conscience") auf der Website der Erzdiözese Chicago von einem "tiefgreifenden moralischen Versagen". Wer die schrecklichen Folgen des Krieges ignoriere, riskiere "das kostbarste Geschenk, das Gott uns gegeben hat: unsere Menschlichkeit".
Hunderte Menschen seien bereits tot, "Mütter und Väter, Töchter und Söhne, darunter Dutzende von Kindern, die den fatalen Fehler begangen haben, an diesem Tag zur Schule zu gehen", erinnerte der Kardinal an die Zerstörung einer Mädchenschule durch Raketen am ersten Kriegstag. Auch die bereits getöteten US-Soldaten würden durch derartige Social-Media-Beiträge entehrt. "Vergessen wir nicht, dass ein 'Treffer' nicht bedeutet, Punkte auf dem Spielstand zu sammeln; sondern eine trauernde Familie, deren Leid wir ignorieren, wenn wir Unterhaltung und Profit über Empathie stellen."
Kardinal Cupich: "Wenn das Prinzip der Souveränität eines Staates nicht mehr geachtet wird, können wir jede Entschuldigung erfinden, um einen Krieg zu beginnen"